Tech-Talk

Starker Auftritt

Von Hans-Heinrich Pardey
 - 09:00

Der Rhein glänzt im Nachmittagslicht, der Frühlingssturm kräuselt das Wasser, dass es aussieht wie eine schuppige Fischhaut. Die Fähre voller Autos macht einen Bogen um das Heck eines Schubverbands, und unter dem grünen Dach der Bäume sind an den Tischen die Holzbänke leer. Es ist einfach zu kühl, zu windig, um draußen zu sitzen. Im Sonnenschein glitzert der Chrom der schweren Motorräder, die in Reih und Glied vor dem Bikertreff abgestellt sind: nichts als Harley und Davidson.

Ihre Fahrer haben sich ins Fährhaus verzogen, wo es Spießbraten mit Zwiebelsauce gibt und Kaffee und Pfirsich-Maracuja-Torte. Eine Riege älterer Herren, weiße Bärte ums wettergegerbte Gesicht, schwarzes Leder, dicke Protektoren in der Cordura-Kluft – gestandene Fahrensmänner eben. Sie sehen so aus, als ob sie schon viel gesehen haben auf zwei Rädern. Doch das lebhafte Palaver an ihrem langen Tisch dreht sich um ein Fahrrad. Das steht da draußen vor dem Fenster im Wind und muckst sich nicht. Glänzt nicht mal in der Sonne, komplett matt lackiert, eine sauteure Marke. Ja, es hat tatsächlich zwei Akkus. Und ABS hat es auch, guckst du, dieses Kästchen da am Lenker. Vollgefedert, der stärkste Motor am Markt. Nein, ist er nicht.

Wozu denn bloß die beiden Akkus? Macht es 45 km/h? Nein? Nur 25? Das aber dann wohl eine ganze Weile, mit zwei Akkus, ergibt doch glatt die doppelte Reichweite. Nur: schwer sind die Dinger, bis du so was in die Bahn gehievt hast, komm, geh fort. Und sauteuer. – Ein wenig abseits hockt hinter seiner Tasse Kaffee der Radler und denkt: Wer sagt’s denn? Öfter mal das Fahrrad nehmen, aber eben das richtige Rad. Du hättest mit einer überbreiten Gold Wing, mit sechs Zylindern und mit Rückwärtsgang vorfahren können, und dein Bike hätte nicht halb so viel Aufmerksamkeit erregt.

Quelle: F.A.Z.
Hans-Heinrich Pardey
Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.
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