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Fahrbericht Škoda Superb Combi

Freies Laden und frech wie einst

Von Wolfgang Peters
 - 13:28
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Für das GTI-Gefühl im VW-Konzern gelten einige Voraussetzungen: Motor und Fahrwerk sollten immer mehr können, als der Fahrer gerade fordert, das Auto sollte entweder noch unbekannt oder ein Wolf im Schafspelz sein. Zudem ist eine gewisse Frechheit im Auftritt vonnöten, eine Art von sympathischem Aufbegehren gegenüber vermeintlich festen Regeln der automobilen Hierarchie.

Als wir den neuen VW Arteon Ende 2017 fuhren, kannte den kaum einer auf der Straße, unter der kantigen Haube lauerten 280 PS, das Fahrwerk hielt flinke Reaktionen bereit, und das Design bot mehr Schönheit, als von VW zu erwarten war. Jetzt vertraute man uns abermals den vor kurzem neu aufgelegten Škoda Superb III an, und da war es wieder: jenes Empfindungspaket, das einst mit dem Golf GTI auf die Straße kam, sich über das Zusammenwirken von Understatement und Hightech für den Alltag definiert und das noch immer seine Reize hat. Vor allem dann, wenn das Auto im Kombikleid kommt. Dieses ist beim Superb die bevorzugte Form, auf dem deutschen Markt wird der größte Škoda (und auch der kleinere Octavia) überwiegend als Kombi geordert.

Darin kommen der pragmatische Sinn der Marke und gleichzeitig ihr Empfinden für Eleganz zum Ausdruck. Auf 4,86 Meter Länge halten sich fünf Sitzplätze, hinten mit fast schon obszönem Freiraum für Knie und Waden, sowie ein Maßstäbe setzender Gepäckraum auf: Freies Laden wird im Superb zur frohen Lust. Für dieses Stauvolumen von 660 bis 1950 Liter reißt der Superb seine Heckklappe schön weit auf, dazu bietet er eine Nutzlast von 700 Kilogramm und darf maximal eine Anhängelast von 2200 Kilogramm auf den Haken nehmen.

Wird im gutbürgerlich möblierten Innenraum alles umgeklappt, was sich klappen lässt, dann wartet von der niedrigen Ladekante über den gefalteten Beifahrersitz bis zum Armaturenträger die Tiefe des Raumes, aus der nicht der junge Netzer, sondern die Vielfalt der Transportmöglichkeiten kommt: gerollte Orientteppiche, Sprungskier für die Schanzentournee, etwas kompaktere Einer-Kajaks oder Laufställe für Renn-Kaninchen. Mehr Stauraum für ähnliches Geld gibt es in keinem Kombi. Und der auf beachtliche 2,84 Meter gestreckte Abstand zwischen den Achsen lässt das Auto niedriger erscheinen, als es ist. Man sitzt nicht hoch, aber gut. Die spürbare und sichtbare Vernunft in der kantigen und leicht plissierten Eleganz siegt nicht über das GTI-Gefühl, sondern verstärkt es noch.

Das liegt auch am 2,0-Liter-Vierzylinder mit dem Prädikat der Allgegenwart im Konzern: In diversen Kraftformaten schließt der turbogestärkte, kompakt gebaute TSI-Vierventilbenziner jene Lücken, die mit dem Attraktivitätsverlust der TDI-Selbstzünder entstanden sind. Im Superb tritt er mit bis zu 280 PS, dann aber in Verbindung mit 4×4-Antrieb auf, für happige 43 850 Euro. Für die meisten Ansprüche genügt die 39 850 Euro kostende Testwagen-Version: Superb Combi Style 2.0 TSI mit Sechsgang-DSG und 220 PS sowie maximalem Drehmoment von 350 Newtonmeter.

Im Teamwork mit dem hier famos arbeitenden Doppelkupplungsgetriebe agiert der 1,6 Tonnen wiegende Superb wie einst der Golf GTI: Flink und mit kehligem Ruf des Angriffs dreht die Maschine hoch, kurz scharren die Antriebsräder des Fronttrieblers auf der januarnassen Straße, dann ist nach 7,6 Sekunden und einem einzigen Hochschaltvorgang die 100-km/h-Marke geknackt, es folgen weitere, milde Schaltrucke, und bei Tacho 245 nehmen wir wegen der Winterreifen das Gas zurück. 243 km/h werden amtlich als Höchstgeschwindigkeit geführt, da mischt der vernünftige Superb mit in der Generation GTI. Zwischen 8,3 und 10,6 Liter Super auf 100 Kilometer konsumierte der Superb, im Durchschnitt ergaben sich auf überwiegend winterlichen Straßen 9,3 Liter. Wir konnten aber auch 7 Liter notieren. Dann war es wieder da, das GTI-Gefühl von einst.

Quelle: F.A.Z.
Wolfgang Peters
Freier Autor in der Wirtschaft.
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