Dampfbügelstationen im Test

Die machen richtig Dampf

Von Marco Dettweiler
 - 11:07
zur Bildergalerie

„Bügelst du selbst?“, fragt der Kollege verwundert, als es um das Thema Dampfbügelstationen geht. Dabei lässt er offen, ob er seine Hemden in die Reinigung trägt oder seine Frau die Arbeit erledigt. Wer auch immer die Wäsche zum Glätten in die Hand nimmt: Er oder sie sollte über eine Dampfbügelstation nachdenken. Um die Falten aus Hemd oder Hose herauszubekommen, muss ein Bügeleisen Dampf und Druck erzeugen. Wasserdampf dringt dann in die Textilien, die Fasern quellen und richten sich auf. So lässt sich die Wäsche am besten glätten.

Diese Aufgabe übernehmen schon klassische Dampfbügeleisen. Sie haben im Vergleich zu jenen mit Station, von denen zwei Produkte exemplarisch getestet wurden, allerdings mehrere Nachteile. Erstens sitzt der Wassertank auf dem Bügeleisen, sodass das Gerät schwerer ist. Zweitens hält der Wasservorrat meist nicht länger als eine Viertelstunde. Drittens setzt der Dampf erst ab einer gewissen Temperatur ein. Gerade Mischgewebe, Seide oder Leinen müssen aber bei Niedrigtemperatur gebügelt werden. Und viertens lässt sich die Dampfzugabe nicht per Knopfdruck steuern.

Die einzigen Nachteile von Dampfstationen: Sie sind teurer als die Bügeleisen und nehmen mehr Platz in Anspruch. Im Test dampften zwei Produkte gegeneinander an: die Effectis Anti-Calc von Tefal und die Serie 8 Vario Comfort von Bosch.

Die Effectis Anti-Calc von Tefal mit einer Temperatur

Die Tefalstation holte sich schon nach dem Auspacken einen ersten Minuspunkt, bevor überhaupt ein Kleidungsstück den Bügeltisch gesehen hatte. Der Schlauch, der den Wassertank mit dem Bügeleisen verbindet, riecht unangenehm und penetrant nach Kunststoff. Weil diese Eigenschaft immer wieder bei Produkten auftritt, gab es Hoffnung, der Geruch werde sich mit der Zeit verflüchtigen. Aber nach mehreren Wochen trat er spätestens dann wieder auf, wenn sich der Schlauch erwärmte. Das ist schade, denn die Effectis Anti-Calc hat prinzipiell viele Eigenschaften, die eine Standard-Bügelstation braucht. Sie macht Druck bis zu 6,5 bar, hat eine gut gleitende Durilium-Bügelsohle, bringt konstant 100 Gramm Wasserdampf je Minute auf die Textilien, sammelt Kalkrückstände des Wassers und kommt mit einer einzigen Temperatur und Dampfmenge aus.

Letztgenannte Eigenschaft ist das Besondere an diesem Modell, was wirklich praktisch ist. Der oder die Bügelnde muss die Wäsche nicht mehr vorsortieren, bevor man mit dem Glätten beginnt. Weil die Tefalstation nur 4,6 Kilogramm wiegt und kompakte Maße hat, passt sie eher in den Schrank als die etwas wuchtigere Serie 8 von Bosch. Das geringe Gewicht bezahlt Tefal allerdings auch mit einem Äußeren, das nicht so hochwertig wirkt und nach Plastik aussieht. Zudem gibt es verbesserungswürdige Ansätze im Design. So könnte das Kabel an dem Ende, das am Bügeleisen ansetzt, steifer sein, damit es nicht direkt nach unten fällt. Beim Bügeln schleift es hin und wieder am Rand des Brettes und verschiebt leichte Kleidungsstücke.

Serie 8 Vario Comfort dampft alles weg

Als die Serie 8 Vario Comfort ihrer Packung entstieg, wurde schnell klar, dass Bosch mit der Station nicht unbedingt an Gelegenheitsbügler, sondern an Menschen gedacht hat, die nicht nur einmal die Woche einen Stoß Wäsche wegbügeln müssen. Die Maschine ist größer als die von Tefal, macht einen hochwertigeren Eindruck und bietet neben flexiblen Einstellungen der Temperatur und Dampfmenge auch Details im Design, die durchdacht sind. So ist etwa der Wassertank abnehmbar, und das Stromkabel zieht sich wie bei einem Staubsauger selbständig wieder in die Öffnung zurück. Das Kabel hält sich weit genug vom Rand des Bügelbrettes entfernt. Nach dem Start blinkt die Station nicht nur, um anzuzeigen, dass das Wasser gerade erhitzt wird, sondern gibt durch ein deutlich hörbares Piepsen das Signal, dass es losgehen kann. Die Vario Comfort ist etwas schneller zur Stelle. Nach etwa zwei Minuten hat sie die Temperatur für die I-Temp-Einstellung erreicht, die für alle Textilien geeignet ist und mit der Grundeinstellung der Tefalmaschine vergleichbar ist. Geht man auf „Hemden / Baumwolle“, dauert es noch einmal eine halbe Minute länger.

Als der Daumen dann das erste Mal den Abzug betätigte, zuckte der Rest des Körpers unweigerlich zurück. Aus Versehen ging es gleich mit einem Dampfstoß los. Dann sondert das Bügeleisen 520 Gramm Wasserdampf ab, was jedem Bügelnden erst einmal Respekt einflößt. Man möchte weder Hände noch anderes in der Nähe des fauchenden Drachens haben. Die Taste für die normale Dampfzufuhr sitzt unterhalb des Griffs, wird bequem mit dem Zeigefinger bedient und ist etwas zahmer. Dass die Maschine von Bosch in der Baumwolleinstellung zwanzig Gramm mehr Dampf je Minute abgibt als die von Tefal, macht sich unterhalb des Bügelbretts bemerkbar. Nach sechs oder sieben Hemden bildete sich auf dem Boden eine Pfütze, weil die Oberfläche des Brettes kein Wasser mehr aufnehmen konnte und den Rest elegant am Gestell weiterfließen ließ. Das ist aber nicht ein Fehler der Station, sondern des Brettes. Es gibt spezielle Exemplare für diesen Einsatz.

Würde der Schlauch an der Tefalstation nicht so riechen, wäre Effectis Anti-Calc ein Tipp für all jene, die häufig bügeln, aber in diesem Metier nicht ihren Meister machen wollen. Die Effectis kostet etwas mehr als 200 Euro, wenn sie im Internet geordert wird. Etwa 100 Euro teurer, ebenfalls in gängigen Online-Portalen geschaut, ist die Serie 8 Vario Comfort. Das wird es manchem wert sein. Bosch liefert eine Dampfbügelstation, die keine Wünsche offen lässt. Mit so etwas bügelt man doch gerne selbst.

Quelle: F.A.Z.
Marco Dettweiler - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Marco Dettweiler
Redakteur in der Wirtschaft.
FacebookTwitterGoogle+
  Zur Startseite
Ähnliche ThemenRobert Bosch