Alarmanlagen

Die 110 kostet 200 Euro

Von Holger Appel
 - 15:54

Der Einbruch in Haus oder Wohnung ist auch ein Einbruch in die Seele der Bewohner. Nach dem ungebetenen Besuch der Gangster ist nichts mehr, wie es war. Mindestens eine Weile lang, manche Menschen überwinden die gewaltsame Verletzung der Privatsphäre nie. Irgendetwas bleibt immer zurück, und sei es nur gesteigerte Nervosität. Zur Beruhigung dienen zweierlei Maßnahmen: der Einbau stabiler Türen und Fenster, nichts ist besser als ein Einbrecher, der gar nicht erst hereinkommt. Fast alle Einbrüche finden über Fenster und Terrassen- oder Balkontüren statt. Nur zwei Prozent über die Eingangstür. Mit einem Schraubendreher (lässt sich unauffällig tragen) oder einem Kuhfuß (entfaltet stärkere Hebelwirkung) wird am Rahmen angesetzt und aufgestemmt. Dauert das, lässt der Einbrecher in der Regel ab. Dazu die Installation einer Alarmanlage. Die gibt es in jeder Preisklasse und mit unterschiedlichen Systemen.

Klassiker wie die der Hersteller Abus oder Somfy setzen auf Melder an Scheiben und Türen oder die Bewegungserkennung über Ultraschall. Das Gerät von Bublitz misst den Luftdruck im Raum und kommt gänzlich ohne Kleben oder Bohren aus. Wer Haustiere hat, muss darauf achten, dass die Alarmanlage Bello oder Kitty erkennt und stillhält. Sämtliche Anlagen lassen sich ergänzen durch Kameras außen wie innen, zuletzt empfahlen wir hier die 360-Grad-Kamera von Bosch.

Für was auch immer man sich entscheidet, des Eigners Geißel ist der Falschalarm. Den löst aus, wer die Alarmanlage vor Betreten des Raumes auszuschalten vergisst. Das geschieht aus Unachtsamkeit oder weil der Anlage die von Fachleuten so genante Zwangsläufigkeit fehlt, also die Koppelung an den Türschlüssel oder die Fingerabdrucköffnung. Private Alarmanlagen dürfen nur mit einem Sicherheitsdienst, nicht aber direkt mit der Polizei verbunden sein, das ist nur Banken und Juwelieren erlaubt. Wachdienste fordern etwa 30 Euro Monatspauschale zuzüglich Einsatzgebühr. Deshalb lassen sich Immobilienbesitzer gern eine Alarmmeldung auf ihr Handy schicken. Und rufen dann selbst die Polizei. Gesagt, getan.

200 Euro kostet der Einsatz

Die Beamten rücken mit mehreren Streifenwagen an, das Objekt war schon einmal Opfer illegaler Begierde, und in der Gegend werden ohnehin regelmäßig Häuser und Wohnungen ausgeräumt. Diesmal aber wollte während des Urlaubs nur ein guter Bekannter nach dem Rechten sehen und löste den stillen Alarm aus. Die herbeigeeilten Beamten überprüfen den, zum Glück, Nichttatort, sind freundlich und verständnisvoll – und schicken hernach eine Rechnung. 200 Euro kostet der Einsatz. Weil Dein Freund und Helfer ahnt, dass der Bescheid Irritationen „in Richtung: Ich folge doch den Empfehlungen der Polizei, warum soll ich jetzt noch zusätzlich dafür zahlen“ auslösen kann, klärt das hessische Präsidium für Technik, Logistik und Verwaltung mit einem Informationsblatt auf.

Von einem Falschalarm spricht man, wenn der Alarm ausgelöst wird, obwohl keine Anhaltspunkte für eine Gefahr oder Straftat, also vor allem Aufbruchspuren, vorliegen. Die Polizei ist in jedem Fall verpflichtet, bei einem von wem auch immer gemeldeten Auslösen der Einbruchmeldeanlage auszurücken und eine Objektbegehung durchzuführen. Denn nur durch die Begehung kann festgestellt werden, ob ein Einbruch oder der Versuch dazu tatsächlich stattgefunden hat. Ein fälschlich ausgelöster Polizeieinsatz bindet Einsatzkräfte, die anderweitig im Interesse der Allgemeinheit hätten eingesetzt werden können. Bestand objektiv eine Gefahr, ist der Einsatz für den Bewohner kostenfrei. Der Falschalarm aber kostet Geld.

Denn, so die Argumentation, wer eine Einbruchmeldeanlage betreibt, der bezweckt die Benachrichtigung der Polizei für jeden Fall des Alarms und nimmt in Kauf, dass die Beamten auch im Falle eines Falschalarms das zu schützende Objekt aufsuchen, obwohl kein Einbruchsversuch stattgefunden hat. In diesem Fall gilt der Polizeieinsatz in erster Linie dem Schutz privaten Eigentums. Dessen Schutz fällt grundsätzlich in den Pflichtkreis des Eigentümers. Deshalb muss er die Kosten tragen, nicht die Allgemeinheit. Nachbarn oder Passanten indes müssen nicht fürchten, für die Kosten des Einsatzes herangezogen zu werden, wenn sie, einen Alarm hörend, die Polizei verständigen. Das würde den redlichen Dritten, der um das Eigentum seines Nachbarn besorgt ist, bestrafen und könnte ihn künftig von weiteren Notrufen abhalten, stellt das Polizeipräsidium klar.

Deshalb bittet es darum, sich nicht verunsichern zu lassen. „Wenn Sie bei verdächtigen Wahrnehmungen – zum Beispiel hilflose oder unbekannte Person, Überfall, unbekannte Fahrzeuge in Wohngebieten – die Polizei informieren, ist der sich anschließende Einsatz selbstverständlich kostenfrei. Es gehört zu den Aufgaben der Polizei, den Gefahrenverdacht abzuklären. Deshalb: Rufen Sie im Verdachtsfall die 110.“

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Appel, Frank-Holger (hap.)
Holger Appel
Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.
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