Motorradfahren

Zu viel

Von Boris Schmidt

Das Motorradfahren erlebt zurzeit eine kleine Blüte. Jüngere Menschen begeistern sich wieder mehr dafür. Das Interesse am Zweirad mag überraschen, denn anders als vor einigen Jahren versprochen, entpuppt sich das damals geänderte Führerscheinrecht in der Praxis als ziemlich aufwendig und teuer.

Heute müssen drei Prüfungen absolviert werden, wenn man schon mit 16 mit dem Fahren anfängt (A1, maximal 15 PS), mit 18 oder präziser nach zwei Jahren A1-Besitz den A2 erwirbt (48 PS) und abermals nach zwei Jahren den A (unbegrenzt) absolviert. Vorteil, theoretisch: Wer den A1 oder den A2 hat, muss fürs Aufsteigen eigentlich nur noch eine praktische Prüfung bestehen. Schließlich hat dieser Motorradfahrer das volle Programm mit etlichen (Plicht-)Fahrstunden hinter sich, die ordentlich ins Geld gegangen sind.

Doch auch für die Erweiterung muss man sich in einer Fahrschule anmelden. Die verlangt eine Gebühr fürs formale Prozedere, sprich den Kontakt mit der Führerscheinstelle, und sie besteht oft darauf, dass weitere Fahrstunden gebucht werden, vor allem wenn es von A2 auf A geht. A1-Fahrer haben in der Regel viel Fahrpraxis und brauchen tatsächlich nur eine, maximal zwei Stunden auf einem 48-PS-Motorrad. Und bleibt man bei „seiner“ Fahrschule, könnte das von Vorteil sein. Wer von A2 auf A will, stößt aber möglicherweise auf Fahrschulen, die Umsatz wittern und von vornherein auf mindestens fünf bis sechs Fahrstunden bestehen, ohne zu wissen, wie versiert der Kunde mit dem Motorrad umzugehen vermag. Und selbst wer eine Schule findet, die sich mit zweien zufriedengibt, hat hinterher gut 500 Euro weniger im Portemonnaie. Bei A1 auf A2 ist das nicht anders.

Das Warten auf den 24. Geburtstag ist also eine Überlegung wert: Direkt auf A einsteigen und alles nur einmal erledigen. Und wer bis dahin auch aufs Auto verzichtet hat, kann das kombinieren, so war das früher bei Jungs fast die Regel. Mit 18 allerdings.

Quelle: F.A.Z.
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