Oldtimer Super Constellation

Connie auf der Intensivstation

Von Jürgen Schelling
 - 10:34
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Der blitzsaubere Hangar der Airline Swiss am Schweizer Flughafen Zürich-Kloten hat etwas von einem überdimensionierten Operationssaal. Aber sind hier ja auch einige Patienten zu finden, die kuriert werden müssen. Einer der ernsten Fälle ist derzeit eine Lockheed Super Constellation. Der 1955 gebaute viermotorige Propeller-Airliner fliegt seit 2004 für die eidgenössische Super Constellation Flyers Association SCFA unter dem passenden Namen „Star of Switzerland“.

Und ein Star ist sie: Überall wo sie landet, wird die von allen nur kurz „Super Connie“ genannte Maschine umlagert und bewundert. Schließlich gilt sie bis heute wegen ihrer eleganten Silhouette und des markanten Dreifach-Seitenleitwerks als eines der attraktivsten Flugzeuge der Welt. Aber wie viele Schönheiten ist die Super Connie auch eine Diva. Trotz guter Pflege geht an der 63 Jahre alten Maschine gern etwas kaputt oder korrodiert, was nur mit größten Mühen, viel Engagement und noch mehr Geld wieder zu kurieren ist.

Die SCFA-Verantwortlichen und ihre Mitglieder sind bereits leiderprobt. Denn dass an einem Oldie immer wieder Defekte vorkommen, ist normal. 2017 führten aber gleich zwei heftige Vorkommnisse dazu, dass die Super Connie ihre letztjährige Flugsaison komplett ausfallen lassen musste. Und diesmal war es richtig ernst. So gerieten bei vorgeschriebenen Roll- und Vibrationstests von neuen Radfelgen am Flughafen Zürich zwei Bremsen in Brand. Hierbei entstanden Schäden an Reifen und Bremsleitungen. Und es kam noch schlimmer. Im Rahmen der Wartungsarbeiten stellten die Techniker fest, dass an den Landeklappen 24 Anlenkungsstangen korrodiert waren. Weltweit sind diese nirgends mehr als Ersatzteil zu bekommen. Das bedeutet, sie nach Originalplänen neu anfertigen zu müssen. Dies ist heikel, denn vor mehr als 60 Jahren wurden Verfahren verwendet, die es heute nicht mehr gibt. Außerdem müssen die Neuanfertigungen zugelassen werden.

Das schweizerische Bundesamt für Zivilluftfahrt (BaZL) schaute sich die neuen Teile erst genau an. Nun durften diese in der Tragfläche montiert werden. Anschließend wurde auch der korrekte Einbau vom BaZL zertifiziert. Das alles ist extrem kostspielig.

Die Arbeiten an den Landeklappen sowie Reparaturen an Bremsen und Fahrwerk finden jetzt am Hangarplatz in Zürich statt. Deshalb sind viele Verkleidungsbleche und Deckel abgenommen, die sonst einen Blick auf die Struktur der Connie verhindern. So können rund ein Dutzend Techniker gut an die von Korrosion betroffenen Stellen herankommen. Im Cockpit sind Sitze und Böden ausgebaut, um darunterliegende Ruderanlenkungen sowie deren Seilzüge für Seiten-, Quer- und Höhenruder überprüfen zu können. Auch einer der vier je 3250 PS starken Sternmotoren ist zu Wartungszwecken abgenommen. Er wird im Frühjahr wieder montiert.

Dass sich die vielen tausend Arbeitsstunden und das leidenschaftliche Engagement der SCFA-Mitglieder für ihre Maschine lohnen, wird klar, wenn man erfährt, wie extrem selten ein fliegendes Exemplar ist: Weltweit gibt es heute außer der Star of Switzerland nur noch eine weitere fliegende Super Connie. Die ist allerdings in Australien stationiert und darf auch keine Passagiere mitnehmen. Die deutsche Lufthansa Super Star gGmbH ist seit einigen Jahren dabei, das damals größte Modell der Constellation-Baureihe, eine L-1649A Starliner, in den Vereinigten Staaten zum Besser-als-neu-Zustand zu restaurieren. Diese mit moderner Instrumentierung ausgestattete Maschine soll nach Informationen des Unternehmens voraussichtlich Ende dieses Jahres oder Anfang 2019 zum ersten Mal abheben.

Dass allerdings fast zwei Millionen Euro für die Reparaturen notwendig sind, stellt die SCFA vor eine Herkulesaufgabe. Zum Jahresbeginn 2018 waren umgerechnet rund eine Million Euro vorhanden. Eine Spendenaktion und Benefizveranstaltungen sollen das noch fehlende Geld in die Kasse bringen. Klappt alles mit den Reparaturen und stimmt das BaZL ihrer Flugtauglichkeit zu, könnte die Super Connie im Juni wieder in Zürich abheben. Dann soll sie im Sommer bei Luftfahrt-Shows in der Schweiz und wahrscheinlich auch mehrmals in Deutschland auftreten.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung
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