Elektrisches Klappmofa im Test

Hat nicht alles gut geklappt

Von Marco Dettweiler
 - 12:30
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Es gibt verschiedene Wege, einen Elektromotor, ein Gestell und zwei Räder zu vereinen. Technisch anspruchvoll, ausgereift und teuer sind Elektroscooter wie der C Evolution von BMW. Für rund 15.000 Euro gibt es ordentlich Reichweite und viel Fahrspaß. Günstiger sind Elektroroller wie der Niu N 1s Civic, Kumpan Electric 1954 L oder die Elektro-Schwalbe von Govecs. Die Preise bewegen sich zwischen 3000 und 6000 Euro, die Reichweite zwischen 50 und 70 Kilometer. Alltagstauglich ist nicht jedes Produkt. So hat die Schwalbe zwei fest montierte Akkus. Wer in einer Wohnung lebt, vor der ein Elektroroller keinen Platz und ein Verlängerungskabel keinen Ausgang findet, wird mit ihr nicht glücklich.

Und dann gibt es noch den FEDDZ. Dieses Gefährt mit einem Preis von 7800 Euro ähnelt eher einem Design-Pedelec, weil es sich wie ein Fahrrad fährt und der Rahmen sehr schlank ist. Für die Stadt eignet es sich aufgrund seiner Wendigkeit gut, für Überlandfahrten eher weniger, weil es – wie alle anderen Elektroroller – nicht einmal 50 Kilometer schnell ist und zudem einen Sattel hat, der dem Hintern nach längerer Zeit zu hart wird.

Die Kreativität, Elektro-Zweiräder zu entwerfen, ist noch lange nicht erschöpft. Am unteren Ende dieses Spektrums sammeln sich mofaähnliche Gefährte, die man zusammenklappen kann. Konzeptionell sind sie verwandt mit den faltbaren Pedelecs, sie haben eben nur keine Pedale.

Wir haben ein Exemplar mit dem Namen Stigo getestet. Ähnlich wie bei Scootern und Rollern mit Elektromotor ist die Aufmerksamkeit garantiert, wenn man sich damit blicken lässt. Damit man das überhaupt darf, braucht solch ein Gefährt ein Nummernschild und somit eine Versicherung. Es ist dann rechtlich als Mofa eingestuft. Um mit ihm fahren zu dürfen, reicht ein Autoführerschein. Weil der Stigo nur maximal 20 km/h schnell ist, gilt für ihn keine Helmpflicht. Er darf auf der Straße fahren und auf Fahrradwegen, die auch für Mofas erlaubt sind. Da es von diesen viel zu wenige gibt, bleibt für den Stigo oft nur der Weg auf die Straße.

Als das Gefährt in der Redaktion ankam, haben wir erst einmal auf den großzügigen Fluren verschiedener Stockwerke geübt. Der Auf- und Abbau gelingt flott. Mit einem Handgriff und Fußtritt lässt der Stigo sich schnell auseinanderklappen. Einmal auf den Anschalter drücken, eine Chipkarte an die Fläche unterhalb des Bildschirms halten, und die Fahrt kann beginnen. Der Stigo zieht kräftig los, die Bremsen funktionieren zuverlässig, die Hupe ist laut und das Licht hell. Es macht Spaß, damit um Hindernisse zu fahren, mal kurz zum Kollegen ins Zimmer, mit dem Aufzug ins Erdgeschoss und wieder hinaus aus dem Gebäude. Für ein Messegelände oder am Flughafen wäre der Stigo ein praktisches Vehikel.

Doch dieser Einsatz ist nicht gestattet. Er ist für Pendler gedacht, die nach Ankunft am Bahnhof noch ein paar Kilometer zur Arbeitsstätte vor sich haben. Schon der Weg vom Gleis zur Straße mit den knapp 14 Kilogramm im Schlepptau wird kein leichter sein. Zwar ist der zusammengeklappte Stigo so konzipiert, dass der Lenker zum Griff wird, an dem man das Paket ziehen kann. Doch die Stützräder, die dann links und rechts neben dem Hinterrad zum Einsatz kommen, sind zu schmal angeordnet, sodass der geklappte Stigo zur Seite kippt, wenn man ihn am linken oder rechten Lenkergriff zieht. Packt man die Mitte der Stange, verbiegt der Arm zu sehr.

Nachdem das Redaktionsgebäude als Testgelände ausgereizt war, ging es die nächsten Tage auf die Straße – was schon mit dem Fahrrad in Frankfurt keinen Spaß macht und man jede Gelegenheit nutzt, auf einen Radweg zu wechseln. Mit dem Stigo macht es noch weniger Laune, weil das Gefährt klein ist, der Motor nur 200 Watt hat, die Sitzhöhe entsprechend niedrig und keinerlei Bewegung des Körpers stattfindet.

Das ist auch der Grund für das trügerische Gefühl, mit dem Stigo sei man langsamer als mit einem Fahrrad unterwegs, was in den meisten Fällen nicht so ist. Bei Fahrten über mehrere Kilometer nervt zudem der Widerstand des Gashebels. Die rechte Hand muss ihn fortwährend auf Maximum halten, was nach wenigen Minuten zu leichten Krämpfen führen kann. Nach zirka fünfzehn Kilometern kann man loslassen, nach dieser Strecke ist die 36-Volt-Lithium-Batterie meist leer. Für Pendler sollte das reichen, über Nacht kann der Akku mit 5,8 Amperestunden aufladen.

Was eigentlich alle Zweiräder mit Elektromotor auszeichnet, geht dem Stigo im Stadtverkehr völlig ab: der Spaß am Fahren. Insofern ist ein Pendler besser bedient, wenn er sich ein Faltrad zulegt. Denn für die 1500 Euro, die der Stigo kostet, bekommt man schon ein Brompton oder ähnliche Marken. Und mit denen dürfen Pendler ebenfalls auf dem Radweg fahren.

Quelle: F.A.Z.
Marco Dettweiler
Redakteur in der Wirtschaft.
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