Step-on im Test

Burton erfindet die Snowboard-Bindung neu

Von Marco Dettweiler
 - 08:01
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Snowboards können nerven. Wenn man in die Bindung steigt, zwingt einen das Brett zu einer demütigen Haltung. Während die Skifahrer aus dem Sessellift herausgleiten und sich auf dem Weg Richtung Piste machen, sitzt der Boarder entweder auf dem Hintern oder steht gebückt und wackelig auf einer ebenen Stelle, um die Bindung zu schließen. Das kann dauern. Für jeden Fuß müssen zwei Ratschenbänder in eine Öffnung geführt werden, um sie mit einem kleinen Hebel enger zu schnallen. Auch wenn man diese Handbewegung übt, bleibt es eine lästige Aktion, die nach jedem Ausstieg aus dem Sessel- oder Schlepplift für einen Fuß und nach der Gondel immer für beide gemacht werden muss.

Damit soll jetzt Schluss sein. Zumindest für alle Snowboarder, die sich die neue Bindung von Burton (ab 260 Euro) und die dazugehörigen Schuhe (ab 340 Euro) leisten. „Step-on“ hat keine Riemen mehr, ihr Mechanismus ist dem einer Skibindung ähnlich. Jake Burton höchstpersönlich habe seine Ingenieure in die Werkstatt geschickt, so geht die Legende, damit sie danach mit einer Bindung herauskommen, in die Boarder im Stehen einfach ein- und aussteigen können. Das Unternehmen hat dabei an den Massenmarkt gedacht.

Die Bindung ist so konstruiert, dass sie auf möglichst viele Snowboards passt. Burton hat mit EST eigentlich ein proprietäres System, das mit nur zwei Schrauben am Board fixiert wird und nur auf hauseigene Boards passt. Die Step-on lässt sich aber auch mit einem klassischen Montagesystem der Konkurrenz kombinieren, bei dem die Basisplatte mit vier Schrauben fixiert wird. Das Ergebnis ist eine Kombination aus Schuh und Bindung, die miteinander an drei Stellen fixiert sind.

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SnowboardBurton erfindet die Bindung neu

Entscheidend für die Sicherheit der Verbindung ist der hintere Verschluss. Außen am Schuh ist etwas oberhalb der Ferse ein kantiger Knubbel angebracht. Dieser muss in einen Schnappverschluss einrasten, der innen am Schaft der Bindung angebracht ist. Der Boarder steigt dazu einfach möglichst dicht am hinteren Ende ein und zieht den Vorderfuß etwas hoch. Nach Einschnappen senkt er den Vorderfuß. Vorne werden Schuh und Bindung an zwei Punkten fixiert. An der linken und rechten Seite hat der Schuh einen Aufsatz, der sich unter eine Art Nase klemmt.

Die Technik klingt kompliziert, ihr Gebrauch ist aber einfach. Wir sind zwei Tage am Stubai-Gletscher in Österreich unterwegs gewesen, um eine herkömmliche Riemenbindung mit der Step-on zu vergleichen. Es dauerte nicht lange, bis der Bewegungsablauf verinnerlicht ist. Anfangs hält sich nach dem Einstieg ein Gefühl der Unsicherheit, weil das Einrasten vorne und hinten nicht hörbar ist. Zum anderen fehlen die gewohnten Riemen über dem Schuh. Deswegen ließen wir uns es nicht nehmen, die ersten Male den festen Sitz durch ein deutliches Hinundherbewegen des Schuhs zu überprüfen – ähnlich dem Nachziehen der Schnalle an der herkömmlichen Bindung. Schon am Mittag hatte die Step-on unser Vertrauen, zwischen Einstieg und Abfahrt vergingen nur noch wenige Sekunden.

Das Fahrgefühl selbst unterscheidet sich kaum von dem mit einer gewöhnlichen guten Bindung. Rein physikalisch betrachtet müsste das Brett bei der Step-on eine direktere Kraftübertragung haben, weil die Kontaktfläche zwischen Schuh und Bindung geringer ist und somit weniger nachgeben kann. In der Praxis spürt man dies nicht. Sprünge im Park gehören nicht zu unserem Repertoire, so dass wir die Tests von Burton als Beweis anführen, dass mit der Step-on-Bindung all das gemacht werden kann, was mit der klassischen Bindung bisher auch möglich war.

Der Ausstieg aus der Bindung ist etwas gewöhnungsbedürftig. Sie wird zunächst mit einem kleinen Hebel entriegelt. Diese Bewegung entspricht in etwa der, um die beiden Ratschenbänder einer klassischen Bindung aufzumachen. Nur dass es etwas schneller geht. Wenn die hintere Fixierung gelöst ist, befreit sich der Schuh aus seiner vorderen Umklammerung, indem der Boarder den Fuß nach außen dreht. Damit dies elegant aussieht, dürfte bei den meisten ein Tag vergehen.

Es ist nicht das erste Mal, dass ein Unternehmen eine Alternative zur gängigen Snowboard-Bindung anbieten will. Burton selbst hatte es vor zirka fünfzehn Jahren mit einer Step-in-Bindung versucht. Man erinnert sich nicht so gerne an jene Zeiten, weil sich die Technik damals aufgrund ihrer Unreife nicht durchsetzte. Allzu oft wurde kritisiert, dass bei viel Schnee die Bindung an den entscheidenden Stellen vereist und der Schuh nicht mehr einrastet. Gelegentlich tauchte in den letzten Jahren auf der Piste noch ein Boarder mit Hardboots auf, dessen Bindung ebenfalls ohne Riemen auskommt. Und die Flow-Bindung, bei der man von hinten einsteigt, um dann den Schaft hochzuschieben und zu schließen, hat sich auch nicht durchgesetzt. Burton wagt mit seiner Step-on also den nächsten Versuch.

Quelle: F.A.Z.
Marco Dettweiler
Redakteur in der Wirtschaft.
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