Umstellung auf Winterzeit

Wem die Stunde schlägt

Von Martin Häußermann
 - 11:27

Wem geht es nicht so? Jedes Jahr bei der Umstellung von Sommer- auf Winterzeit nehmen wir uns fest vor, was draus zu machen. Also die Gunst der Stunde nutzen, um künftig früher aus den Federn zu kommen. Zumindest der Uhr nach. Denn nach dem im vergangenen Halbjahr eingeübten Biorhythmus bliebe ja alles beim Alten. Eine prima Idee eigentlich. Man könnte morgens Joggen oder Fahrradfahren gehen. Alternativ auch früher zur Arbeit oder länger Zeitung lesen. Eine Stunde geschenkt, Zeit ist das wertvollste Gut.

Daran dachten die geistigen Väter der Sommerzeit aber eigentlich nicht, sondern sie postulierten: Zeit spart Geld. Die Schnapsidee stammt, wie so viele andere, aus Amerika. Benjamin Franklin war nicht nur amerikanischer Präsident, sondern auch Naturwissenschaftler und Tüftler. Er erfand zum Beispiel eine seiner Meinung nach effektive Holzheizung, die aber wirtschaftlich ein Schuss in den Ofen wurde.

Für seine segensreiche Erfindung des Blitzableiters sind ihm noch heute viele Menschen dankbar. Für seine Idee, im Sommer die Uhr eine Stunde vorzustellen, um weniger elektrisches Licht zu brauchen und damit Strom zu sparen, eher weniger. Der Aufwand ist groß, der Effekt gering, wie auch das Umwelt-Bundesamt im Jahr 2009 feststellte.

Die geschenkte Stunde

Was Franklin 1783 zur Diskussion stellte, wurde 1916, zu Kaisers Zeit, in Deutschland erstmals eingeführt. Und schon drei Jahre später wieder eingestellt, weil es die Mächtigen wohl zu sehr an den unglückseligen Ersten Weltkrieg erinnerte. Unter dem Eindruck der Ölkrise des Jahres 1973 gingen hiesige Bürokraten und Politiker der mit der Sommerzeit verbundenen Energiesparidee mit deutscher Gründlichkeit auf den Grund, im Sommer 1978 wurde ein Zeitgesetz beschlossen, das schon knapp zwei Jahre später in die Praxis umgesetzt wurde.

Da dauerte die Sommerzeit noch von Ende März bis Ende September. Auch andere europäische Länder hatten die Sommerzeit eingeführt, aber jeder nach eigenem Gusto. Das geht in Europa, wo ja selbst die Krümmung einer Gurke klar definiert ist, natürlich nicht. Weshalb nach Brüsseler Vorgabe 1996 die Mitteleuropäische Sommerzeit (MESZ) eingeführt wurde, wie wir sie heute kennen.

Deshalb müssen wir heute die Uhr eine Stunde zurück stellen. Wie das in verschiedenen europäischen Städten aussehen könnte, illustrieren die Bilder auf dieser Seite.Was wir nun mit der geschenkten Stunde machen? Schauen wir mal morgen – auf die Uhr.

Quelle: F.A.S.
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