Premiere Rolls-Royce Cullinan

Der dickste Brocken

Von Boris Schmidt
 - 14:26
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Bescheiden waren sie noch nie bei Rolls-Royce. Warum auch. Kaum einer bezweifelt, dass sie die luxuriösesten Autos der Welt bauen, wenn Geld keine Rolle spielt. Heute stellen die Briten, die zum BMW-Konzern gehören, das nach eigener Aussage am meisten erwartete Auto des Jahres 2018 vor, und dazu sei intern noch nie die Vorfreude auf einen Rolls-Royce größer gewesen. Der Cullinan betritt die Bühne, ein 2,6 Tonnen schweres, 5,34 Meter langes SUV, das dem Bentley Bentayga und dem Range Rover EWB die Grenzen aufzeigen soll.

Tatsächlich, mehr Luxus war noch nie bei einem SUV. Eine Luftfederung und eine neue Aluminium-Architektur ähnlich derer im unlängst erneuerten Phantom sollen neben dem von Rolls-Royce bekannten Leder-Edelholz-Ambiente die Passagiere im Cullinan in neue Sphären führen. Ganz zu schweigen vom V-12- Motor. Mit seiner um 30 Prozent steiferen Karosserie gegenüber dem Phantom soll der Cullinan – den gleichen Namen trägt der größte Diamant der Welt – auch in jedem Gelände seinen Mann stehen. Man müsse einfach nur den Knopf „Everywhere“ drücken, den Rest regelt dann die Elektronik, in Zusammenarbeit mit dem permanenten Allradantrieb, dem Motor und dem Achtgang-Automatik von ZF.

Unter der Haube oder hinter dem riesigen Kühlergrill steckt ein V12 von BMW mit 6,75 Liter Hubraum und 571 PS. Der Benziner hat ein maximales Drehmoment von 850 Newtonmeter bei nur 1600 Umdrehungen in der Minute, die Höchstgeschwindigkeit ist auf 250 km/h elektronisch begrenzt. Der Normverbrauch von 15 Liter auf 100 Kilometer (CO2-Ausstoß 341 g/km ) lässt erwarten, dass es im Alltag auch mal 25, vielleicht sogar 30 Liter auf 100 Kilometer werden können. Kunden, die gewiss mehr als 350.000 Euro bezahlen werden (einen offiziellen Preis gibt es noch nicht), können das verschmerzen.

In den Fond des Cullinan gelangt man sehr bequem durch gegenläufig öffnete Türen, als Viersitzer ist das SUV mit Lounge-Gestühl und einer Bar in der Mittelkonsole ausgestattet, dazu gibt es als Clou eine feste Trennscheibe zum Laderaum, um für mehr Ruhe und ein noch besseres Klima im Innenraum zu sorgen.

Als Fünfsitzer mit einer schnöden Bank wird der Rolls zu einem Familienwagen, und erstmals in der Historie der 114 Jahre alten Marke gibt es umlegbare Rücksitzlehnen, asymmetrisch und elektrisch, natürlich. Das Ladeabteil hat bis zu 600 Liter Volumen, mit flach gelegter Rückbank sind es bis zu 1930 Liter. Die maximale Länge des Laderaums ist mit 2,25 Meter rekordverdächtig.

Nicht fehlen darf die neueste Assistenz- und Infotainment-Technik. Auch in dieser Hinsicht sei der Cullinan das zur Zeit technisch fortschrittlichste SUV der Welt, verspricht Rolls-Royce. Alle gängigen Systeme sind verfügbar, inklusive Night-Vision und einem neuen, sehr großflächigen Head-up-Display.

Wie jeder Rolls-Royce kann auch der Cullinan in nahezu unendlicher Vielfalt individualisiert werden. Da sind das riesige Glasschiebedach und die Möglichkeit, fürs Heck zwei Zusatz-Sitze zu bestellen, auf denen es sich bei stehendem Wagen fürstlich logieren lässt, um sagen wir das Pferderennen von Ascot zu beobachten, noch gängige Extras.

Die Frage, warum nach Bentley, Maserati, Lamborghini und bald auch Ferrari auch noch die exaltierten Briten einen SUV-Koloss bauen müssen, stellt sich nicht. Sie tun es, weil sie es können, und sie können sogar auf eine gewisse Tradition verweisen. Im und nach dem Ersten Weltkrieg gab es etliche Expeditionen, die mit umgebauten, tonnenschweren Rolls-Royce durch Wüsten, Täler und Schluchten fuhren. Lawrence von Arabien hatte gleich neun Rolls-Royce in seinem Expeditions-Tross.

Quelle: FAZ.NET
Boris Schmidt
Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.
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