Tech-Talk

Ohne Köpfchen

Von Lukas Weber
 - 00:53

Das kann dem besten Schrauber passieren: Das Auto hat 38 Jahre auf dem Buckel, und weil der Rost die Schrauben angefressen hat, scheren die Köpfe ab, statt sich in den Gewindegängen zu drehen. Die Blende löst sich zwar, aber wie kriegt man die ehemaligen Schrauben, die nun Gewindebolzen sind, aus den Löchern? Zu diesem Zweck hatte mal jemand einen Geistesblitz, er erfand den Linksausdreher. Das ist eine Art Dorn mit Schneckengewinde, das linksherum eingeschraubt wird und sich so in den Stumpf verbeißt; mit etwas Glück und Kriechöl lässt sich dann der Schraubenrest herausdrehen. Zuvor muss nur, was mühsam sein kann, ein Loch für den Ausdreher gebohrt werden. So weit die Theorie.

Ein ganzer Satz Ausdreher kostet keine zehn Euro, Qualitätswerkzeug, beteuert der Mann vom Fachhandel – also dort, wo auch die Werkstatt einkauft. Kaum zu glauben, weil für die fiese Arbeit bester Stahl gebraucht wird. Also einschrauben, vorsichtig weiterdrehen – nichts passiert. Das Gewinde sollte scharf sein, damit es sich in die Schraube einschneidet, stattdessen ist es nun stumpf, der Ausdreher dreht nicht aus, sondern durch. Das ist auch gut so, denn wenn er abreißt, weil Honkongdraht statt Stahl verwendet wurde, kriegt niemand mehr die Spitze heraus, das Bauteil ist dann verloren. Gute Ausdreher tragen einen bekannten Namen und sehen schon auf den ersten Blick anders aus als der Schrott Marke „Qualitätswerkzeug“, kosten aber das Vierfache. Merke: Wer billiges Werkzeug kauft, kauft doppelt.

Quelle: F.A.S.
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Lukas Weber
Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.
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