Akku-Reiniger von Kärcher

Duck dich, Dreck

Von Lukas Weber
 - 08:53

Nur wenigen Produkten ist es vergönnt, im täglichen Gebrauch als Namensgeber für eine ganze Gattung herzuhalten. Die Hersteller freut so etwas, die Konkurrenz ist genervt. Klassiker sind unter anderem Tempo für Papiertaschentücher, Flex für Trennscheiben, Kevlar und Teflon für hochwertige Kunststoffe sowie Seeger für Sprengringe. Die Aufzählung ließe sich beliebig fortsetzen, nicht selten verblasst der Glanz einer Marke allerdings mit der Zeit.

Für das Reinigen mit scharfem Wasserstrahl gilt als Namensgeber das deutsche Unternehmen Kärcher, sogar in Verbform als „abkärchern“, obwohl es brauchbare Geräte auch von vielen anderen Anbietern gibt und Kärcher selbst inzwischen vom Staubsauger bis zur Gartenbewässerung eine breite Palette im Katalog hat. Solche Hochdruckreiniger verspritzen kaltes bis mäßig warmes Wasser mit 150 bar Druck und mehr, der Dreck wird damit vom Objekt abgeschossen (Dampfstrahler lösen ihn dagegen mit Heißdampf ab). Abgesehen davon, dass so viel Druck für empfindliche Oberflächen zu viel des Guten sein kann, haben die Reiniger vor allem einen Nachteil: Sie sind an das Stromnetz gebunden.

Unterwegs, etwa mit dem Auto oder Boot, ist das keine Lösung. Für jene Fälle gibt es mobile Geräte, und da der Name verpflichtet, hat auch Kärcher so etwas im Programm. Der Mobile Outdoor Cleaner hat mit 28 ×24 ×20 Zentimeter etwa die Maße eines kleinen Werkzeugkoffers, wiegt aber nur 2,4 Kilo. Da er leer aber nicht zu gebrauchen ist, rechnen wir still vier Kilo für den vollen Wassertank hinzu. Trotzdem bleibt das Ganze handlich, am Griff lässt sich der Reiniger leicht transportieren, wobei wir feststellen, dass er dabei nicht immer ganz dicht ist – etwas Wasser kann durch die Gummilippe der großen Einfüllöffnung austreten, das Gerät suppt dann. Seine Kraft zieht der Reiniger aus einem Lithium-Akku mit 6 Volt, der die Pumpe etwas länger als eine Viertelstunde mit Energie versorgt.

Diese hat 45 Watt Leistung, die einen Druck von 5 bar erzeugen. Das klingt nach nicht viel, reicht aber für die verheißenen Zwecke, die höheren Druck ohnehin nicht vertragen: Abspritzen von Fahrrädern nach dem Querfeldeinritt, Säubern der Hundepfoten von salzigem Schneematsch, die Stiefel werden dann gleich mit abgespritzt. Ein echter Hochdruckreiniger, der die Algen von den Platten fräst, ist der Mobile Cleaner nicht, und er will es auch nicht sein. Der gefächerte Strahl, den der Cleaner ins Freie entlässt, sobald man den Handschalter an der Düse betätigt, ähnelt eher dem, was aus einer Gartenspritze kommt, wenn sie ordentlich unter Druck gesetzt wird. Immerhin laufen in der Minute zwei Liter Wasser durch.

Die vier Liter, die in den Klarsichtbehälter passen, sind also rasch aufgebraucht. Das wird von Käufern in der Online-Bewertung gern als Kritikpunkt genannt, wir meinen aber, dass so das ganze Gerät kompakt bleibt. Alle, die mehr Wasser brauchen, können statt des Behälters einen Schlauch aus dem Zubehörprogramm vor der Pumpe montieren, der sich aus Kanistern oder Teichen bedient. Der Kärcher tuckert dann mit mäßiger Lärmentwicklung vor sich hin, bis der Akku leer ist, anschließend muss er für drei Stunden ans Netz. Jener kann weder ausgetauscht noch an der Autosteckdose geladen werden – das Erstgenannte ist Absicht, zum Zweiten wird für das kommende Jahr eine Lösung versprochen.

Uns gefallen ein paar Details, so kann der ausgezogen fast drei Meter lange Spiralschlauch im Gerät verstaut werden, darunter passt eine Box für Bürstenaufsatz, Kegelstrahldüse, Ansaugschlauch und Mikrofasertuch. Für das nackte Gerät rund 120 Euro sind im Rahmen dessen, was auch die Konkurrenz für ähnliche Produkte verlangt, die Auswahl der passenden Zubehörbox für knapp 40 Euro will aber wohlüberlegt sein, denn einzeln ist das Zubehör teuer. Der simple Plastikschlauch mit Anschlusstück kostet allein 20 Euro. Für unterwegs, beim Campen oder auf dem Wasser, ist der Reiniger trotzdem eine Überlegung wert.

Quelle: F.A.Z.
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Lukas Weber
Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.
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