Karbonfelgen Porsche 911 Turbo

Guter Rad ist teuer

Von Rüdiger Abele
 - 08:46

Eine mehr als zehnfach höhere Festigkeit als Aluminium, und das bei halbem Gewicht – das bieten Karbonfasern, und deshalb ist das Material begehrt, wenn es um Leichtbau geht. So hat Porsche jüngst für den 911 neue Felgen vorgestellt, die fast vollständig aus Karbon hergestellt sind. Der komplette Satz wiegt 34 Kilogramm statt 42,5 Kilogramm für vier Aluminiumräder, ein Minus von 8,5 Kilogramm. 20 Prozent Gewichtsersparnis, das ist ein verlockendes Wort. Denn mit verringerten ungefederten Massen folgen die Reifen der Fahrbahnoberfläche und übertragen die Reifen Längs- und Querkräfte besser. Geringere rotierende Massen bedeuten außerdem spontaneres Beschleunigen, Bremsen und leichteres Lenken.

Ein mit solchen Rädern ausgestattetes Auto kann also schneller gefahren werden – und verbraucht aufgrund des niedrigeren Gesamtgewichts zudem weniger Treibstoff. Wenngleich man an diesen Effekt keine übertriebenen Erwartungen hegen darf. Neu sind Karbonfelgen nicht. Im Motorsport und bei passend opulenten Budgets sind sie verbreitet. Selbst für Fahrräder gibt es sie. Das extrem sportliche Motorrad BMW HP 4 Race ist ebenfalls damit ausgestattet. Dessen Räder kommen von Thyssen-Krupp Carbon Components aus Kesselsdorf vor den Toren Dresdens, wo auch die Porsche-Felge gefertigt wird.

Es wird aus Faserbändern geflochten

Die Felge des 911 besteht im Wesentlichen aus zwei Karbonbauteilen. Nummer eins ist der Radstern, der aus 200 Fasermatten verschiedener Kontur und Größe zusammengesetzt ist, die alle auf den Zehntel Millimeter genau zugeschnitten und zusammengefügt sind. Bauteil Nummer zwei ist das Felgenbett. Es wird aus Faserbändern geflochten, und zwar auf der derzeit größten Karbonfaser-Flechtmaschine der Welt, wie Porsche sagt. Sie hat einen Durchmesser von rund neun Meter, stammt vom Spezialisten Herzog in Oldenburg und verschlingt mehrere Faserbänder gezielt miteinander. Roboterarme arbeiten dem Flechter zu. Er ist auf die Geometrie des Felgenbetts programmiert, das somit aus einem Stück aus der Maschine kommt. Um beide Bauteile miteinander zu verbinden, wird der Radstern ins Felgenbett eingeflochten. Fertig ist das Rad noch nicht, sondern biegeschlaff, wie Fasern halt sind.

In einem nächsten Arbeitsschritt wird das Karbonmaterial mit Kunstharz imprägniert und unter hohem Druck und hohen Temperaturen vorgehärtet. Das Aushärten des fertigen Rads erfolgt bei hohen Temperaturen und anschließendem langsamen Abkühlen. Nun wird es punktuell metallisch: Der Zentralverschluss für die feste Verbindung mit der Fahrzeugachse wird ins fertige Rad eingesetzt. Zum Schluss erhält das Rad noch eine Klarlackschicht. Sie schützt es gegen Umwelteinflüsse und lässt zugleich die begehrte Karbonfaseroptik sichtbar, die Hightech und Leichtbau signalisieren soll.

Laut Porsche bietet die Flechttechnik entscheidende Vorteile. Sie erzeuge eine deutlich dichtere und geschlossenere Struktur als beispielsweise die Produktion mit Hilfe vorimprägnierter Karbonfasermatten. Der Werkstoffeinsatz sei zudem effizient und gehe deshalb mit wenig Verschnitt des teuren Materials vonstatten. Das Porsche-Rad besteht aus Karbonfasern mit einer Länge von 18 Kilometern sowie aus acht Quadratmeter Karbonfasermatten.

Rund zwei Millionen Testkilometer und 4500 Testrunden hat Porsche nach eigenen Angaben mit den neuen Karbonrädern zurückgelegt, bevor sie in den Dimensionen 9 J × 20 für die Vorderachse und 11,5 J × 20 für die Hinterachse für den Verkauf freigegeben wurden. Die großen Zwanzigzöller sind nicht alltäglich, und so gibt es sie vom kommenden Jahr an zunächst ausschließlich für ein ebenfalls nicht alltägliches Fahrzeug: für den 911 Turbo S Exclusive Series. Dieser Sportwagen hat in Deutschland einen Basispreis von 259 992 Euro. Für den kompletten Satz Karbonräder legt man noch einmal beträchtliche 15.232 Euro dazu – vermutlich neben das Geld für weitere Extras, die es für das Auto gibt.

Quelle: F.A.Z.
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