Basler Uhrenmesse

Wem die Stunde schlägt

Von Martin Häußermann
 - 17:35
zur Bildergalerie

Die gute Nachricht vorneweg: Es gibt sie noch, die Baselworld. Die Frage ist allerdings: Wie lange noch? Die weltweite Leitmesse der Uhrenbranche, die noch bis Dienstag auch für das allgemeine Publikum geöffnet hat, musste ganz schön Federn lassen. Rund 700 Aussteller haben ihren Auftritt in Basel abgesagt, komplette Etagen blieben geschlossen.

Prompt waren in der Eröffnungspressekonferenz Worte wie Konsolidierung und Fokussierung zu hören, also das Pfeifen im Walde. Nachdem in den vergangenen Jahren große Marken wie Hermès oder Ulysse Nardin zum Genfer Uhrensalon abgewandert sind, bleiben dieses Jahr vorwiegend kleinere Uhren- und Schmuckmarken den vor fünf Jahren mit Millionen erneuerten Hallen fern.

Breitling hat seinen auslaufenden Vertrag mit der Messe bisher nicht verlängert. Aus Kreisen dieses Unternehmens ist zu hören, dass man diese Messe nicht für zeitgemäß hält und seine Produkte den Kunden lieber in Roadshows vor Ort präsentieren wolle. Die LVMH-Gruppe mit den Marken Hublot, Zenith, TAG Heuer und Bulgari hat sich mit ihren „Genfer Tagen“ schon mal eine alternative Plattform geschaffen. Die Gruppe stellt während des Genfer Uhrensalons auf einem Schiff am Ufer des Genfer Sees aus. Die Krise der Messe, die wegen der überzogenen Preispolitik, mangelnden Flexibilität und verstaubten Strukturen kritisiert wird, ist noch lange nicht ausgestanden.

Dabei hat die Uhrenbranche selbst in den vergangenen Jahren gezeigt, wie man aus einer veritablen Krise kommt und hausgemachte Probleme lösen kann. Nämlich durch eine Anpassung der Preise und Produkte an den Markt, was oft auch mit einem Wechsel in der Geschäftsführung einhergeht. Nehmen wir Julien Tornare, den neuen Chef von Zenith, der unverblümt sagt: „Die Uhrenpreise sind in den vergangenen Jahren so erheblich gestiegen, weil in dem Wachstumsmarkt China fast alles zu fast jedem Preis verkauft werden konnte.“ Darüber haben viele Marken in angestammten Märkten Kunden verloren, die diese überhitzten Preise nicht mehr akzeptieren wollten. Weshalb Zenith nun wieder Uhren mit Manufakturwerk zu Preisen ab 5500 Euro verkauft, selbst Manufakturchronographen bleiben deutlich unter 10.000 Euro.

Das kann die Konzernschwester TAG Heuer noch ein bisschen besser, hier sind Manufakturchronographen wie die Autavia sowie die Carrera, die gerade ihren 55. Geburtstag feiert, zu Preisen um die 5000 Euro zu haben. Daneben hat TAG Heuer auch den Smartwatch-Markt erfolgreich besetzt. In Deutschland machen die Schweizer rund zehn Prozent ihres Umsatzes mit ihrer gar nicht mal so günstigen Connected, die es ab rund 1200 Euro gibt. Noch wichtiger ist die Smartwatch für Frédérique Constant und ihre sportliche Schwestermarke Alpina, hier geht es schon um mehr als 20 Prozent des Gesamtumsatzes. Das schreit nach Erweiterung. Alpina bringt die smarte Bergsteigeruhr AlpinerX ab 895 Euro, die schicke Schwester sogar eine Hybriduhr, bestehend aus einem Manufaktur-Automatikwerk und elektronischen Zusatzfunktionen.

Ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis ist inzwischen bei vielen Marken der Schlüssel zum Erfolg. Zuvorderst sei hier Oris genannt, das eine große Auswahl an Mechanikuhren zwischen 1500 und 2000 Euro im Sortiment hat. „Mit dieser Produkt- und Preispolitik haben wir in den vergangenen Jahren erhebliche Marktanteile gewonnen“, sagt Geschäftsführer Rolf Studer. Da können in der Schweiz eigentlich nur noch Longines und Mido mithalten. Letzteres Unternehmen feiert dieses Jahr seinen 100.Geburtstag und bietet beispielsweise die Ikone Commander für weniger als 900 Euro an. In diesem Preissegment lohnt auch ein Blick nach Fernost zu Citizen und Seiko. Letztere Marke zeigt eine neue Taucheruhr mit frühlingshaft-grünem Zifferblatt mit hochwertigem Automatikwerk aus eigener Fertigung für 1100 Euro.

Preis-Leistung können auch die Deutschen gut. Junghans wäre hier zu nennen, deren mechanisches Sortiment bei knapp 900 Euro beginnt, Mühle bringt mit der neuen Panova eine schicke Sportuhr für 1000 Euro und bietet bis 2000 Euro eine breite Auswahl an Automatikuhren. Auch die Frankfurter Marke Sinn hat mit ihren Modellen 556 für 890 Euro und 836 für 1590 Euro attraktive, im Wortsinne preiswerte Neuheiten im Schaufenster. Nomos Glashütte setzt konsequent auf Manufaktur und baut Werke- wie Modellangebot aus. Besonders zu erwähnen sind hier die Neuheiten Tangente Update für 3200 Euro und Autobahn für 3800 Euro mit dem neuen, garantiert CO2-freien Automatikmotor DUW 6101. Absolut gesehen, sind die Uhren des großen Nachbarn Glashütte Original zwar deutlich teurer, aber im Vergleich zu anderen Luxusmarken überzeugen die Sachsen mit angemessenen Preisen.

Quelle: F.A.S.
  Zur Startseite
Ähnliche ThemenTAG HeuerBaselworldBulgariSmartwatch