Rückrufe

Nasser Hund

Von Holger Appel

Steht die nette Kollegin in der Tür und jammert. Schon wieder werde ihr Auto in die Werkstatt gerufen, nicht wegen der Software-Sause, es ist auch kein VW oder Audi. Viermal in neun Monaten musste das Gefährt zum Nachsitzen, sie glaubt, sie fahre die Rückruf-Queen. Darüber werden wir noch zu berichten haben, doch zunächst kommen wir nicht umhin, die Dame zu enttäuschen. Den Titel kann sie nicht einfach für sich reklamieren. Wenn sie die Rückruf-Queen ihr eigen nennt, dann wissen wir, wo der Rückruf-King steht.

Die Werkstatt, die Mini voll hip Klinik nennt, hatte Sehnsucht nach dem britischen Bayern. An der Kurbelwelle müssten vorsorglich Lager getauscht werden, was flugs gelang. Bei der Gelegenheit erledigten die Chirurgen sogleich einen minimalinvasiven Eingriff an der Klimaanlage, wo ein Röhrchen ungeschickt angebracht sei, so dass sich Wasser absetze. In der Medizin hieße es nun wohl: Eingriff gelungen, Patient tot. Seither nämlich riecht es aus vollen Rohren zum morgendlichen Start nach nassem Hund. Zweiter Aufenthalt in der Klinik, der Wagen kommt gewaschen und gesaugt zurück. Und stinkt nach nassem Hund. Dritter Aufenthalt in der Werkstatt. Der blitzsaubere Wagen muss nicht mehr gesaugt werden. Und stinkt nach nassem Hund mit Pfeffer im Fell. Vierter Aufenthalt, so viel zur Rückruf-Queen, jetzt müsse wohl die Klimaanlage getauscht werden, meint Meister Mini. Das wird dauern, da fahren, nein, laufen wir lieber erst mal in Urlaub. So, Lady, was sagst Du jetzt?

Sie lächelt nur müde und legt ihr Leidensprotokoll hin. „Im Rahmen unserer Qualitätspolitik . . .“, schreibt Peugeot, müsse der Anlasser kontrolliert werden. Dann die Spannrolle des Antriebsriemens. Dann der Druckfühler im Kraftstoffkreislauf. Dann der Kabelstrang der Pumpe für die Abgasreinigung. Okay, okay, genug gebrüllt, Löwe. Im Rahmen unserer Mitarbeiterpolitik bieten wir der Queen ein Patt an. Oder bietet jemand mehr?

Quelle: F.A.S.
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