Laserschwerter im Test

In jedem von uns steckt ein Jedi

Von Marco Dettweiler
 - 10:52
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An diesem Donnerstag startet der achte Teil der „Star Wars“-Saga „Die letzten Jedi“ in Deutschland und vielen anderen Ländern. Damit kehrt auch das Laserschwert zurück auf die Leinwand. Es wird dieses Mal in der Erzählung eine zentrale Rolle spielen. Die junge Rey trifft auf den alten Luke Skywalker, dessen erstes Laserschwert sie im siebten Teil „Das Erwachen der Macht“ gefunden hat. Die Waffe der Jedi-Ritter wird dann auch als Spielzeug in viele Kinderzimmer und auf die Straße zurückkehren. Denn „Star Wars“ ist nicht nur eine Filmserie, sondern auch eine Merchandise-Maschine. Seit 1977 setzten Lucasfilm und danach Disney, das die Filmrechte Ende 2012 gekauft hat, bisher rund 35 Milliarden Dollar um.

Partner des Imperiums zu werden ist also nicht nur eine Ehre, sondern eine Garantie für Umsätze – trotz hoher Lizenzkosten. Die Produktarten sind verteilt auf verschiedene Unternehmen. Hasbro ist offizieller Lizenznehmer und bietet verschiedene Varianten des Laserschwertes an. In diesem Jahr kommt Lenovo als Partner von Disney hinzu. Die Chinesen vermarkten mit „Star Wars: Jedi Challenges“ exklusiv ein Augmented-Reality-Headset, mit dem der Laserschwertkampf zwar nicht zur Realität wird, aber näher am Film ist als die bisherigen Spielzeuge. Wir haben die verschiedenen Waffen in die Hand genommen, mit einem Siebenjährigen gekämpft und mit der AR-Brille auf dem Kopf einige Sturmtruppler erlegt.

Wer ein Laserschwert (die korrekte Übersetzung aus dem Englischen wäre „Lichtschwert“) in die Hand nimmt, sollte seine Geschichte kennen. Eigentlich dürfen nur Auserwählte damit kämpfen. Denn ein Laserschwert ist die Waffe eines Jedi oder Sith. Das sind bekannterweise die Guten und die Bösen im Universum. Beide haben „Die Macht“, die sie auch benötigen, um sich ein Laserschwert zu bauen. Dies gehört zur Ausbildung eines auserwählten Schülers eines Jedi-Meisters. Ein Padawan zieht schon in frühen Jahren zu den Planeten Dantooine oder Ilum los, um adeganische Kristalle für sein Laserschwert in Höhlen zu suchen.

Die bösen Sith machen es sich etwas leichter, indem sie synthetische Kristalle benutzen. Dafür strahlt ihr Schwert nur in Rot. Der Kristall allein genügt nicht, der Padawan muss mit seiner Macht Verbindung zu ihm aufnehmen. Exklusivität entsteht bei den Jedi-Rittern zunächst durch die Farbe der Klinge. So haben Luke Skywalker und Obi-Wan Kenobi ein blaues, Yoda ein grünes und Mace Windu ein violettes Exemplar. Weiterhin kann der Griff unterschiedlich gestaltet sein. Count Dooku hat sich sogar für eine gebogene Variante entschieden. Eine Ausnahme in jeder Hinsicht ist General Grievous. Er ist weder Jedi noch Sith und kämpft mit zwei blauen und grünen Laserschwertern gleichzeitig.

„Star Wars“-Spielzeug
Lichtschwerter im Test
© FAZ.NET, FAZ.NET

Die Funktionsweise ist bei allen Laserschwertern gleich. Im etwa dreißig Zentimeter langen Griff steckt eine Diatium-Energiezelle, welche die elektromagnetischen Wellen erzeugt. Das ist ein wiederaufladbarer Super-Akku, der mehrere Jahre hält und vom Träger wieder aufgeladen werden kann. Das Licht wird durch den Kristall geleitet und von diesem gebündelt. Es können bei Bedarf mehrere Kristalle verbaut werden. Dann kann der Träger die Länge und Breite der Klinge ändern. Wie im Film häufig vorgeführt, wird die Klinge über Knopfdruck aktiviert oder eingezogen. Sie durchdringt nahezu jedes Material, nur die Klinge eines anderen Laserschwerts kann sie aufhalten. Das Brummen entsteht, weil der Laser mit der Luft reagiert. Wenn es sein muss, können Jedi-Ritter wie Obi-Wan oder Anakin Skywalker ihre Kämpfe auch unter Wasser führen, ihre Laserschwerter haben ein IP-Zertifikat.

