Erste Probefahrt im Volvo V60

Schönheit siegt

Von Holger Appel
 - 15:17
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Es gibt Werbesprüche, die einem nie mehr aus dem Kopf gehen. Der von Audi beispielsweise, demzufolge schöne Kombis Avant heißen. Das gilt immer noch, aber nicht mehr uneingeschränkt. Denn jetzt schickt Volvo seinen neuen V60 auf die Reise, und noch bevor sich erste Gedanken auf die inneren Werte richten, klopft das Herz. Stilistisch ist auch dieser junge Schwede ein Volltreffer.

Volvo gibt sich Mühe, einstige Tugenden des Transports nicht völlig unter die Designräder kommen zu lassen, und bietet Zubehör an, mit dem Fahrräder hintendran und Kajaks obendrauf geladen werden können. Aber die Wahrheit ist eben, dass schnelle Hecks weniger schlucken als kantige Quader. Offiziell ausgemessen sind 529 Liter Kofferraum, die zu befüllen nur in arg gebückter Haltung gelingt, auch weil die Laderaumabdeckung das tut, wofür sie gedacht ist, nämlich Raum abdecken.

Es ist verflixt: Hat man sich an die praktischen Seiten eines SUV gewöhnt, wovon Volvo ja auch feine offeriert, dann haben es Limousinen und sogar Kombis schwer. Aber es will bekanntlich nicht jeder Geländewagen fahren, und wer lieber tiefer sitzt und die engere Verbindung zu Straße sucht, der findet im 4,76 Meter langen V60 gehobene Künste der Verführung. Innen fühlen sich Fahrer und Beifahrer in edlem Ambiente bestens aufgehoben, hinten passen wegen des hohen Mitteltunnels ehrlich nur zwei Personen rein, die Beinfreiheit dort ist gerade noch in Ordnung. Fahr- und Lenkverhalten sind ohne Tadel, die Sicherheit auf höchstem Niveau. Es gibt nun auch einen Assistenten, der Frontalzusammenstöße mit auf der eigenen Spur entgegenkommenden Geistern zumindest abmildern soll.

Motorisch setzt Volvo wie gehabt auf maximal vier Zylinder, der Leistungsbereich startet um 150 PS und endet mitsamt Plug-in-Hybridstrom bei 390 PS. Alle erfüllen die strengste Abgasnorm 6d-Temp. Markteinführung ist im Juli, manche Variante wird nachgeschoben. Diesel und Benziner sind im Angebot sowie Front- oder Allradantrieb. Gefordert werden mindestens 40.100 Euro, doch für ein attraktiv geschnürtes Paket sind eher 46.000 Euro aufwärts zu kalkulieren.

Auf einer ersten Runde voll entspannter Zurückhaltung wies der Bordcomputer im Diesel 6,5 Liter und im Benziner 9,3 Liter aus. Das beunruhigt uns ein wenig. Wir sind auf den ausführlichen Test gespannt.

Quelle: F.A.Z.
Holger Appel
Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.
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