Elektroauto für Kinder

Der Tesla für den kleinen Mann

Von Peter Thomas
 - 06:55

Reichweite? Fahrspaß ist wichtiger. Sagt jedenfalls unser Testpilot, lässt das Fahrlicht aufleuchten und zirkelt mit dem metallicrot im herbstlichen Licht schimmernden Tesla S über den Asphalt. Leise heulend beschleunigt der Elektroflitzer. Die Hupe piept, der Fahrtwind weht, das Elektroauto mit der extrem direkten Lenkung und brettharter Federung dreht Achten und Kreise. Das Grinsen im Gesicht des Fahrers wird breit und breiter.

Hat es also doch etwas für sich, noch nicht zur Schule gehen zu dürfen (über diese Sehnsucht reden wir dann in zehn Jahren noch mal). Denn sowohl mit Alter als auch mit Gewicht liegt der Fünfjährige genau innerhalb der Empfehlung des Herstellers (3 bis 8 Jahre, maximal 40 Kilogramm). Dieser Tesla ist nämlich kein ausgewachsenes Elektroauto, sondern ein elektrisch angetriebenes Kinderfahrzeug.

Zusammenarbeit mit Tesla

Das 1,32 Meter lange Cabriolet gehört zum Sortiment von Radio Flyer. Der amerikanische Traditionshersteller von Kinderfahrzeugen feiert 2017 sein hundertjähriges Bestehen. Den S, nach eigenen Angaben das erste Elektrofahrzeug für Kinder mit Lithium-Ionen-Technik, hat Radio Flyer gemeinsam mit Tesla entwickelt.

Die Sache hat Stil – selbst von außen betrachtet. Das sagen auch die älteren Brüder. Die sind zwar ebenfalls autobegeistert und mit elf sowie zwölf Jahren wahrlich noch keine Riesen. Aber in bequemer Position in dem Testwagen Platz zu nehmen, das schaffen sie einfach nicht mehr.

Mit Elektromobilität haben sich die drei Knaben bisher nur in der Form von ferngesteuertem Spielzeug und der Modellrennbahn beschäftigt. Als alltägliches Fortbewegungsmittel oder gar als Sehnsuchtsmaschine hingegen kamen nur Automobile mit Verbrennungsmotoren vor.

Und wie ist das so mit dem elektrischen Fahren? Vor dem ersten Start ist erst einmal die Tugend der Geduld gefragt. Denn der Energiespeicher muss geladen werden. Das geschieht entweder außerhalb des Fahrzeugs oder über die Plug-in-Steckdose neben der linken Heckleuchte. Die Batterie selbst findet im Heck ihren Platz, vor dem Fahrer lassen sich im „front trunk“ wichtige Dinge wie ein Fußball und die Trinkflasche verstauen. Die Füllung des Akkublocks lässt sich auf Knopfdruck prüfen: Leuchten alle fünf LED grün, ist der Speicher gefüllt. Dasselbe Signal gibt es auch am Ende des Ladezyklus, der bei uns stets nur wenige Stunden dauerte. Danach hatte der Wagen wieder Saft und Kraft für einen Nachmittag auf dem Bolzplatz. Die reine Fahrzeit betrug jeweils rund zwei Stunden, tendenziell mehr Kurzstrecke mit vielen Starts und Stopps.

Das Tempo reicht aus

Wer es komfortabel haben möchte, kann eine zweite Batterie ordern und sie parallel zum Fahrbetrieb laden. Das geht aber – wie das gesamte Fahrzeug mit seinem Grundpreis von 624 Euro – ordentlich ins Geld. Als Zubehör kostet der Standard-Akku mit 130 Wattstunden Kapazität 139 Euro, die silberfarbene Premium-Batterie mit 190 Wattstunden sogar 199 Euro. Immerhin wird der große Speicher den Kunden derzeit auf der deutschsprachigen Website von Rado Flyer ohne Aufpreis als Erstausrüstung angeboten. Das kostet normalerweise einen Zuschlag von 59 Euro. Aber auch so addiert sich der Preis unseres Testwagens mit einigen Extras wie Zierfelgen und einer schicken Abdeckplane (59 Euro) auf rund 900 Euro.

Die Agilität des Kinderfahrzeugs scheint auf den ersten Blick nicht gerade überwältigend zu sein, genauso wie die abgeregelte Höchstgeschwindigkeit von 5 km/h. Aber schon die Fahrversuche in der Einfahrt zeigen: Das Tempo bietet eine ganz schön große Sause mit zwei Finger breiter Bodenfreiheit. Den Schalter zum Entriegeln des vollen Tempos (10 km/h) im Kofferraum haben wir deshalb auch nur auf dem weitläufigen, asphaltierten Bolzplatz umgelegt. Der Fünfjährige jedenfalls ist von nun an überzeugter Fan der E-Mobilität. Immer so lange, bis der Nachbar mit seinem Porsche vorfährt. Und der Test-Tesla ist mittlerweile in einer evangelischen Kindertagesstätte im Einsatz.

Quelle: F.A.S.
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