Hyundai Nexo

SUV und doch ein gutes Gewissen

Von Tom Debus
 - 15:18
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Sie ist die Untote unter den alternativen Antrieben. Denn geforscht wird an der Brennstoffzelle seit Jahrzehnten, doch in Fahrt will sie partout nicht kommen. Und ausgerechnet jetzt, wo die Technik so langsam alltagstauglich ist, zündet die Idee nicht mehr so richtig. Denn seit alle Welt auf das rein elektrische Auto setzt, will vom Wasserstoff gerade niemand mehr etwas wissen. Niemand? Nicht ganz. Denn während VW sein Engagement nahezu eingestellt hat und Mercedes den GLC F-Cell eher als lästige Pflicht empfindet, halten ein paar asiatische Hersteller trotzig am Wasserstoff fest. Zu verlockend sind die Vorteile, die weit über das emissionsfreie Fahren hinausgehen: „Wasserstoff lässt sich leichter aus regenerativen Quellen herstellen als Strom und obendrein besser speichern. Und wo Elektroautos stundenlang laden müssen, tankt man die Brennstoffzelle in wenigen Minuten“, wirbt Sae-Hoon Kim für die Technologie.

Das macht der Mann aus gutem Grund. Schließlich leitet er die Brennstoffzellenentwicklung von Hyundai und macht jetzt den nächsten großen Schritt. Denn nach dem umgerüsteten ix35 bringen die Koreaner nun mit dem Nexo ihr erstes um den Antrieb herum entwickeltes und mit nachwachsenden Rohstoffen für den Einsatz an der Ökofront ausgestattetes Brennstoffzellenauto an den Start. Es gesellt sich hierzulande nach den Sommerferien zu Toyota Mirai und Honda Clarity.

Statt wie die Japaner in stilistisch schwierige Limousinen bauen die Koreaner die Brennstoffzelle in ein schmuckes SUV ein, das der Zeitgeist-Fraktion endlich ihr schlechtes Gewissen nimmt. Und damit das auch jeder sehen kann, hat der Nexo ein auffälliges Gesicht mit durchgehendem LED-Bogen über einem unkonventionellen Kaskaden-Grill, die Türgriffe verschwinden wie sonst nur bei Jaguar, Range Rover und Telsa bündig im Blech, und die Felgen sehen aus wie von einem Mondauto. Auch innen spielen die Koreaner Raumschiff Enterprise, bauen digitale Instrumente ein, ergänzen die Rückspiegel mit Kameras, deren Bilder beim Aktivieren des Blinkers hinter dem Lenkrad aufflammen, und zimmern zwischen die Sitze eine aufsteigende Bedienkonsole, die einen Jumbo-Piloten vor Neid erblassen lässt – nur dass der in seinem Cockpit dafür mehr Platz hat als die beiden Nexo-Passagiere in der ersten Reihe.

In die Zukunft gewandt sind aber nicht nur Auftritt, Ambiente und Antrieb, sondern auch die Ausstattung. „Denn wir adressieren mit dem Nexo auch das zweite große Themenfeld der Fahrzeugentwicklung und machen den nächsten Schritt beim autonomen Fahren“, sagt Kim. Während der Olympischen Winterspiele surrten deshalb schon fünf Nexo-Prototypen freihändig über eine Testroute und nahmen den Serienstand für 2021 vorweg. Und wenn im Sommer die ersten Autos ausgeliefert werden, können sie zumindest fahrerlos ein- und ausparken und auf der Autobahn selbständig Abstand und Spur halten.

In Fahrt bringt den Nexo dabei ein Elektromotor mit 120 kW und 395 Nm Drehmoment, der sich anfühlt wie in jedem anderen Elektroauto. Denn dass der in einem kleinen Akku gepufferte Strom nicht aus der Steckdose, sondern aus einem Kraftwerk unter der Haube kommt, das aus Wasserstoff elektrische Energie gewinnt – davon bekommt man beim Fahren nichts mit. Erst beim Gasgeben merkt man einen Unterschied zur Konkurrenz. Erstens, weil der Nexo mehr Dampf und einen längeren Atem hat. Schließlich ist er in 9,2 Sekunden auf 100 km/h und streicht erst bei knapp 180 km/h die Segel. Und zweitens, weil die Reichweite dabei nicht zu einem unkalkulierbaren Risiko wird.

Denn im Gegensatz zu reinen Elektroautos fällt sie bei flotter Fahrt nicht sehr viel flotter. Und das Tanken zwingt nicht zu endlosen Pausen, denn die 6,3 Kilo Wasserstoff strömen in fünf Minuten in die drei großen Karbontanks, die unter dem Kofferraumboden und dem Rücksitz montiert sind. Falls man eine der raren Wasserstofftankstellen findet. Das ist der eine große Haken am Nexo.

Der andere ist sein Preis. Zwar wollen die Koreaner unter die rund 65.000 Euro für den umgerüsteten ix35 kommen, und es wird wohl auf knappe 60.000 Euro hinauslaufen. Doch dass sich zu diesem Tarif jemand freiwillig auf das Abenteuer Wasserstoff einlässt, glauben die Strategen von Hyundai selbst nicht so recht. Trotzdem sind sie optimistisch, die Produktion gegenüber dem ix35 drastisch zu erhöhen. Bei bislang 200 Autos ist das allerdings auch keine große Kunst.

Quelle: F.A.Z.
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