50 Jahre Méhari

Heißer als die Polizei erlaubt

Von Holger Appel
 - 15:52
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Der Autokatalog von 1968 führt ihn unter der Rubrik Strand-, Jagd- und Geländewagen. Vermutlich ist er in Deutschland das bekannteste Auto, das hier nie zugelassen wurde. Jedenfalls nicht offiziell, den Behörden galt der Kunststoffaufbau als zu leicht entflammbar. Die französische Staatsmacht sah das weniger streng, der Gendarm von St-Tropez höchstselbst jagte mit ihm durch den Süden.

Im Mai 1968 erblickte der Méhari in Deauville das Licht der Welt, nichts anderes als ein außergewöhnliches Vehikel durfte die Menschheit von Citroën erwarten. Wer 2CV und DS in seiner Ahnengalerie vorweisen kann, muss höhere Ansprüche haben. Oder einfachere. Bis 1987 baute die Marke unter dem Doppelwinkel diese Badewanne auf Rädern.

Benannt nach einem nordafrikanischen Dromedar und auf Basis der Dyane 6, sollte der Méhari die Antwort auf den offenen Renault 4 sein. Und wie das gelang. Mit Zweizylinder-Boxermotor, 0,6 Litern Hubraum und 29 PS, mit 525Kilogramm Leergewicht, 105 km/h theoretischer Höchstgeschwindigkeit, umklappbarer Frontscheibe und einer Kette am Türausschnitt wurde er zum Star am Strand und zum Liebling einer Generation, die sich nach grenzenloser Freiheit sehnte. Die von Roland de la Poype entwickelte Karosserie bestand aus durchgefärbtem Kunststoff, war selbstredend rostresistent und ließ sich mit dem Schlauch außen wie innen von Schlamm befreien.

145.000 Stück sind gebaut worden, und seine Fans blicken jetzt zum 50. Geburtstag mit Wehmut zurück. Citroën hat jüngst ein bisschen Mut bewiesen und bietet einen, sagen wir, moderneren elektrischen Méhari an, doch das Gefühl will einfach nicht zurückkehren. Wer noch einen alten sein Eigen nennt, darf sich glücklich schätzen. Gut erhaltene Exemplare sind kaum unter 10.000 Euro zu bekommen.

Quelle: F.A.S.
Holger Appel
Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.
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