Fahrbericht VW Golf GTE

Hybrid muss man sich leisten wollen

Von Holger Appel
 - 13:35
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Auf die geschätzten Leser von „Technik und Motor“ ist Verlass. „Ich habe“, schreibt der Herr passgenau zu jener Zeit, als der Golf GTE in der Redaktion ist, „mir lange überlegt, ob ich einen Golf GTI oder GTE kaufen soll. Der Hybrid ist mir zu teuer und zu schwer. Ich habe den GTI genommen.“ Volkswagen wird das gleich oder lieber sein, haben die Wolfsburger doch so oder so einen ihrer Wagen an den Mann gebracht, ein margenträchtiges Modell gar.

Wir vermuten, mit dem an der Steckdose aufladbaren GTE (Fachbegriff Plug-in-Hybrid) ist weniger oder nichts zu verdienen. Batterien zur teilweisen oder vollständigen Elektrifizierung von Autos sind teuer. Das gilt grundsätzlich, obwohl im hybriden Fahrzeug andere Akkutypen verbaut werden als im rein elektrisch angetriebenen. 180 Euro je Kilowattstunde rechnen die Konstrukteure heute, das erklärt die auf die Kundschaft verschreckend wirkenden Preise.

Der Golf GTE macht keine Ausnahme. Er kostet in Basisausstattung 36.900 Euro und liegt damit rund 20 Prozent über seinen kräftigsten Brüdern mit Diesel oder Benzin. Geboten werden dafür stramme 204 PS Systemleistung mit kurzzeitig verfügbaren 350 Newtonmeter Drehmoment, vor allem aber die Möglichkeit, einige Kilometer lokal emissionsfrei und nahezu lautlos zurücklegen zu können. Letzteres ist geeignet, einen jeden in seinen Bann zu ziehen. Die elektrische Fortbewegung in der Stadt wirkt unheimlich fortschrittlich, sie entwickelt kontemplative Züge, ohne zu sehr nach laktosefreiem Körnerfutter zu schmecken. Einen sahnig zubereiteten Maschinenraum mag sich mancher anders vorstellen, insbesondere der rauhe Lauf des kalten Benziners strapaziert Gehör und Gefühl, aber noch sind wohl einige Preise über den saftigen Anschaffungstarif hinaus zu bezahlen.

50 Kilometer rein elektrisches Fortkommen verspricht die Norm, wir schafften die Hälfte. Das kann für die Zukunft nicht ausreichen. Ist allein die Elektromaschine am Werk, verbraucht sie 23 kWh auf einhundert Kilometer, das ist bitter viel. Ist allein der Benziner am Werk, laufen 8,5 Liter Super durch die Brennräume, das kann der Diesel besser. Die Kombination freilich sucht ihresgleichen, und welchen Wert man nach oben und welchen nach unten treibt, hängt maßgeblich vom eigenen Fleiß und der täglichen Fahrtstrecke ab. Wer beständig nachlädt und viel Kurzstrecken fährt, drückt den Kraftstoffverbrauch auf Werte um 2,5 Liter. Derart von der Zapfsäule entwöhnt, kann es vorkommen, dass die rechtzeitige Befüllung des 40 Liter aufnehmenden Tanks schlicht vergessen wird.

Wer oft Langstrecken zurücklegt, für den ist ein Hybrid indes nichts, die sich auf 1,6 Tonnen summierende doppelte Technik herumzuschleppen erweist sich dann als energiefressender Nachteil. Wir versuchten ein gewöhnliches Pendlerdasein mit gelegentlicher Mittelstrecke abzubilden, das Testprotokoll wies hernach für die Durchschnittsverbräuche eine Schnapszahl aus: 5,5 kWh Strom und 5,5 Liter Superbenzin.

Erfreulich ist die Fahrt im teilelektrischen Golf, denn er bewegt sich weitgehend wie ein Golf. Also mit praktischen Talenten und ohne Tücken, komfortabel abgestimmt und intuitiv in der Bedienung. Der Stecker will vorn unter dem VW-Emblem eingeführt werden, was gut gelingt, außer im Winter, wenn es schneit und die weiße Pracht die Front zugesaut hat. An der Haushaltssteckdose vergehen knapp vier Stunden, bis die leere Batterie wieder voller Tatendrang ist.

Sie hilft auf Wunsch dem grundsätzlich zurückhaltend klingenden, in hohen Drehzahlen aber laut werdenden Verbrenner auf die Sprünge, was zu einer vom Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe vermittelten Beschleunigung der druckvoll-linearen Art führt. Die 100-km/h-Marke fällt aus dem Stand nach 7,6 Sekunden, die Spitzengeschwindigkeit beträgt 222 km/h, derlei kann sich im Kreis der GTI und GTD wahrlich sehen lassen. Ist es das wert? Ja und nein. Hybrid muss man sich leisten wollen.

Quelle: F.A.Z.
Holger Appel
Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.
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