Sechs Modelle im Test

Anspruchsvolle Kopfhörer für Smartphones

Von Marco Dettweiler
 - 09:35

Es klingt so einfach: Hochwertigen Kopfhörer kaufen, ins Smartphone stecken, unterwegs anspruchsvoll Musik hören. Die Realität ist komplizierter. Denn selbst unter den teuren Kopfhörern ist nicht jeder für den mobilen Einsatz geeignet. Wir haben sechs Modelle getestet, die mobilen Hörgenuss versprechen. Voraussetzung für hohe Klangqualität ist eine entsprechende Bitrate der MP3-Dateien. Musikportale bieten Lieder häufig mit 256 Kilobit pro Sekunde an. Diese bevorzugen wir auch.

Die von den Smartphone-Herstellern beigelegten Ear-Bud-Ohrhörer taugen wenig. In-Ear-Modelle sind meist die bessere Wahl. Doch wir gehen aufs Ganze und haben kabelgebundene Kopfhörer mit geschlossener - und einen mit halboffener - Bauweise getestet. Modelle mit aktiver Rauschunterdrückung haben wir ebenso wenig berücksichtigt wie Bluetooth-Produkte. Die Kopfhörer sollten etwa 300 Euro kosten.

Die Lautstärke

Zunächst ist die passende Impedanz wichtig. Das ist der Widerstand, der bei den technischen Daten in der Einheit „Ohm“ angegeben wird. Die Impedanz entscheidet darüber, wie laut der Nutzer die Musik aufdrehen kann. Wir wählten daher nur niederohmige Modelle aus, die 32 Ohm oder weniger haben. Prinzipiell gilt: Je niederohmiger, desto lauter. Halboffene und offene Kopfhörer verlieren an Lautstärke, weil ihre Muschel durchlässig ist. Beim DT880 von Beyerdynamic führt das dazu, dass man trotz seiner 32 Ohm in geräuschvollen Umgebungen das iPhone voll aufdrehen muss. Bei allen anderen Testgeräten reicht die Lautstärke vollkommen aus. Der Amperior hat sogar nur 18 Ohm Widerstand. Sennheiser hat ihn also speziell für den mobilen Einsatz hergestellt.

Die Bauweise

Geschlossene Kopfhörer schirmen Außengeräusche sehr gut ab. Diese Bauweise ist nicht nur für Studiomusiker gewinnbringend, sondern auch für Menschen, die unterwegs ungestört Musik hören wollen. „Geschlossen“ ist allerdings nicht gleichzusetzen mit „ohrumschließend“. Diese Bezeichnung sagt nur aus, dass der Innenraum der Muschel möglichst dicht sein soll. Die drei getesteten ohraufliegenden Kopfhörer sind ebenfalls geschlossen. Wir haben zudem eine halboffene Variante getestet. Diese Bauweise erkennt man an der Außenschale. Das Material ist perforiert, damit man die Umgebungsgeräusche noch wahrnehmen und ein Teil des Drucks nach außen dringen kann. Die Bauweise bestimmt auch die Art des Klangs.

Der Klang

Fachleute sagen der geschlossenen Bauweise nach, dass der Vorteil der Außenabschirmung den Nachteil eines basslastigen Klangs mit sich bringt. Die Kopfhörer betonen die tiefen Töne der Musik: Bass im Vordergrund, Stimmen im Hintergrund, hohe Töne werden weniger wahrgenommen. Der Sound erscheint hart und schafft wenig Raumatmosphäre.

Der Sony-Kopfhörer potenziert dies noch mit seinen Treibereinheiten für tiefe Bässe. Gerade beim Hören elektronischer Musik schickt einen der MDR-XB1000 in einen düsteren, engen Club eines Kellergewölbes. Die Wände werfen den wummernden Bass direkt auf die Tanzfläche zurück. Helle Töne erkennt man in diesem engen Raum selten. Die Tüftler von Sony waren bei der Herstellung konsequent. Das Produkt klingt, wie es aussieht. Der Beats Mixr von Monster gehört in die gleiche Kategorie. Ihm fehlt allerdings der warme Clubsound, seine Ausrichtung wirkt eher aggressiv.

Das Modell von AKG zeigt, dass geschlossene Kopfhörer anders klingen können. Der K550 erzeugt im Klang eine erstaunliche Weite. Es entsteht keine bedrückende Enge wie beim Sony, die Musik breitet sich aus. Die Tiefen der Musik muss der Hörer dennoch mögen. Hin und wieder hat man den Verdacht, dass beim AKG ein wenig der Wanneneffekt auftritt. Dass er also den tiefen und den hohen Frequenzbereich fast zu stark betont, indes der mittlere beim Hören leicht vernachlässigt wird. Ähnlich wie der AKG klingt Sennheisers Amperior. Allerdings geht er nicht so in die Weite. Er ist wuchtiger und färbt die Musik insgesamt dann doch zu dunkel ein.

