Airbus A321 LR

Im kleinen Flieger über den Großen Teich

Von Holger Appel
 - 10:31
Video starten

Airbus A321 LRKleiner Flieger für große Strecken

Da streitet die Flugzeugbranche ewig, ob kleinen Flugzeugen mit mittlerer Reichweite oder großen Maschinen mit großer Reichweite die Zukunft gehört, und dann kommt Airbus daher und kombiniert einfach beides. A321 LR heißt das neueste Angebot der Europäer, auf das der ewige Konkurrent Boeing derzeit keine Antwort hat oder haben will. Der Erstflug des Airbus ist in Hamburg gelungen, der Testpilot sprach danach genau einen Satz: „Bis auf das Mistwetter keine besonderen Vorkommnisse.“

Das darf als Kompliment gelten, soll sich der Langstreckenflieger doch nahtlos in die Mittelstreckenflotte einreihen. Airbus hat dafür einen A321 Neo genommen, Tür Nummer zwei wegkonstruiert, ein Segment der Hülle verändert, das Fahrwerk angepasst und vor allem neben denen in den Tragflächen drei Tanks in den Rumpf eingebaut. Die kosten Frachtraum, schaffen aber Reichweite. Die Triebwerke bleiben unverändert und sollen auf eine Notfalllaufzeit (ETOPS) von 180 Minuten zertifiziert werden.

Mit einem Flugzeug, das dem gemeinen Passagier von Trips zwischen München und Berlin oder Frankfurt und Mallorca bekannt ist, kann nun die Strecke Paris – New York zurückgelegt werden oder Frankfurt – Chicago. 7400 Kilometer beträgt die Reichweite, bis zu 8 Stunden kann der A321 in der Luft bleiben, deswegen trägt er die Zusatzbezeichnung LR, für Long Range. Die Ausmaße bleiben gleich, und selbstverständlich bleibt es auch bei einem Gang in der Mitte der Sitze. Über denen sind die Ablagefächer neu geformt, sie sollen mehr Gepäck aufnehmen, jenes nämlich, das nicht mehr in den Frachtraum passt. 97 Tonnen beträgt das mögliche Abfluggewicht, und weil das alles recht ausgereizt wirkt, verspricht Airbus niedrige Betriebskosten. Zur Orientierung, nicht wirklich zum Vergleich: Der große A380 hebt mit bis zu 575 Tonnen ab.

Die Kundschaft soll sich aus jenen Gesellschaften rekrutieren, die sich Billigflüge über den Atlantik vorstellen können. Norwegian etwa zählt zu den frühen Kunden. Als Standard sind 240 Sitze vorgesehen, wenn nur Economy-Klasse verbaut wird, es gibt aber auch ein Layout mit Business-Plätzen, die voll flach ausgelegt sind. Piloten, die auf der A320-Familie ausgebildet sind, können auch den A321 LR fliegen sowie den größeren A330 Neo, die Cross-Crew- Qualifikation ist also gegeben.

Vor den Testpiloten und Ingenieuren liegen nun noch 70 bis 100 Erprobungsstunden während 20 bis 30 Flügen. Sie sollen innerhalb der nächsten Monate aus Toulouse heraus stattfinden. Die Erstauslieferung ist für das vierte Quartal 2018 geplant. An wen, mag Airbus noch nicht verraten.

Quelle: F.A.Z.
Holger Appel
Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.
  Zur Startseite
Ähnliche ThemenAirbus S. A. S.Airbus A321Boeing