So weit die Fiktion. Ob es irgendwann einmal ein Laserschwert in der Realität geben könnte, wollten wir von Professor Peter Hommelhoff wissen, der den Lehrstuhl für Laserphysik an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg innehat. Die gute Nachricht für alle „Star Wars“-Fans: Die Möglichkeit einer Umsetzung liegt nicht in einer weit entfernten Galaxis. Am kniffligsten ist seit jeher das technische Detail, dass bei einem Laserschwert die Klinge eine begrenzte Ausdehnung von etwa einem Meter hat. Schließlich breitet sich Licht unendlich aus. Das gelte allerdings nur für Vakuum, sagt Hommelhoff und erklärt seine Idee für den Einsatz in der Atmosphäre auf Planeten, wo praktischerweise das Laserschwert meist zum Einsatz kommt. Die Ingenieure könnten mit Plasmaspiegeln arbeiten, sagt Hommelhoff. Stößt ein sehr starker Laserpuls auf Moleküle, reißen diese auseinander und erzeugen ein Plasma. Der Laser hätte sich dann sozusagen selbst einen Spiegel gebaut, von dem er gestreut oder reflektiert würde. Hommelhoff schränkt den Einsatz einer solchen Lasertechnik allerdings ein: „Im Wasser könnte das funktionieren, in der Luft wird es schwierig.“

Optimistischer ist der Wissenschaftler, was die Energiequelle betrifft. Moderne Laser, wie sie die Industrie einsetzt, sind sehr effizient. Daher sei es denkbar, dass ein kleiner Akku im Griff des Laserschwertes Platz findet, dessen Zellen für ein paar Minuten hinreichend viel Energie spenden. Dabei könnte man mit einem sogenannten Faserlaser arbeiten. Der Laser durchläuft eng gewickelte Glasfasern, die das Licht verstärken. Auch eine Färbung des Laserstrahls könne man hinbekommen, erklärt Hommelhoff. Und zwar – wer hätte es gedacht – mit Kristallen. Für starke Laserstrahlen haben sie nichtlineare Eigenschaften. Farben im Infrarotbereich würden durch den Kristall in ihrer Frequenz verdoppelt und grün erstrahlen.

Was die Schneide- und Widerstandsfähigkeit der Klinge betrifft, müssen „Star Wars“-Fans jetzt tapfer sein: Das kann nicht funktionieren. Wenn sich zwei Laser kreuzen, bleiben sie nicht aufeinander stehen, sondern setzen ihre Bewegung ungehindert fort. Die Klinge kann auch nicht an der Kante schneiden, sondern nur an der Stelle, wo der Laser auf Materie trifft. Darth Vader könnte mit einem irdischen Laserschwert dennoch Luke Skywalker die Hand abtrennen. Nur würde der Strahl an der „Schnittstelle“ absorbiert werden, so dass sich das Laserschwert dort verkürzen würde.

Jenseits der Existenz im Film und der Spekulation in der Physik ist die Realität des Laserschwerts aus Plastik, dafür aber in vielfältiger Form. Wer im Netz nach Laserschwert sucht, findet die „elegante Waffe aus zivilisierten Tagen“ auch als Taschenlampe oder Regenschirm. Solche wenig ehrwürdigen Auswüchse der Branche interessieren den Fan nicht. Deshalb haben wir das Laserschwert als solches getestet. Hasbro als offizieller Lizenznehmer bietet sie in allen relevanten Farben an, als rein mechanisches Spielzeug ohne Elektronik von etwa 10 Euro an und als Variante mit leuchtender und brummender Klinge. Der Test begann mit den „Basislichtschwertern“ in Rot, Grün und Blau, also denen von Darth Vader, Luke Skywalker und Kanan Jarrus. Das Spielzeug ist laut Hersteller für Kinder ab vier Jahren geeignet.

Hasbro hat die Griffe ziemlich originalgetreu nachgebaut, daher haben sie auch einen ordentlichen Durchmesser. Kinderhände können sie zwar halten, richtig fest liegen sie aber nur Erwachsenen in der Hand. Was erstaunlich gut funktioniert, ist das Ausfahren der Klinge. Wie bei einem Teleskopschlagstock schwingt man den Griff nach unten, woraufhin die vier ineinandergeschobenen Teile sich entfalten. Dafür ist etwas Kraft notwendig, aber mit etwas Übung bekommen das auch Kinder hin. Dann kann der Kampf beginnen. Die Laserschwerter halten erstaunlich viel aus. Ordentliche Hiebe auf die Klinge machen dem Hasbro-Produkt wenig aus. Sie ist aus weichem Kunststoff, der nachgibt und nicht splittert. Um die Klinge wieder einzuziehen, schiebt man sie einfach mit der Hand zurück. Das sieht nicht immer elegant aus, weil manchmal das letzte Teil nicht versinken will. Dann hilft nur der Boden als Widerstandsfläche.

