Lexus LC 500

Lieber Lexus als Liegerad

Von Holger Appel
 - 10:03
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Weil die politische Korrektheit vor nichts und niemandem haltmacht, sei sogleich gesagt: Es gibt auch diesen Lexus mit Hybridantrieb, der stromert sich 359 PS zusammen und gibt wahrscheinlich noch laktosefreien Sake. Jetzt für alle Liebhaber des Automobils: Lexus offeriert diesen GT auch als LC 500 mit saugendem V8-Superbenziner, 5 Litern Hubraum, 477 PS und 540 Nm Drehmoment. Nur, falls jemand zweifelt, wovon hier die Schreibe ist, es handelt sich um einen Toyota, jener rollenden Umwelthilfeorganisation, der die Freude am Fahren eher fremd ist.

Gut, genaugenommen handelt es sich um die Luxusdependance der Japaner, die in Europa kein Rad auf den Boden bringt, und das schon seit Jahren. Nun kommt sie mit dieser Granate daher, und wenn du gerade denkst, im Frankfurter Szeneviertel könntest du damit keinen Augenaufschlag gewinnen gegen die mattschwarzen M und AMG und RS, dann fährt die oberarmtätowierte Grazie in ihrem Smart neben dich, reckt den Daumen in die Höhe und sagt: Klasse.

Klasse? O ja, und tatsächlich mehr auf dem Eleganzniveau eines BMW 6er. Lexus hat einigen Anlauf gebraucht, von der Studie bis zur Serie vergingen fünf Jahre, doch das, was jetzt auf der Straße steht, raubt einem den Atem. Die Motorhaube schier endlos, der Kühlergrill entschlossen, die Seiten zackig und das Heck fast schneller als die Front, wirft sich das Sportcoupé in den Wettbewerb um Kunden mit Benzin im Blut. Ans Lenkrad und in die passgenauen Sitze gelangen Pilot und Kopilot durch Türen mit versenkten Griffen. Der Zustieg in den hinteren Bereich allerdings ist nur Origamikünstlern zuzumuten, der Aufenthalt dortselbst jenseits von 1,50 Meter Größe ungesund.

Es vereinen sich technische Spielereien mit feiner Zubereitung. Der Drehzahlmesser fährt auf Befehl zur Seite und gibt dahinterliegende Informationen preis. In der Mitte des Raumes teilen sich Pad und Drehsteller und Wählhebel den Platz, es gibt etwas Ablagefläche und bisweilen schlecht ablesbare Anzeigen, einiges in der Bedienung ist gewöhnungsbedürftig, aber nicht weiter von hinderlicher Bedeutung, denn das Herz schlägt vorn.

Mit betörendem Klang kommt der ohne Turbo atmende Achtzylinder seiner Aufgabe nach. Der Vorwärtsdrang ist von entschlossener Naturgewalt und frei von Hektik, nur leider kämpft er mit fast zwei Tonnen Leer-, also Übergewicht. Immerhin macht das Automatikgetriebe mit seinen unglaublichen zehn Stufen dazu eine gute Figur. 13 Liter Verbrauch stehen im Testprotokoll. Natürlich lassen sich diverse Fahrmodi auswählen, alle zeigen Charakter, Fahrwerk und Lenkung sind von angemessener Präzision. Von null auf 100 km/h gelingt in 4,7 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit beträgt 270 km/h, beides lässt sich ohne schweißnasse Hände erfahren. 99 200 Euro kostet dieses verführerische japanische Menü in der Basis, und jetzt zitieren wir den Kollegen von „Auto-Bild“, weil das Fazit schöner nicht zu formulieren ist: Irgendwann, wenn Anton Hofreiter uns zum Liegeradfahren verpflichtet hat, werden wir solchen Autos hinterherheulen.

Quelle: F.A.Z.
Holger Appel
Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.
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