Lego Technic

Hier klotzt Bugatti

Von Peter Thomas
 - 19:48
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Kurzes Nachdenken. Dann antwortet Designer Aurélien Rouffiange und verweist auf das komplexe und zugleich kompakte Räderwerk des Getriebes. Gefragt worden war der 33 Jahre alte Industrie- und Produktdesigner nach den großen Herausforderungen bei der Entwicklung des Bugatti Chiron. Nein, gemeint ist hier nicht das Original des seit 2016 gebauten 1500-PS-Sportwagens, sondern dessen Miniatur im Maßstab 1:8 von Lego Technic.

Im dänischen Billund wurde jetzt der Bausatz vorgestellt, den die französische Luxusauto-Marke und der Spielzeughersteller in den vergangenen beiden Jahren gemeinsam entwickelt haben. Für das Projekt hatte Rouffiange bei Lego die Federführung. Er gehört seit acht Jahren dem Entwicklungsteam von Lego Technic an. Zehn Spezialisten trugen zum Entwurf des Bausatzes bei.

Die Zusammenarbeit mit Bugatti sei eng gewesen, berichtet der Technic-Designer: regelmäßige Treffen, Besprechungen der verschiedenen Entwurfsstadien, gemeinsame Diskussion über Proportionen und so weiter. „Besonders wichtig für unser Team war es, dass wir auch am echten Fahrzeuge arbeiten konnten – das ist etwas ganz anderes, als ein Modell nur nach Plänen zu entwickeln“, sagt Rouffiange. Auch im Fahrersitz des Chiron saß er, startete den W16-Motor, ließ Formen und Design auf sich wirken.

Der Chiron (benannt nach dem Rennfahrer Louis Chiron, der seine ersten Wettbewerbe Ende der zwanziger Jahre auf Bugatti fuhr) soll für Lego ganz offensichtlich den Erfolg des Porsche 911 GT3 RS fortführen. Der in Bugattis blauer Hausfarbe gehaltene Technic-Sportwagen ist denn auch vergleichbar komplex wie der orangefarbene Zuffenhausener Rennsportler aus Billund. Das trifft insbesondere auf das Achtgang-Schaltgetriebe mit Schaltpaddles am Lenkrad zu sowie auf den W16-Motor mit beweglichen Kolben, Pleuelstangen und Kurbelwellen. Eine weitere Parallele: Auf einen motorischen Antrieb der Miniatur hat Lego wie schon beim 911er verzichtet. Das scheint bei einem Preis von satten 370 Euro vielleicht etwas knickrig. Aber für den dynamischen Spielspaß wären die teils doch recht filigranen Einzelteile der Karosserie wohl zu fragil. Das echte Zupacken, das Rangieren und andere (funkferngesteuerte) Funktionen bleiben also vorerst den Nutzfahrzeugmodellen der Technic-Reihe vorbehalten.

Dass der Bugatti eher in die Kategorie der Klötzchen-Kunst für die Vitrine fällt, zeigt schon seine ansprechende Verpackung. Da findet der Connaisseur schöne Kartons für die einzelnen Bauschritte statt der sonst üblichen Plastikbeutel. Und die umfangreichen Anleitungsbücher passen ebenfalls in die Strategie, die Lego Technic 2016 mit dem Porsche eingeschlagen hat.

Schlussendlich gibt es zum Chiron wieder einen individuellen Legostein in jedem Bausatz. Mit dem darauf gedruckten Code kann der Besitzer des in montiertem Zustand 56 Zentimeter langen, 25 Zentimeter breiten und 14 Zentimeter flachen Modells digitale Zusatzinhalte auf der Internetseite des Spielzeugherstellers freischalten. Die intensiven Diskussionen in der Lego-Szene über den neuen Bausatz sprechen dafür, dass das hochpreisige Modell gut bei den Modellbauern und Sammlern ankommen könnte.

Und welchen Eindruck hinterlässt der Klötzchen-Bolide bei den Vätern des Originals? Bugatti-Boss Stephan Winkelmann gibt sich begeistert: „Ich bin beeindruckt, mit welcher Präzision und Raffinesse unser Supersportwagen in die Lego-Welt übersetzt wurde.“ Der Bausatz mit der Set-Nummer 42083 besteht aus 3599 Teilen. Er ist seit Anfang Juni in den Lego-Stores und im Webshop der Marke erhältlich. Der freie Verkauf beginnt am 1. August.

Quelle: F.A.Z.
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