Den Basisschwertern fehlt allerdings etwas Entscheidendes: das Licht. Deswegen gibt es für etwa fünf Euro mehr ein batteriebetriebenes Modell, dessen Klinge leuchtet und brummt, wenn man es anschaltet. Ausgeschaltet ist der Unterschied kaum erkennbar. Lediglich der Kunststoff der Klinge ist transparenter. Der Lichteffekt funktioniert allerdings nur im Dunkeln, für normal beleuchtete Räume ist die LED zu schwach. Der Teleskop-Mechanismus der Klinge ist nicht an den Sound-Chip gekoppelt. Schaltet man das Schwert mit Knopfdruck an oder aus, ertönt das gewohnte Zischen wie im Film, ebenso brummt das Schwert vor sich hin und wird lauter, wenn es bewegt wird. Allerdings bringt der Chip mit dem Beschleunigungssensor eine Latenzzeit mit, so dass bei schnellen Bewegungen der Sound mit Verzögerung ertönt.

Es braucht die Phantasie eines Kindes, um sich mit diesen Laserschwertern als Jedi-Ritter zu fühlen. Lenovo hat für 300 Euro eine Variante für Erwachsene und Jugendliche ab 13 Jahren. „Star Wars: Jedi Challenges“ ist ein Augmented-Reality-Headset, bestehend aus Brille, Laserschwert und Tracking-Ball. Damit nutzt Lenovo eine Technik, die ebenso wie Virtual Reality im Trend liegt. Zwei wichtige Komponenten fehlen übrigens noch, um in den Lichtschwerterkampf gehen zu können: ein Smartphone und die Jedi-Challenges-App. Das Headset ist kompatibel mit einigen iPhone-Varianten, Galaxy-Modellen von Samsung und ein paar anderen Smartphones.

Der Aufbau ist relativ schnell gemacht: App herunterladen, Smartphone in die Halterung der Brille stecken, mit Kabel verbinden, einigen Anweisungen auf dem Bildschirm folgen, den kleinen Ball in die Mitte des Raumes stellen und das Laserschwert anschalten. Wer mit solchen Headsets Erfahrung hat, wird nun feststellen, dass es sich hier eigentlich um eine virtuelle Realität handelt. Der Spieler sieht zwar weiterhin die Umgebung in seinem Zimmer, weil er nicht auf das Smartphone-Display schaut, sondern die in das Sichtfeld projizierte Darstellung sieht. Wand, Tisch, Stuhl, Sofa werden aber nicht im Spiel berücksichtigt, wie das bei einer Augmented-Reality-Anwendung normalerweise gemacht wird.

Wie im Film auch fährt das Lichtschwert über Knopfdruck die Klinge aus. Im Vergleich zu den Plastikschwertern von Hasbro macht der Griff einen wertigen und der Laser einen mächtigen Eindruck. Gleißendes Licht bewegt sich brummend vor dem Spieler. So muss sich ein Jedi fühlen, wenn er vor einem Sith steht. Schwenkt man das Schwert schnell hin und her, reicht auch die Rechenleistung des Pixel 2 XL nicht aus, damit die fiktive Klinge und der reale Griff eine Einheit bilden. Sie folgt mit leichter Latenzzeit. Ebenso muss der Sitz der Klinge hin und wieder mit Knopfdruck nachjustiert werden.

Auf das Spiel selbst hat dies keine Auswirkungen. Wenn die Kampfdroiden oder Sturmtruppler einem entgegenkommen, reicht es, grob auf sie einzuhauen oder ihre Laserschüsse in einem großzügig bemessenen Bereich zurückzuwerfen. Das macht Spaß und wird auch nach mehreren Wiederholungen nicht langweilig. Der Kämpfer kommt ins Schwitzen, vor allen Dingen unter der Brille. Das Spiel von Lenovo hat mehrere Ebenen und Schwierigkeitsstufen. Auf sechs Planeten kann sich der Spieler als Padawan, Ritter und Meister qualifizieren. Der Weg zum Ziel führt nicht nur über Kampf. Wenn ein Spieler weitere Fähigkeiten erwerben will, die er gegen stärkere Gegner unbedingt benötigt, muss er das Strategiespiel und Holo-Schach auf dem jeweiligen Planeten gewinnen.

Wir sind über die erste Stufe nie hinausgekommen. Der Kampf mit dem Laserschwert genügt einem Hobby-Jedi-Ritter.

Quelle: F.A.Z.
Marco Dettweiler
Redakteur in der Wirtschaft.
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