FAZ plus ArtikelFahrbericht Mercedes S 400

Alles, was wirklich zählt – und noch viel mehr

Von Wolfgang Peters
 - 15:32
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Mit Sensationen wie im Zirkus ist in der Oberklasse nicht zu rechnen. Falscher Zauber, faule Tricks und Feuerschlucker sowie die Dame ohne Unterleib hat es in der Manege von Mercedes-Benz noch nie gegeben. Das hat gute Gründe und viele fortschrittliche Ursachen. Daraus hat sich eine Autokultur entwickelt, die wohl einfach die beste automobile Oberklasse ist: Und womöglich ist der neue S 400 d mit langem Radstand und 4Matic-Allradantrieb das beste Oberklasse-Auto überhaupt. Ein knauseriger Fast-Lautlos-Diesel ohne Ölfieber und -dünste, aber mit heißem Temperament. In der Langversion ist er eine sich über 5,26 Meter erstreckende Vollformat-Limousine mit der gierigen Agilität eines Heckmotor-Sportwagens und der beruhigenden Atmosphäre einer gutgeheizten Kathedrale, in der das lauteste Geräusch das Knistern der Seide auf dem handschuhweichen Ledersitz in der zweiten Reihe neben dem Master of the Universe ist. Allerdings gibt es da eine nur etwas beunruhigende Nebensache: Wenn alles passen soll, dann müssten rund 160 000 Euro transferfähig sein, denn nur mit dem Grundpreis von 96 479,25 Euro zu hantieren, das wollen wir dem Chauffeur unseres Vertrauens doch nicht zumuten.

Er gibt sich dankbar, und die S-Klasse fährt nicht los, sondern legt mit leise schmatzenden Reifen und dem fleißigen Summen eines neu geschlüpften Bienenvolkes am Terminal Eins ab. Für das Entstehen einer derart zum Schwärmen inspirierenden S-Klasse-Limousine braucht es keine Sensationen, keine Revolutionen und keine genialen Taten. Sondern nur Beharrungs- und Änderungsvermögen, keine Scheu vor Hightech, nötig sind auch die Sehnsucht nach dem goldenen Boden des Handwerks und das Wissen um die Liebe zur ewigen Verfeinerung. Zumindest in der Gegenwart, die zwar heftig mit dem von Computer-Unsicherheiten bedrohten Selbstfahr-Auto flirtet, aber gleichzeitig die besten Autos hervorbringt, die es gibt.

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Technische Daten und Preis

Empfohlener Preis 96 479 Euro

Preis des Testwagens 155 468 Euro

Sechszylinder-Dieselmotor, vier Ventile je Zylinder, direkte Einspritzung, Abgasturbolader, Hubraum 2925 Kubikzentimeter

Leistung 340 PS (250 kW) von 3600 bis 4400/min

max. Drehmoment 700 Nm von 1200 bis 3200/min

Automatikgetriebe mit neun Gängen, G-Tronic

Allradantrieb

Länge/Breite/Höhe 5,26/1,90/1,49, Radstand 3,17, Wendekreis 11,90 Meter

Leergewicht 2075, zulässiges Gesamtgewicht 2800, Anhängelast 2100 Kilogramm, Kofferraumvolumen 530 Liter

Reifengröße 245/40 R 20 99Y

Infotainment Auto-Telefonie, Digitales Radio, Burmester Musikanlage, TV Tuner, Comand Online mit Sprachbedienung, 12,3-Zoll-Display

Assistenzsysteme Seitenwind-, Nachtsicht- Assistent mit Fußgänger- und Großtiererkennung, 360-Grad-Kamera, Fahrerassistenzpaket mit aktiver Unterstützung für Abstand, Lenken, Geschwindigkeitslimit, Bremsen, Ausweichen, toter Winkel, Spurhalten und streckenbasierte Tempoanpassung

Höchstgeschwindigkeit 250 km/h

Von 0 auf 100 km/h in 5,2s

Verbrauch 8,4 bis 10,0, im Durchschnitt 9,1 Liter Diesel je 100 km; 147 bis 150 g/km CO2 bei Normverbrauch von 5,6 bis 5,7 Liter, Tankinhalt 70 Liter

Versicherungs-Typklassen HP 22, TK 31, VK 30

Garantie zwei Jahre und zwei Jahre gegen Durchrostung, Wartung nach Serviceintervall- anzeige, spätestens erstmals nach zwölf Monaten

Quelle: F.A.Z.
Wolfgang Peters
Freier Autor in der Wirtschaft.
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