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Laufschuh Terraultra G 260

Das Material macht den Unterschied

Von Michael Spehr
 - 14:17
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Während in Deutschland das Thermometer 30 Grad zeigt und die Sonne freundlich lächelt, prasselt uns der Regen auf die Wetterjacke, derweil wir frierend in unwegsamer Umgebung über matschige Wiesen und Wege in der Nähe der Stauseen des englischen Rivington laufen. Es ist neblig, man sieht kaum einen Kilometer voraus, kleine Hügel werden erklommen, und man staunt, wie sich erfahrene Trailrunner aus der Läufergruppe in geradezu aberwitzigem Tempo bergab stürzen.

Vielleicht liegt es an den passenden Schuhen. Der englische Hersteller Inoveight, dessen Eigenschreibweise Inov-8 lautet, will seine Lauf- und Trailschuhe nun mit einem Material bestücken, das den ambitionierten Läufer ein gutes Stück weiter nach vorn bringt. Es geht um Graphen, eine Modifikation des Kohlenstoffs, verwandt mit dem Graphit, wie es im Bleistift zum Einsatz kommt, mit der besonderen Eigenart, dass die Atome nicht drei- sondern zweidimensional angeordnet sind. Graphen wurde erst 2004 von englischen Wissenschaftlern entdeckt, sie bekamen dafür 2010 den Physik-Nobelpreis. Seither gilt Graphen ob seiner ungewöhnlichen Eigenschaften als ein Werkstoff mit besten Karriereaussichten. Graphen ist außerordentlich steif, fest und zugleich elastisch sowie elektrisch leitfähig. Seine Zugfestigkeit ist 125 Mal höher als die von Stahl, und es ist härter als ein Diamant.

Höhere Festigkeit, geringeres Gewicht

Mit Graphen sind in den vergangenen Jahren hochfliegende Erwartungen verbunden worden, es komme künftig in Displays, Energiespeichern und Halbleitern zum Einsatz, hieß es, und die EU-Kommission hat großzügige Forschungsaufträge finanziert. Doch bislang waren Graphen-Produkte eine Ausnahmeerscheinung. In Laufrädern fürs Fahrrad wurde es eingesetzt, wegen der besseren Wärmeableitung während des Bremsens, der höheren Festigkeit und des geringeren Gewichts.

Nun bringt Inoveight das Graphen in die Sohle von Sportschuhen. In drei Modellen kommt das Material zum Einsatz, im Mudclaw G 260, einem Trail-Schuh mit tiefen Profilstollen für Läufe im groben und matschigen Gelände, im F Lite G 290, einem Crossfit-Schuh fürs Workout im Studio sowie in dem von uns einige Zeit erprobten Terraultra G 260, einem klassischen Laufschuh. Die numerische Angabe entspricht dem Gewicht in Gramm, und der Schuh hat keine Sprengung, also keine erhöhte Ferse.

Wird sich der Preis rechnen?

Das Graphen steckt in der Sohle, aber der Hersteller macht keine Angabe, wie viel davon und mit welchen anderen Komponenten gearbeitet wird. Das sei die „geheime Formel“. Das Versprechen: Der Schuh biete den besten Grip, und die Sohle sei 50 Prozent stärker, elastischer und strapazierfähiger als jede andere. Das Oberflächenmaterial bestehe zum Teil aus Kevlar, die Mittelsohle wirke dämpfend.

Wir sind den Terraultra nach Empfehlung von Inoveight in unserer Schuhgröße gelaufen, nicht eine Nummer größer wie üblich. Er sitzt straff und wirkt nicht leicht, die Passform gefällt, und die Stabilität ist sehr hoch. In England und später mehrfach auf bekanntem Terrain in Deutschland spürten wir sofort, wie gut der Schuh auf unwegsamem und steinigem Untergrund Störendes dämpft und doch gleichzeitig die Bodenbeschaffenheit präzise wiedergibt. Jenseits trockener Wege überzeugten Seitenhalt und Grip, hier wird nach unseren ersten Erfahrungen nicht zu viel versprochen.

Entwickelt wurde der Terraultra in Zusammenarbeit mit Dutzenden von Athleten, die wohl einige zehntausend Kilometer damit zurücklegten. Das Graphen in der Sohle soll für mehr Haltbarkeit und längere Laufzeiten sorgen. Wird ein typischer Laufschuh nach 600 bis 1000 Kilometern ausgemustert, weil unter anderem die Außensohle abgelaufen ist, verspricht Inoveight eine Laufleistung von mehr als 1600 Kilometern. Ob das stimmt, wird sich erst nach einigen Monaten zeigen. Mit der höheren Laufleistung soll sich dann auch der Preis des Terraultra letztlich rechnen, er liegt in Deutschland bei rund 165 Euro.

Quelle: F.A.Z.
Michael Spehr
Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.
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