Die goldene Mitte hat Beyerdynamic gefunden. Der DT880 ist sozusagen der fairste aller getesteten Kopfhörer. Jedes Instrument bekommt seine Chance, jeder Frequenzbereich ist gleichberechtigt, Töne haben ihren individuellen Auftritt. Der ausgewogene Klang ermöglicht ein entspanntes Hörerlebnis. Der typische Beyerdynamic-Effekt: Der Kopfhörer vernachlässigt nicht die tiefen Töne, sondern lässt sie dann hervortreten, wenn es angebracht ist. Man hört intensiver, der Kopfhörer scheint zu dirigieren.

Der Audio-Technica klingt im Vergleich zu den anderen Testobjekten eher bescheiden. Die Außengeräusche nimmt man deutlich wahr, zudem entfaltet sich der Klang kaum. Der ATH-ES88 ignoriert die Bässe, klingt zu undifferenziert, er vermanscht geradezu die verschiedenen Ebenen.

Der Tragekomfort

Hat man nun einen Kopfhörer mit gutem Sound und passender Impedanz gefunden, sollte er auch angenehm auf dem Kopf sitzen. Unter geschlossenen Kopfhörern schwitzt man gern - oder bekommt zumindest recht warme Ohren. Hitze entsteht meist bei ohraufliegenden Varianten. Es gibt jedoch zwei lobenswerte Ausnahmen. Die Muscheln des ATH-ES88 von Audio-Technica sind relativ klein. Sie drücken nicht zu stark auf die Ohren, sodass wenig Hautkontakt entsteht. Der Amperior von Sennheiser ist etwas größer, trägt sich aber ebenfalls sehr komfortabel wegen der samtigen Velourspolsterung. Der Beats Mixr hingegen drückt das Kunstleder recht stark auf die Ohren. Der Raum darunter wird vakuumdicht verschlossen. Feuchte Haut lässt nicht lange auf sich warten.

Der Mut für die auffälligen ohrumschließenden Modelle wird von hohem Tragekomfort belohnt. Weil die Muschel das Ohr nicht berührt, empfindet man diese Konstruktionsart meist angenehmer. Lediglich beim riesigen Sony-Modell wird es früher oder später zu einem Satz heißer Ohren kommen. Unter dem Kunstleder des AKG K550 könnte es im Sommer manchmal heiß werden. Geradezu luftig wirkt der halboffene Sennheiser. Dafür sorgt nicht nur die perforierte Oberfläche, sondern auch der samtige Veloursüberzug.

Das Kabel

Die Funktionalität des Designs sollte den Käufer mehr reizen als schickes Aussehen. So ist etwa das Kabel ein nicht zu unterschätzendes Detail, das zuweilen ziemlich nerven kann. Die optimale Verbindung zwischen Kopfhörer und Smartphone ist etwa 1,20 Meter lang, hat an beiden Enden einen Klinkenstecker und eine Fernbedienung mit integriertem Mikrofon. Diese Anforderungen hat Monster nahezu perfekt umgesetzt. Beim Beat Mixr kann der Nutzer sogar wählen, ob er das Kabel an der linken oder rechten Seite hineinsteckt. Sennheiser hat das Kabel des Amperior durch zusteckbare Fernbedienung ebenfalls klug konstruiert.

Das Ergebnis

Den perfekten Kopfhörer haben wir nicht gefunden. Beyerdynamic ist mit dem DT880 verdammt nah dran: Phantastischer Klang, hoher Tragekomfort und edle Verarbeitung. Er hat zwei Schönheitsfehler: Sein Kabel ist für den mobilen Einsatz ungeeignet, weil es viel zu lang ist. Und die 32 Ohm sind manchmal nicht laut genug. Der AKG K550 kann mit dem Beyerdynamic nicht ganz mithalten, weil sein Klang „nur“ sehr gut ist. Der Amperior von Sennheiser konnte sich für die Champions League der geschlossenen Kopfhörer nicht qualifizieren. Er löst keine spontane Begeisterung beim Hören aus und seine Verarbeitung wirkt wenig solide. Der Amperior zeigt zwar keine großen Schwächen, ragt aber auch nicht heraus. Er ist nichts Besonderes. Sonys MDR-XB1000 hingegen schon, weil er kompromisslos auf Bass ausgelegt ist. Wer elektronische Musik mag, wird ihn lieben. Der Beats Mixr von Monster will ähnlich cool sein und Clubgänger verführen. Schickes Design, edle und durchdachte Verarbeitung, basslastige Ausrichtung reichen aber in diesem Fall für einen besonderen Charakter nicht aus. Sein aufdringlicher Bass wirkt häufig kalt und abweisend. Ein Kopfhörer fehlt nun noch bei der Bewertung: der Audio-Technica ATH-ES88. Der Hersteller hat bei Design, Verarbeitung und Größe vieles richtig, nur beim Klang einiges falsch gemacht. Der Kopfhörer klingt blechern, undifferenziert und nervig. Dafür darf man nicht 300 Euro verlangen.

Quelle: F.A.S.
Marco Dettweiler - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Marco Dettweiler
Redakteur in der Wirtschaft.
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