Chinesische Box

Heiße Kiste für ganze Schweine

Von Georg Küffner
 - 12:51
zur Bildergalerie

Zum Garen großer und größter Fleischstücke und -mengen kommt die Chinesische Box zunehmend in Mode. Das in Nordamerika seit längerem recht bekannte Gerät wird auch hierzulande immer beliebter. Und wie unser Selbstversuch gezeigt hat, hält es in der Praxis, was im Werbeprospekt versprochen wird: Unser knapp 30 Kilogramm schweres Test-Ferkel war nach den versprochenen viereinhalb Stunden durch, saftig und kross.

Die kleineren, für den Hausgebrauch vorgesehenen Modelle (für die Gastronomie gibt es größere Boxen komplett aus Metall) bestehen aus Sperrholz, sind innen mit Alublech ausgekleidet, um der von oben in den Kasten strahlenden Hitze widerstehen zu können. Damit ist der Clou des Geräts auch schon benannt: Das am Boden des Kastens liegende Grillgut wird ausschließlich mit Hilfe von Oberhitze auf Temperatur gebracht. Die Holzkohlebriketts liegen oben auf dem Blechdeckel, auf einem feinmaschigen Rost, was das Nachlegen von Brennmaterial erleichtert.

Berge glühender Kohle und eine nach allen Seiten hin hitzige Kiste wollen natürlich vorsichtig und mit Bedacht gehandhabt werden. Ohne Schutzhandschuhe und eine belastbare Schürze sollte man sich dem Teil nicht nähern, was zu tun ist, wenn das Fleisch gar ist. Zwei Griller heben dann den Deckel von der Kiste – und damit auch die oben aufliegende glühende Kohle. Also Vorsicht! Schlauerweise haben die beiden zuvor besprochen, wo sie den Deckel absetzen wollen. Möglichst so, dass der Terrassenboden keinen Schaden nimmt.

Damit ist der Blick frei auf das in einer Saftpfanne liegende Gegrillte, ein Spanferkel beispielsweise. Dessen Fleisch ist zwar nach rund vier Stunden mürbe und zart, jedoch noch blass. Damit die Haut braun und kross wird, muss das Tier gewendet werden, was vergleichsweise einfach gelingt, hat man doch ganz zu Beginn, das Tier mit dem Hackebeil (eine Arbeit, die einem der Metzger gerne abnimmt) entlang des Rückgrats gespalten, um es, alle viere von sich streckend, zwischen zwei zum Lieferumfang gehörende Edelstahlgitter einspannen zu können. So fixiert, ist das Umdrehen ein Kinderspiel. Mit einem scharfen Messer wird jetzt die Haut geritzt. Der Deckel kommt wieder drauf, und nach einer weiteren dreiviertel Stunde kann das Resultat bestaunt werden. Kastanienbraune Haut, saftiges, zartes Fleisch.

Und wo kommt die Kochbox her? Mitte der achtziger Jahre gelang es dem aus Kuba stammenden und in Medley, Florida, lebenden Roberto Guerra nur mit viel Mühe, auf einem behelfsmäßigen Grill ein Spanferkel zuzubereiten. Sein Vater, der das Grilldrama damals beobachtete, erzählte ihm daraufhin von einer länglichen Holzkiste, jener besagten Chinesischen Box, an die er sich aus der kubanischen Heimat erinnerte und in der vergleichsweise schnell und zuverlässig gekocht, gegrillt und gebraten wurde. Robert Guerra experimentierte, baute Prototypen und gründete wenig später das Unternehmen La Caja China. Mehrere Modelle, also Grillkisten in unterschiedlichen Größen, werden heute in Medley gefertigt und von Damijan Škafar und Gorazd Obersnel (www.lacajachina.eu) vom slowenischen Laibach aus europaweit vertrieben.

Die drei kleineren Modelle, alle aus Holz mit Alublech-Innenleben, werden in jeweils zwei Kartons als Bausatz geliefert. Das Modell Nr. 2, das wir uns näher angesehen haben, verkraftet ein bis zu 45 Kilogramm schweres Schwein oder 18 Hühner beziehungsweise sechs Truthähne. Und das auf einmal. Diese Kiste Nr. 2 ist 122 Zentimeter lang, 61 Zentimeter breit und 61 Zentimeter hoch, wiegt 42 Kilogramm. Der Zusammenbau gelingt in etwa einer Stunde, vorausgesetzt man hält sich exakt an die gut bebilderte Montageanleitung und ritzt sich nicht an den zahlreichen scharfen Kanten, vor denen ausdrücklich gewarnt wird.

Erstaunlich, alle knapp 100 Teile passen zusammen und lassen sich gut miteinander verschrauben oder zusammenstecken, wobei die Verarbeitungsqualität nicht gerade überragend ist – und die Frage nahelegt: Warum bauen wir solch eine Kiste eigentlich nicht selbst? Die Teile bekommt man in jedem besser sortierten Baumarkt. Bauanleitungen finden sich gleich mehrere im Internet. Deutlich günstiger wird der Spaß dann auch, kostet der Bausatz für das Modell Nr. 2 von La Caja China doch stattliche 612,57 Euro.

Gut Schwein will Weile haben

Perfekt funktioniert in der Chinesischen Box außer Schwein und Huhn das Zubereiten einer Rinderbrust. Speziell dann, wenn es sich bei dem auch Brisket genannten Stück um hochwertiges Fleisch mit hohem „intramuskulären“ Fettanteil handelt. Sechs bis sieben Kilogramm wiegt solch ein Teil, so dass der eine oder andere Mitesser eingeplant werden sollte. 250 Gramm Fleisch je Person ist dabei eine gute Kalkulationsgrundlage. Soll um 18 Uhr serviert werden, geht’s nach 11 Uhr mit dem Würzen des Fleisches los. Eine gute Stunde später werden zwei Kilogramm Holzkohle (insgesamt werden neun Kilo benötigt) auf dem Gitter des Kistendeckels entzündet und auf der gesamten Fläche verteilt, wenn sie gut durchgeglüht ist. Die Kiste heizt auf. Kurz nach eins wird es dann ernst. Der Deckel kommt herunter, das Fleisch legt man in die Saftpfanne auf den Kistenboden, schließt die Box schnell, so dass keine Hitze verlorengeht, und fügt weitere Kohle hinzu. Nach einer weiteren Stunde wird die Brust in Alufolie eingepackt, damit sie schön saftig bleibt. Nach weiteren rund 60 Minuten kann man mit einem Fleischthermometer an der dicksten Stelle die Kerntemperatur messen. Die sollte 82 Grad betragen. Liegt sie noch darunter, kommt die Brust für weitere Minuten zurück in die Kiste. Ist dann die Zielmarke erreicht, wird nicht gleich gegessen. Rund eine Stunde muss das Fleisch (verpackt) ruhen, soll sich der Fleischsaft schön gleichmäßig verteilen.

Quelle: F.A.Z.
Georg Küffner
Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.
  Zur Startseite