Tech-Talk

Alles sauber?

Von Hans-Heinrich Pardey
 - 00:13

Die schriftliche Aufforderung war eindeutig: Man möge sein Auto für ein Software-Update zwecks Reduzierung von Schadstoffen beim Händler vorbeibringen. Das sei kostenlos und dauere nur etwa eine halbe Stunde. Und so nahte die Jahresinspektion. Bei der Terminvereinbarung wurde das Update auf die Liste der anstehenden Arbeiten gesetzt.

Beim Abliefern des Wagens, ein Turbodiesel, zwei Jahre alt, grüne Plakette, guckt der Werkstattmeister dem Kunden tief in die Augen und fragt: „Wollen Sie das wirklich machen lassen?“ Wir fragen zurück: „Wie bitte? Das stand doch in dem Brief vom Hersteller.“ Der Meister nickt. „Wir haben das bislang mit vier Fahrzeugen gemacht.“ Und ohne dass der Fachmann klipp und klar sagt: „Lassen Sie es bleiben“, zieht sich das Gespräch eine Weile hin.

Ganz offensichtlich will er abraten, aber diesen Rat nicht explizit geben. Dafür schiebt er ein ums andere Argument gegen das Update nach. Und: „Rückgängig können wir es nämlich nicht machen.“ Der stumm-leidende Gesichtsausdruck des Meisters gibt letztlich den Ausschlag, der Eingriff unterbleibt. Nichts ändert sich. Bei der Rückgabe des Wagens wird kein Wort mehr über die Sache verloren.

Es bleiben nur ein paar Fragen: Wie viele zigtausend Briefe mag der Hersteller versandt haben? Wie viele Empfänger haben das Update nach Beratung allein in dieser nicht gerade kleinen Werkstatt nicht machen lassen? In wie vielen Werkstätten wird die Beratung wohl so oder so ähnlich verlaufen? Und welche strammen Zahlen werden irgendwann irgendwohin gemeldet werden, wonach man in einer groß angelegten Aktion zugunsten unserer Umwelt gegen das böse Stickoxid energisch durchgegriffen habe?

Quelle: F.A.S.
Autorenporträt / Pardey, Hans-Heinrich (hp./py.)
Hans-Heinrich Pardey
Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.
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