Probefahrt im neuen Audi A6

Klassischer Modellathlet

Von Wolfgang Peters
 - 14:18
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Es gibt doch noch gute Nachrichten aus dem VW-Konzern, nicht nur über SUV-Verkaufsrekorde, denn Audi atmet durch und hat an Selbstbewusstsein keineswegs eingebüßt: Die klassische Limousine lebt, und der neue A6 steigt aus der gutsituierten Mittelklasse auf ins vernünftig-definierte Oberhaus. Dafür sorgen verfeinerte Technik bei Antrieb und Konnektivität, höherer Fahr- und Federungskomfort, ein raffinierteres Design mit gewohnten, aber schärfer definierten Markenlinien außen und innen, und auch der Preis tendiert nach oben, noch nie war ein A6 so wertvoll wie heute: Drei V6-Triebwerke beschleunigen den A6 beim Start in den Markt im Juli, zum Herbst treten kleinere Vierzylinder-Benziner (TFSI) und Diesel (TDI) an, diese sollen den Ruf des A6 als seriöses Flottenfahrzeug verstärken.

Vorerst werden die Preise für zwei Typen zur Vorstellung ausgewiesen, jeweils für die Grundmodelle: A6 55 TFSI quattro mit V6-Benziner, drei Liter Hubraum, 340 PS, das kräftige Drehmoment von 500 Newtonmeter kommt über die siebenstufige Stronic auf die Räder, der Preis ohne Extras beträgt 59 850 Euro. Für 58 050 Euro kommt der A6 50 TDI Quattro, der V6-Diesel leistet 286 PS und bietet bei 2250 bis 3000/min sein maximales Goliath-Drehmoment von 620 Nm, hier setzt die Audi-Technik die achtstufige, noch komfortablere Tiptronic ein.

Wobei im Benziner auf griffigem Untergrund und bei eher ruhiger Fahrweise nur die Vorderräder mit dem Vortrieb beschäftigt sind, erst bei registrierbarem Schlupf aktiviert die Quattro-Technik in Millisekunden zusätzlich die Hinterachs-Traktion. Ein Handschaltgetriebe ist zum Marktstart nicht vorgesehen, wird aber wohl für billigere Varianten später angeboten.

Alle V6-Versionen werden nicht nur als Grundmodelle, sondern auch als A6 TFSI Sport- und Design-Varianten für jeweils 62 150 Euro oder als TDI mit Sport- oder Design-Merkmalen zu je 60 350 Euro geführt. 250 km/h erreichen beide V6-Ausführungen und kommen in etwa 5,1 oder 5,5 Sekunden von 0 auf 100 km/h, der kombinierte Benzinverbrauch liegt bei 6,7 bis 7,1 Liter, der Wert für den Diesel wird mit 5,5 bis 5,8 Liter angegeben.

Die völlig neu eingekleidete Limousine mit dem sehr dominierenden Sechseck-Kühlergrill unterscheidet sich in Länge und Breite nur im Millimeterbereich vom Vorgänger. Sie ist auch nicht wirklich spürbar niedriger, wirkt aber flacher und steht mit breiter Spur sehr präsent auf der Straße. Das liegt vor allem am Design, das kräftige Wölbungen für die Radhäuser, straffere Linien und schmissigere Kanten sowie dynamischere Proportionen verordnet hat. Audi-Stylist Parys Cybulski war federführend für die neuen Kleider des A6 und ist stolz auf die „athletische Figur“ und die „stabile Wirkung des Hecks in der Breite“ und versucht, über den klaren Blick aus größerer Entfernung die richtige Mischung aus Ruhe und Bewegung zu finden.

Rückmeldung aus dem Touch-Feld vereint Hören und Spüren

Im etwas weitläufigeren A6-Innenraum treibt für maximal fünf Insassen Audi jenen Einrichtungsstil voran, der jüngst mit dem eher repräsentativen A8 und dem eleganten A7 die Maßstäbe setzte: Vielleicht zu klinisch sauber sind Möblierung, Materialwahl und Methode der puristischen Gestaltung geraten, die Vernetzung und die Bedienung der zahlreich wie nie zuvor antretenden Assistenz- und Sicherheitssysteme ist noch dichter gestaltet und soll gleichzeitig klarer und eindeutiger ablaufen.

Für das MMI-Bediensystem werden zwei große Displays tätig, die nicht nur etliche Tasten, Regler und Stellmechanismen ablösen, sondern auch eine antwortende Berührung aufbieten: Die Rückmeldung aus dem Touch-Feld vereint Hören und Spüren, bietet für die Ohren den ausgelösten Klick und für den Finger die vom Druck erzeugte Nachgiebigkeit des Berührungsfelds. Über die Tasten am Lenkrad wird die für den A6 neue Instrumentenlandschaft bedient. Zusätzlich gibt es ein Head-up-Display in der Windschutzscheibe und die Möglichkeit, bestimmte Funktionen wie die Steuerung der Klimaanlage durch natürliche Sprachkommandos auszulösen.

Für die reale Mobilität auf der Straße wurden die V6-Triebwerke wie schon in A8 und A7 auf die Kooperation mit dem 48-Volt-System eingeschworen. Dadurch entsteht ein Mild-Hybrid-System, das zwar elektrisches Fahren noch nicht ermöglicht, aber in bestimmten, lastfreien Betriebszuständen den Motor ausschaltet und ihn dank des Starter-Generators schüttelfrei wieder anwirft. Ein System, das bei ersten Probefahrten gut überzeugen konnte.

In drei Paketen werden bis zu 39 Fahrerassistenten herangeführt und an der Hinterachse arbeitet im Verborgenen ein höchst effizientes Präzisions-Instrument: Gegen Aufpreis geht dort die Dynamik-Allradlenkung ans Werk. Sie verleiht dem knapp fünf Meter langen Audi die Handlichkeit eines A3 und die Stabilität einer noch größeren Limousine. In Kurven werden die Räder wie von unsichtbaren Schienen geführt, Geradeausfahrt und Spurwechsel offenbaren eine neue Stabilität. Alle nötigen Rechenoperationen für Lenkung, Dämpfer und Luftfederung im Fahrwerk erledigt das EFP-Steuergerät. Seine Aufgaben sind klar definiert: Wenn es um Fahrkultur und Annehmlichkeiten im Innenraum geht, dann führt gerade bei Audi an der klassischen Limousine kein Weg vorbei. Und das ist doch mal eine gute Nachricht.

Quelle: F.A.Z.
Wolfgang Peters
Freier Autor in der Wirtschaft.
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