Technik
Akkubürste für Stein und Holz

Eine borstige Angelegenheit

Von Lukas Weber
© Hersteller, F.A.Z.

In jedem Frühjahr trifft der Gartenbesitzer eine schwerwiegende Entscheidung: Angesichts grüner Beläge auf den Steinen, sprießenden Unkrauts in den Fugen und Flecken auf den Holzpaneelen kann er für sich beschließen, dass das naturgegeben und also schön sei – oder er macht sich an die Arbeit. Mit Bürste und Schrubber ist das mühselig, der Einsatz von Chemie kann die Reinigung erleichtern. Wir haben bisher zum Hochdruckreiniger gegriffen, wenngleich mit schlechtem Gewissen. Holz mag den scharfen Strahl gar nicht, und selbst die Oberfläche der Steinplatten greift er an. Sie wird rauh, mit der Folge, dass sich Algen und Schmutz umso schneller wieder einnisten. Da sage niemand, man könne ja die Leistung drosseln oder mit mehr Abstand arbeiten – weil mit Druck der Dreck so schön fortfliegt, macht das keiner.

Eine sanfte Alternative gibt es in Form der Multibrush von Gloria. Das für Sprühgeräte bekannte Unternehmen hat die elektrische Bürste vor zwei Jahren vorgestellt, sie bekam nun im Zuge einer Neuauflage eine stufenlose Drehzahlregelung von 450 bis 1600/min und eine kabellose Schwester zur Seite gestellt. Diese hat bei gleichen Funktionen ein etwas schmaleres Drehzahlband von 700 bis 1400/min und ist subjektiv kaum schwächer als das Steckergerät mit seinem kräftigen Motor von 500 Watt Leistung, aber deutlich leiser.

Der Benutzer muss kein Kabel hinter sich herschleifen
© Hersteller, F.A.Z.

Im praktischen Gebrauch erfreut naturgemäß vor allem, dass der Benutzer kein Kabel hinter sich herschleifen muss. Der Lithium-Akku mit 18 Volt hat eine Kapazität von 4 Ah, das reicht für eine dreiviertel bis eine ganze Stunde Arbeit. Dann muss er wieder für knapp eine Stunde ans Ladegerät; wir meinen, dass sich der Gartenbesitzer dann auch eine Pause verdient hat. Zwar wiegt das Gerät nur gut vier Kilo, und es ist handlich, aber das Reinigen mit der 165 Millimeter breiten rotierenden Nylonbürste erfordert einigen Druck, die am Rändelrad voreingestellte Drehzahl sinkt dabei nicht wesentlich. Auf den Natursteinplatten der Veranda war das Ergebnis trocken freilich nicht überzeugend.

Nass ging es besser, gute Schmutzbeseitigung auf solchem Untergrund, die einem Hochdruckreiniger vergleichbar wäre, erfordert aber den Einsatz von Chemie, wenn’s gewünscht ist, lassen sich die Mittel gut mit der Bürste einarbeiten. Je glatter die Fliesen, desto effektiver wird die Multibrush. Im Paket enthalten ist eine 15 Millimeter breite Fugenbürste aus messingbeschichtetem Draht, deren radikale Wirkung uns überrascht hat. Wenn die Fuge nicht zu eng ist, reißt sie Schmutz und Unkraut heraus, dass es eine Freude ist, und Sand gleich mit. Am besten ist die Fuge lang, denn ständig enge Winkel nachzufahren ist mühsam.

Das Reinigen mit der 165 Millimeter breiten rotierenden Nylonbürste erfordert einigen Druck
© Hersteller, F.A.Z.

Als Sonderzubehör gibt es einen Rasenkantenschneider, den wir mangels Rasenkanten nicht ausprobieren konnten, und eine Holzbürste, die dank weicherer Borsten nicht so kratzbürstig ist wie jene für Stein. Der Wechsel geht mit dem praktischen Klipp-System im Nu, wie auch die Höhenverstellung des Griffs und die ganze Ergonomie davon zeugen, dass Gloria über die Funktionen nachgedacht hat. Die Verarbeitung ist tadellos, auch die vielen Kunststoffteile wirken robust.

Die Holzbürste erledigt ihre Aufgabe gründlich und schonend, selbst die Rillen werden sauber. Hier lohnt es sich ebenfalls, das Material anzufeuchten und ein Reinigungsmittel zu verwenden. Wir haben damit erfolgreich die Gartenmöbel abgeschrubbt. Mit verminderter Drehzahl lässt sich anschließend sanft das Öl einmassieren. Wenn wir uns etwas wünschen dürften, dann wäre das ein Umschalter, der die Laufrichtung der Bürste ändert, damit der lose Schmutz nicht zum durch eine Gummilippe geschützten Betreiber, sondern von ihm weg befördert wird, er also vor sich her schrubben kann.

Die Akku-Multibrush ist samt Akku, Ladegerät, Stein- und Fugenbürste für rund 230 Euro im Handel, damit ist sie etwa 90 Euro teurer als ihre Schwester mit Kabel. Die Bürsten kosten etwa 30 Euro, der Kantenschneider 50, die Fugenbürste 11 Euro. Nur für die Reinigung von Waschbeton und groben Fliesen würden wir uns die Multibrush nicht zulegen, aber wer zugewachsene Fugen oder eine Holzveranda hat, für den kann sie ein Glücksgriff sein.

Quelle: F.A.Z.
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