Motor
Range Rover Velar

Alles zurück auf Anfang

Von Boris Schmidt
© Hersteller, F.A.Z.

Gäbe es den Brexit nicht, würde die Mannschaft von Jaguar-Land-Rover (JLR) wahrscheinlich auf Wolke sieben schweben. Alles was JLR derzeit anfasst, gelingt, und der vierte, jetzt aus dem Hut gezauberte Range Rover, wird wahrscheinlich ebenfalls durchstarten. Der 4,80 Meter lange Velar soll die Lücke zwischen dem knappen Range Rover Evoque (4,36 Meter) und dem Range Rover Sport (4,85 Meter) füllen. Nur ist er dafür mindestens 20 Zentimeter zu lang. Macht nichts, dafür ist er umso schöner und edler. Gefühlt stellt er das neue Flagschiff der Land-Rover-Luxussparte dar, neben dem jüngsten Spross der Familie sieht der große Range Rover (5,20 Meter) alt aus.

Der Velar, dessen Name sich auf die allerersten Range-Rover-Prototypen bezieht, die zu Zwecken der Tarnung 1969 unter dem Label einer eigens zu diesem Zweck gegründeten Briefkastenfirma Velar registriert wurden, muss freilich ohne V8-Motoren auskommen, die es für die beiden großen Brüder sehr wohl gibt. Und auch mit alternativen Antrieben hält sich JLR noch zurück. Allerdings wären die kleinen 2,0-Liter-Einsteigermotoren (Benzin und Diesel) vor wenigen Jahren wohl kaum in ein so großes Auto gekommen. Die Vierzylinder (allesamt Turbos oder Bi-Turbos) haben als Selbstzünder 180 und 240 PS (maximales Drehmoment 430 und 500 Newtonmeter), die beiden Benziner bieten 250 und 300 PS sowie 365 und 400 Nm auf.

Das höchste der Motorengefühle sind zwei 3,0-Liter-V-Sechszylinder, deren Eckwerte 300/700 sowie 380/450 (Benziner, mit Kompressor) lauten. Alle Velar haben Allradantrieb und eine Achtgang-Automatik von ZF, eine Luftfederung ist optional (nicht für die Basismodelle), den V6-Velar wird sie serienmäßig spendiert. Die Spitzengeschwindigkeiten reichen von 209 bis 250 km/h, der Normverbrauch beträgt je nach Modell 5,4 bis 9,4 Liter für 100 Kilometer.

Im Innenraum wird alles aufs feinste an- und eingerichtet.
© Hersteller, F.A.Z.

Im Innenraum wird alles aufs feinste an- und eingerichtet. Zwei große Displays in der Mittelkonsole helfen beim Bedienen, die Armaturen (TFT) sind virtuell, allerdings nicht im Basismodell sowie in der S-Ausstattung. Außerdem gibt es noch SE und HSE. Platz ist reichlich vorhanden, auch der über eine elektrische Klappe zugängliche Kofferraum fällt riesig aus: 673 und maximal 1731 Liter beträgt das Volumen.

Neuland betritt JLR mit einer besonders aufwendigen Stoff-Ausstattung, die Zulieferer Kvadrat beisteuert. Die sieht – zugegeben – sehr edel aus, lässt Leder vergessen und ist für Kunden gedacht, die sich nicht gern auf Tierhaut setzen. Davon soll es immer mehr geben. Eine Rolle mag auch der vegane Lebenswandel des Innenraum-Designers spielen. Der Aufpreis für Kvadrat liegt je nach Linie zwischen 420 (bei HSE) und 2578 Euro. Moderne Assistenzsysteme gibt es reichlich, nur müssen sie meist extra bezahlt werden. Für beste Konnektivität ist bei S, SE und HSE ohne Aufpreis gesorgt, inklusive Navigationssystem und 4G-Hotspot. Eine eigene Sim-Karte wird aber benötigt, wenn alle Dienste voll ausgeschöpft werden sollen.

Dann stehen 108000 Euro auf dem Einkaufzettel

Die Preise des Velar beginnen bei 56500 Euro für die Basismotorisierungen. Die beiden V6 als HSE kosten 86750 (Diesel) und 87450 Euro (Benziner). Diese gibt es auch als First Edition, in die alles reingepackt wurde, was geht: Dann stehen jeweils gut 108000 Euro auf dem Einkaufzettel. Mattes „Flux Silver“ als Lackierung treibt den Preis über die Marke von 115000 Euro.

Auf ersten Probefahrten überzeugten die Velar V6 fast auf ganzer Linie. Die Geländefähigkeiten sind beeindruckend, selbst ohne Untersetzungsgetriebe. Während der Bordcomputer nach unseren Fahrten mit dem Diesel 8,7 Liter Verbrauch anzeigte, waren es beim Benziner gut 12 Liter.

Quelle: F.A.Z.
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