Neuer Faden für die Motorsense

Rasch ins Gras gebissen

Von Lukas Weber
 - 05:57

Zuweilen möchte man denken, ein technisches Konzept ist ausgereift, grundlegend Neues darum nicht mehr zu erwarten. Und dann fällt uns eine Innovation aus Italien in die Hände, deren Einsatz die Arbeit mit dem Freischneider wesentlich erleichtert. Solche Motorsensen sind vielseitige Geräte. Mit ihnen lässt sich das Gras an Stellen kürzen, die für andere Mäher nicht zugänglich sind, und wenn sie mit einem Messer bestückt werden, taugen sie zum Entfernen holzigen Gestrüpps. Mit einem Sägeblatt versehen, werden mit den kräftigeren Exemplaren sogar Weihnachtsbäume geerntet.

Von solchen Anwendungen abgesehen, ist die Standardbestückung aber der Fadenkopf. Dessen Gehäuse enthält meist eine auf einer Spule aufgewickelte Schnur aus stabilem Kunststoff, deren Enden aus zwei gegenüberliegenden Öffnungen austreten. Sobald die Drehzahl steigt, werden sie durch die Fliehkraft aufgerichtet, sie kreiseln dann mit hoher Geschwindigkeit und schlagen die Grashalme ab. Die Fäden sind im Gestrüpp längst nicht so durchsetzungsfähig wie Messer, haben aber den Vorteil, dass sie schonender mit Bäumen umgehen, die aus Versehen gestreift werden, und weniger Steine aufwirbeln.

Vor allem aber verzeihen sie den Kontakt mit größeren Brocken, der ein Messer beschädigen kann – der Faden zerfasert dann oder reißt ab. Da er ohnehin mit der Zeit verschleißt, gibt es einen halbautomatischen Nachschub; während der Kopf rotiert, wird er auf den Boden getickt. Dabei wird ein dicker Knopf eingedrückt. Er gibt den Faden frei, der dann durch die Fliehkraft nach außen gezogen wird. Was zu weit übersteht, wird durch eine Klinge innen an der Schutzabdeckung gekappt.

Das funktioniert im Allgemeinen gut, aber wenn der Faden aufgebraucht ist, wird das Einfädeln eines neuen zur Fummelei. Der widerspenstige Kunststoff wird für links und rechts gesondert um die Spule gewickelt und jedes Ende durch seine Öffnung gesteckt, dann gilt es, den Deckel gegen Federdruck zu schließen, ohne dass sich alles verwurstelt. Deutlich leichter wird es mit einer Durchstecklösung, die seit einiger Zeit auf dem Markt ist. Der Faden wird durch den Kopf geschoben, bis beide Enden gleich lang sind, und dann durch Drehen des Kopfes aufgerollt.

Noch viel schneller geht es nun mit der Neuentwicklung des italienischen Herstellers Emak, der unter anderem hochwertige Motorgeräte unter dem Markennamen Efco vertreibt. Dessen Fadenkopf namens Speed & Go sieht auf den ersten Blick nicht ungewöhnlich aus, er hat es aber in sich. Denn wenn er mit einem Handgriff geöffnet ist, nimmt er einen Faden auf, der zu einer Scheibe aufgerollt ist, die einer CD ähnelt. Eine Spule zum Aufwickeln gibt es nicht mehr. Der Zusammenhalt des Fadens ist so simpel gelöst, dass wir uns fragen, warum nicht schon früher jemand auf die Idee gekommen ist: Er hat auf der Oberseite eine Nase und unten eine Kerbe, die ineinanderklemmen wie Feder und Nut.

Das hält. Scheibe einlegen, beide Enden etwas lösen und Deckel drauf, fertig ist der Fadenwechsel in wenigen Sekunden. Den Kopf gibt es mitsamt einem Faden und einem Adapter, damit er auf alle gängigen Geräte passt, für knapp 36 Euro im Fachhandel oder online. Eine Zehnerpackung Fäden mit 2,4 Millimeter Durchmesser und 7 Meter Länge kostet rund 24 Euro, der stärkere Faden mit 3 Millimeter (5,5 Meter Länge) knapp 27 Euro.

Wie arbeitet es sich damit? Wir haben den Speed & Go eine Weile auf einem mittelschweren Efco DS 2700 T mit 1,3 PS ausprobiert und stellen fest, dass bis auf die schnelle Montage keine Unterschiede zu herkömmlichen Fäden festzustellen sind – wobei es hier unter den Anwendern unterschiedliche Ansichten geben kann, welcher Faden der beste sei. Der zur Scheibe aufgewickelte hat einen rechteckigen Querschnitt mit scharfen Kanten, die Schnittleistung solcher Fäden ist nach unserer Erfahrung etwas höher als die runder Querschnitte. Wichtig für die Umwelt: Der Faden ist nach Angaben des Herstellers biologisch abbaubar und ungiftig.

Quelle: F.A.Z.
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Lukas Weber
Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.
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