Tourenyacht Pilot Saloon 42

Versuch’s mal mit Gemütlichkeit

Von Claus Reissig
 - 11:35
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Das Leben kann hart sein an Bord, selbst im Mittelmeer und vor einer Insel wie Mallorca. Es regnet, der Wind pendelt müde zwischen sechs und zehn Knoten. Grau grüßen die Berge mit wolkenverhangenen Gipfeln. Da ist es gut, wenn man sich auf einem Schiff wie der Wauquiez Pilot Saloon 42 befindet, denn die beschert gute Laune. Sie scheint das Leben leichter nehmen zu können als manche andere, überrascht mit unkonventionellen Lösungen, netten Details. Der Fahrtensegler sitzt obenauf, der Blick schweift über die graue Bucht. Besser eine Bucht in Grau als gar keine.

Nicht, dass die neue Französin nicht auch Wind vertragen könnte. Das kann sie fraglos: Sie ist strukturell sauber verarbeitet, mit anlaminierten Schotten und zum Teil anlaminierten Möbeln, mit vernünftig dimensionierten Beschlägen. Aber bei allem gebotenen Ernst verbreitet sie etwas Laissez-faire um sich. Locker bleiben. Segeln soll Spaß machen.

Offensichtlich hat der Werft, die ihren Sitz nahe der belgischen Grenze hat, die Trennung vom zwischenzeitlichen Mutterkonzern Bénéteau gutgetan. Wauquiez ist zurück in Privateigentum und somit wieder selbstbestimmt, auch wenn eine Jahresproduktion von derzeit etwa 20 Yachten noch Luft nach oben lässt. Das weiß auch Ben Vaes, der mit seiner Firma Luxury Marine den Vertrieb unter anderem für den deutschsprachigen Raum übernommen hat: „Der Bénéteau-Einfluss war bestimmt nicht schlecht, aber jetzt kann sich Wauquiez wieder auf seine Wurzeln besinnen“, sagt der gebürtige Niederländer, „nämlich Schiffe nach Kundenwunsch bauen.“

Die 12,99 Meter lange Pilot Saloon 42 ist das kleinste Modell der Palette. Offensichtlich handelt es sich um ein Format, in dem das Konzept des „raised saloons“, des angehobenen Salons noch gut funktioniert. Kurz umrissen, wandert dabei der Salon samt Sofa in der Yacht nach oben, während die Einbauten in die Tiefe rücken. Weitere Merkmale sind somit der höhere Aufbau mit größeren Fenstern – die sich in diesem Fall elektronisch gegen die Sonne abschatten lassen –, massig Stauräume sowie einige Stufen zusätzlich, die benötigt werden, um zu den Kabinen zu gelangen. Bemerkenswerterweise verträgt das Schiff diese Anpassungen gut. Es wirkt weder kleinteilig noch zersiedelt, sondern ganz im Gegenteil leicht und luftig.

Zudem weist die Wauquiez 42 Merkmale auf, die ihren Erschaffern am Herzen liegen. Außen ist sie großzügig mit nichtrostendem Stahl bestückt (eine Schwesterfirma macht in Edelstahl), die für die Sicherheit der Crew so wichtige Reling hat drei Durchzüge (statt zwei), und die erwähnten großen und auf Knopfdruck abzudunkelnden Fenster müssen ein kleines Vermögen gekostet haben. Sie werden von außen durch eine stabile Holzleiste geteilt, um nicht aufdringlich zu wirken. Ebenfalls eine Besonderheit in dieser Yachtgröße: ein vollwertiger Kartentisch sowie ein Ölzeugschrank im Salon, gut erreichbar am Niedergang.

Die allgegenwärtige Leichtigkeit setzt sich am Ruder fort

Ihr Volumen für die Kabinen schafft sich die 4,34 Meter breite Yacht, die mit zwei oder drei Kabinen lieferbar ist, dagegen konventionell zum einen durch ein fülliges Vorschiff, zum anderen durch die Knicke im Rumpf. Letztere, häufig zu sehen heutzutage, stammen eigentlich von Rennyachten ab und kommen hier nicht mit einer harten Kante, sondern einem weich gerundeten Übergang daher. Sie ermöglichen eine große Rumpfbreite gleich oberhalb der Wasserlinie, während die Bordwände oberhalb davon steil ansteigen.

Unter Segeln macht die Wauquiez das, was man von einem modernen Schiff erwartet. Trotz reichlich zehn Tonnen Leergewichts läuft sie mit prall gefüllten Tanks, also rund 900 Kilogramm Zuladung, entspannt durch die Bucht von Palma. Zu keiner Zeit hat man trotz des leichten Winds das Gefühl, die Segel einpacken und auf die Maschine ausweichen zu müssen. Ab 90 Grad Einfallswinkel rollen wir die kleine Genua ein und die Leichtwindgenua (Code Zero) aus. Die allgegenwärtige Leichtigkeit setzt sich am Ruder fort. Zwar passt die Position der Steuersäulen der Baunummer 1 noch nicht perfekt, das soll jedoch in der Serie anders werden. Bleiben wird jedoch der nahezu reibungsfreie Lauf der aufwendigen Ruderanlage. Das ist beileibe keine Selbstverständlichkeit, schließlich verfügt die Wauquiez nicht nur über zwei Steuerräder, um in dem breiten Cockpit stets richtig zu sitzen, sondern auch über zwei Ruderblätter und somit über eine Menge Mechanik, die bewegt werden will.

Vieles ist also gut auf der Wauquiez 42, die gerade in ihr erstes Jahr gestartet ist. Das werden die Kunden auch erwarten, denn die Werft spielt preislich in der Oberliga. 452.200 Euro verlangen die Franzosen für ihre Neue, die sich damit in die Gesellschaft von X-Yachts oder Hallberg Rassy begibt. In Komplettausstattung, siehe Testyacht, kommen 633 486 Euro zusammen. Dafür gibt es einen Cruiser, der zudem noch eines hat: Seltenheitswert.

Quelle: F.A.Z.
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