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Beim TÜV

Von Boris Schmidt
 - 00:17

Irgendwie hat die Hauptuntersuchung für Kraftfahrzeuge, im Volksmund TÜV genannt, ihren Schrecken verloren. Schon seit 1951 ist sie obligatorisch, und früher, in den Lehr- und Studentenjahren, ist man noch selbst hingefahren und hat gezittert und gebibbert, ob der alte Hobel noch einmal die Plakette auf das hintere Nummernschild geklebt bekommt. „Wir bleiben zusammen, bis der TÜV uns scheidet“, war damals ein beliebter Aufkleber, als diese noch Mode waren. Jetzt fährt man neue Autos oder hat vielleicht einen Dienstwagen, und in der Regel erledigt die Werkstatt den TÜV, wenn ohnehin eine Inspektion anliegt. So ist auch alles viel bequemer. Nur gehen die Gebühren in der großen Rechnung immer etwas unter. Jetzt war der Junior mit seiner 125er bei der Hauptuntersuchung. Motorräder müssen diese erstmalig nach zwei Jahren absolvieren, Autos müssen seit längerem nach dem Neukauf erst nach drei Jahren antreten.

Termine macht man heute natürlich im Netz, die Auswahl an Prüforganisationen ist groß. Ein passender Termin ist schnell gefunden. Der freundliche Prüfer schaut sich das Motorrad kurz an, sagt, dass es noch sehr gut in Schuss sei, guckt kurz auf die Reifen, lobt, dass es gut anspringt und macht dann den obligaten Abgastest, der auch bestanden wird. Plakette drauf, Prüfbericht ausgedruckt, Stempel in den Fahrzeugschein, fertig. Dauer der gesamten Prozedur: zehn Minuten. Preis: 67,20 Euro. Das wirkt doch schon ein wenig unverschämt. Entscheidend teurer ist selbst ein Auto nicht. Ja, es muss nicht nur die Zeit des Prüfers bezahlt werden, auch die vorgehaltenen Geräte und die gesamte Liegenschaft. Dennoch, erstens sollten neue Motorräder wie Autos erst nach drei Jahren zum TÜV müssen, zweitens sollte man die Gebühren fairerweise nach dem Aufwand staffeln und vielleicht mit Arbeitswerten kalkulieren wie in einer Werkstatt.

Quelle: F.A.Z.
Boris Schmidt  - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Frank Boris Schmidt
Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.
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