Automobilfertigung

Alfatierisch

Von Holger Appel
 - 15:53
Video starten

Alfa-Romeo-WerkRobotertanz

Wer jetzt den Wagen vor lauter Robotern nicht sieht, ist genau richtig im italienischen Dickicht moderner Autofertigung. In Cassino nämlich geben sich an einer Station so viele Roboter das Blech in die Hand wie wohl nirgends sonst auf der Welt. Alfa Romeo baut in der 1972 entstandenen, modernisierten Fabrik seine Limousine Giulia und das SUV Stelvio, beide laufen auf demselben Band, und beide kommen an jenem Ort vorbei, der von den zu nüchterner Humorlosigkeit neigenden Technikern „Opengate“ genannt wird. Dabei spielt sich hier ein geradezu tierisches Spektakel ab.

Vielleicht sollte Elon Musk mal einen Abstecher nach Italien unternehmen, begründete er doch gerade die Unterbrechung seiner Fertigung des Models 3 mit dem zu hohen Automatisierungsgrad. „Menschen werden unterbewertet“, verkündete der sonst so innovativ daherkommende Tesla-Chef. Die auf deutlich dornigeren Rosen gebettete Marke Alfa zeigt, wie es geht.

Die Rohkarosse gleitet auf einem automatischen Schlitten heran. Sämtliche Roboterarme fahren in ihre Ruheposition, einer Ballettgruppe gleich. Keiner verhakt sich mit dem anderen in diesem fein aufeinander abgestimmten Ensemble. Die Karosse wird von ebenso automatisch angreifenden Klammern in die Zange genommen und verwindungsfest eingespannt.

Es folgt eine Aufführung der einzigartigen Art: Alle 18 Roboter bringen sich gleichzeitig in Position, sie schieben ihre Arme vor und zurück, ein wenig nach links, ein Stück nach rechts. 82 Schweißpunkte werden gesetzt, passgenau und per Referenzmodell überwacht. 54 Sekunden dauert das Spektakel, dann erhebt sich die Armada der achtzehn Arme wieder in die Höhe. Die Zangen lösen ihre Umklammerung, und die frisch eingeschweißte Karosse gleitet von dannen. Auf dass ihr in der Hochzeit genannten Zeremonie ein starkes Herz eingepflanzt werde und sie hernach als verführerische Guilia ihren Romeo finde.

Quelle: F.A.S.
Holger Appel
Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.
  Zur Startseite