Tech-Talk

Im Porsche zum E-Werk

Von Holger Appel
 - 00:55

Der offenbar unaufhaltsame Übergang vom Verbrennungsmotor zur Elektromaschine bringt nicht nur für die Kunden viele neue Erfahrungen, sondern auch für die Händler und jene, die Infrastruktur aufbauen müssen. Mit der müden Haushaltssteckdose wird im Zeitalter der Elektromobilität nichts zu gewinnen sein, denn kurze Ladezeiten sind ein Kernelement für den Erfolg am Markt. Die Autohersteller, besser gesagt deren Händler, sollen und müssen mit gutem Beispiel vorangehen, weshalb in den Konzernen darum gerungen wird, welche Ladesäulen die Betriebe vorhalten sollen. Der größte europäische Hersteller Volkswagen hat seine Händler kürzlich auf die neue Welt eingestimmt, was, gelinde gesagt, nicht nur Jubel ausgelöst hat.

Die Haupteinnahmequelle einer Werkstatt ist Öl, doch ein Elektroauto braucht keines. Auch mit den Bremsen geht das rekuperierend verzögernde Fahrzeug sparsamer um, Beläge werden seltener zu wechseln sein. Die Ertragsrechnung steht mithin vor unerfreulichen Belastungen. Doch damit nicht genug. Es müssen Ladesäulen von ganz neuem Format her. Der Baukasten von Volkswagen erlaubt derzeit mehr als 100 kW Ladeleistung, wie Entwicklungsvorstand Frank Welsch gegenüber FAZ.NET sagte. Was er nicht sagte, nun aber aus den Tiefen des Raumes zu hören ist: Die eilige Tochter Porsche will für ihren Mission E genannten Stromsportwagen sogar Stationen mit 300 kW Ladeleistung installieren lassen.

So ein schnuckeliges Kabel ist dem Vernehmen nach 15 Zentimeter dick und total undemokratisch. Denn an den typischen Automeilen ist vielleicht Platz für einen solchen Anschluss, die Nachbarn von BMW, Audi, Mercedes oder VW stehen dann aber womöglich saftlos da. Das wird eine schöne Herausforderung für die Versorger wie RWE oder Eon. Der Porsche-Betrieb muss zudem zwei Transformatoren aufbauen, deren Hitzewallungen Klimaanlagen notwendig machen. Kostenpunkt des E-Werks: rund 220 000 Euro. Watt soll’s, wer dabei bleiben will, muss eben mit dem Strom schwimmen.

Quelle: F.A.S.
Autorenporträt / Appel, Frank-Holger (hap.)
Holger Appel
Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.
Twitter
  Zur Startseite
Ähnliche ThemenVolkswagenVerbrennungsmotor