Fahrbericht Yamaha-Quad

Nur ein Spaß

Von Lukas Weber
 - 15:57
© Lukas Weber, FAZ.NET

Kinder, lasst uns draußen spielen. Der Sohn hat keine Lust, auch wenn er das seltsame Gerät putzig wie ein böses Insekt findet. Aber die Tochter will. Ein Helm vom Mopedfahren ist rasch gefunden, sie wird warm eingewickelt, und schon kann’s losgehen.

Das ist das Schöne am Side by Side: Der besorgte Vater hat seine Tochter neben sich sitzen statt auf dem Sozius, deshalb heißt das Riesenquad so. Da kann er sehen, wenn ihr schlecht wird, und seinen Vorwärtsdrang bremsen. Obwohl das Yamaha mit dem sperrigen Namen YXZ1000R/SE eher fürs Gasgeben als fürs Bremsen gemacht ist. Ungezügelt schickt der Dreizylindermotor mit einem Liter Hubraum 112 PS an die dicken Reifen, sie haben mit den knapp 700 Kilo leichtes Spiel.

Davor steht der Start: an Plastiktür und Rohrgeflecht der Überrollkonstruktion vorbei einfädeln, die Sitze sind erstaunlich bequem, kein Glas trübt den Blick auf die Welt. Der Motor startet mit Gebrüll, Kupplung drücken – peng. Das Geklacker ist wohl normal, es meldet sich bei jedem Gangwechsel. Hört sich an, als ob vor der Hinterachse, wo der Motor liegt, gerade etwas abfällt. Also Hebel nach vorne, erster Gang, die anderen vier werden im sequentiellen Getriebe nach hinten gerissen. Einen Rückwärtsgang gibt es auch, er kann mit Glück oder feiner Gewalt ganz vorn gefunden werden, wenn der dicke Entriegelungshebel am Lederlenkrad gezogen wird. Gas geben, Kupplung kommen lassen, der Motor ist aus. Heilig’s Blechle, unter Drehzahl 4000 tut sich kaum etwas. Wie lange wohl die Kupplung das ständige Anfahren aus der Stadt heraus mitmacht?

Andere Side by Sides haben erst gar keine, sondern eine langweilige Riemenautomatik. Der Yamaha war der erste sportliche Vertreter der Gattung mit Getriebe, als er 2015 auf den Markt kam. Was nicht dringend zum Fahren gebraucht wird, gibt es nicht – keine Assistenten, nicht einmal ein Lenkradschloss. Die fummeligen Knöpfe an der Lenksäule werden freilich für den Blinker gebraucht; sie sind notwendig, wenn das Gefährt als Ackerschlepper zugelassen werden soll, was Yamaha den Händlern überlässt. Zäher Verkehr schmeckt dem Rüpel gar nicht, er beschwert sich mit Rucken und Klappern und quält die Hinterteile von Fahrer wie Beifahrerin mit markigen Vibrationen. Wer tut sich so etwas freiwillig an und bezahlt noch fast 26.000 Euro dafür?

Diese Gedanken sind vergessen, wenn die Straße frei ist. Unter wildem Trompeten schießt das Insekt nach vorn, sobald der Motor mit Drehzahlen bis fast 11.000 Umdrehungen in der Minute gelockt wird. Und siehe da – die Vibrationen sind weg, die Gänge flutschen wie Butter. Nach oben geht das ohne Kupplung fast noch besser, die Betriebsanleitung verbietet es aber. Der fünfte ist rasch erreicht, knapp unter Autobahn- Richtgeschwindigkeit regelt ein Begrenzer radikal ab. Kurvige Sträßchen werden im Drift umeilt, der dank der grobstolligen Reifen sanft einsetzt und wunderbar kontrollierbar abläuft. Und auch, weil fast ein halber Meter Federweg bereitsteht. Das Ding schwebt und fliegt, es fühlt sich an wie ein Rennboot über rauem Wasser, nur mit Kurvenneigung nach außen.

Das Vergnügen steigert, wer im Dreck wühlt. Auf Sand, Schotter, Gras und vielleicht auch Schnee lässt sich herumwedeln, dass es die reine Freude ist. Wer sich festfährt, kann die Vorderräder zuschalten und obendrein deren Differential sperren. Wohl dem, der ein großes Grundstück hat, wir sind mit dem Yamaha auf einem privaten Acker herumgetollt. Und der Verbrauch? Wer zahm auf der Landstraße fährt, kann vielleicht mit acht Litern hinkommen.

Wer braucht so etwas? Der YXZ 1000 ist ein motorisiertes Fahrzeug, das für rein gar nichts anderes gut ist, als Spaß damit zu haben. Das ist ja auch schon was.

Quelle: FAZ.NET
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Lukas Weber
Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.
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