Infotainment im Volvo XC60

Wie ein übergroßes Smartphone bedienbar

Von Michael Spehr
 - 09:40
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Der gar nicht kleine Volvo XC60 übernimmt jetzt die guten Gene des großen Bruders XC90. Zumindest, wenn es um Infotainment, Navigation und die Internetanbindung geht. Man erkennt es auf den ersten Blick: Auch im neuen XC60 kommt ein Monitor in Tabletgröße zum Einsatz, der ein wenig an das Tesla-Infotainment erinnert. Er ist stolze 18 Zentimeter hoch, berührungsempfindlich und bietet eine Auflösung von 768 × 1024 Pixel.

Wer sich in die Details vertieft, erkennt jedoch, dass Volvo Layout und Menüstruktur der Schaltflächen gegenüber dem XC90 überarbeitet hat. Nicht nur die Farben und Symbole sind neu, auch wird die wichtigste Funktion der jeweils gewählten Anwendung nun hervorgehoben. Der Bildschirm ist unterteilt, die Navigation befindet sich ganz oben, Medien und Telefon folgen darunter, und die Klimaanlage setzt unten auf. Bei Berührung vergrößert sich die jeweilige Kachel, die anderen reduzieren sich, sind jedoch weiterhin sichtbar.

Für alles Weitere lässt sich die Sensus-Connect-Anlage wie ein übergroßes Smartphone bedienen. Es gibt eine Home-Taste unterhalb der Anzeige, und zwischen den drei Ausgangsbildschirmen wechselt man mit einer Wischbewegung des Fingers. Am oberen Bildschirmrand findet man Statusinformationen. Streicht man von oben nach unten, kommt man in die Einstellungen des Systems. Ist das Prinzip durchschaut, geht alles nahezu intuitiv von der Hand.

Dazu kommt, ebenfalls vom XC90 übernommen, das Fahrer-Display im Cockpit mit Anzeige von Tachometer, Drehzahlmesser – und mehr. Die digitale Darstellung ist in zwei Versionen verfügbar: serienmäßig in einer acht Zoll großen Variante mit einem mittig angeordneten Rundinstrument sowie in einer 12,3-Zoll-Version, die in den Ausstattungslinien Inscription und R-Design zum Serienumfang gehört. Hier besteht die Anzeige aus zwei Rundinstrumenten und einer dazwischen angeordneten Zusatzanzeige. Die Darstellung lässt sich flexibel anpassen, etwa mit einer erweiterten Kartendarstellung der Navi-Abteilung.

Gleich beim ersten Ausprobieren macht Sensus Connect viel Freude: Eingaben am Bildschirm lassen sich nicht nur mit einem Fingertipp auf der virtuellen Tastatur vornehmen, sondern auch mit Fingermalerei und Buchstabenerkennung. Das funktioniert bestens. Auch das Tragen eines Handschuhs ist kein Problem. Was nicht gefiel: die Spracherkennung. Sie ist langwierig, und manche der als Hilfestellung im Zusatzdisplay eingeblendeten Kommandos funktionieren nicht. Zeigt Sensus Connect beispielsweise zum Anrufen eines Telefonbuchkontakts den Hilfeeintrag „Maria Müller anrufen“, führt das nicht zum Erfolg. Richtig ist: „Wähle Maria Müller“.

Sensus Connect mit Bluetooth-Freisprecher, Internetzugang und Sprachsteuerung ist im XC60 serienmäßig. Die Navigation kostet einen Aufpreis von 1200 Euro und bietet Echtzeit-Verkehrsdaten, sofern man entweder eine Sim-Karte im Fahrzeug nutzt oder sein Smartphone als Hotspot anbindet. Die Verkehrsdaten sind besser als TMC und TMC Pro, reichen aber nicht an das Niveau von Tomtom heran. Wie bei Audi oder BMW gibt es die Option, den Verkehrsfluss für jede einzelne Straße in Ampelfarben anzeigen zu lassen. Ein interessantes Detail ist die Online-Suche nach Sonderzielen. Dazu kommt im XC90 der Anbieter Here zum Zuge, nun ist im XC60 neuerdings Google an Bord. Leider fehlt eine Freitextsuche. Es sind zwar Hunderte von Kategorien aufgeführt, aber es fehlt das Eingabefeld für eigene Begriffe. Glympse fährt ebenfalls mit, für den Empfang des Internet-Radios sorgt Tunein.

Wer auf das große Navigationssystem mit seiner schönen Übersichtlichkeit verzichten will, nimmt die Smartphone-Navigation von Apple oder Google. Carplay und Android Auto fahren für einen Aufpreis von nur 360 Euro mit, das Smartphone muss dazu per USB-Kabel angebunden sein. Unser Favorit ist jedoch das Head-up-Display für 1200 Euro, welches Navi- und Tempo-Hinweise farbig in der Frontscheibe einblendet. Die Ablenkung des Fahrers ist minimal, die schlichte und gleichzeitig informative Darstellung überzeugt ungemein.

Quelle: F.A.Z.
Michael Spehr
Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.
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