VW Käfer

Das Auto

Von Holger Appel
 - 15:38
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Wenn alle Welt nur noch von Abgasen redet und unter jeder Motorhaube ein Ensemble von Betrügern wittert, ist es vielleicht nicht die schlechteste Idee, einen Moment innezuhalten und von früheren Zeiten zu träumen. Die waren natürlich auch nicht immer besser, sauberer schon gar nicht, aber so ein Leben im und mit dem VW Käfer, das war schon was. Der fuhr und fuhr und fuhr bekanntlich, und wenn mal ein Teil streikte, dann kam der Hobbymechaniker mit dem Jetzt-helfe-ich-mir-selbst-Buch, einem Satz Schraubenschlüsseln und entschlossenen Hammerschlägen recht weit.

Auf Rost an den Trittbrettern, die leider aus der Mode gekommen sind, war zu achten und auf die Heizbirne, die gern in geöffneter Stellung verharrte und dann nach Auspuff müffelnde Heißluft in den Innenraum blies und blies und blies. Der Pragmatiker verzichtete auf den Austausch und öffnete das Fenster, wer das Glück hatte, ein Cabriolet zu besitzen, warf einfach das Dach nach hinten, wo es sowieso von März bis September blieb, und hielt die Füße so gut es ging hitzefrei.

Der luftgekühlt knatternde Motor im Heck genügte den Anforderungen, die wohl bescheidener waren, und 1972 überholte der Käfer das Model T von Ford als meistverkauftes Auto aller Zeiten. In Europa zunächst in den Vorruhestand geschickt, ging der Käfer am 30. Juli 2003 im mexikanischen Puebla final in Pension. 21.529.464 Stück krabbelten vom Band. Langsam verblasst die Erinnerung.

Tauchen heute ein R 4 oder 2 CV auf, fragen die Kinder schon mal, ob das der tolle Käfer sei, von dem der Vater stets berichte. Louis de Funès und Herbie stehen ja auch nicht mehr auf dem Netflix-Programm. Wie wäre es, nicht nur für Nostalgiker, mal wieder mit einem Buch? Leute, wie die Zeit vergeht.

VW Käfer – Das Buch, Prestel Verlag, 39,95 Euro

Quelle: F.A.S.
Autorenporträt / Appel, Frank-Holger (hap.)
Holger Appel
Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.
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