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Elektro-Pastamaschine im Test

Der Teig der Wahrheit

Von Marco Dettweiler
 - 10:10
Der Schaber könnte etwas schärfer sein, ein Messer macht sich besser. Bild: Hersteller, F.A.Z.

Nudeln sind das Grundnahrungsmittel von Kindern und Studenten. In Italien steht Pasta fast täglich als Primo Piatto in der Familie oder im Restaurant auf dem Tisch. Dort und immer mehr auch hierzulande offerieren die Köche gerne die hausgemachte Pasta, weil es besser klingt, aber auch besser schmeckt. Gute Restaurants leisten sich eine elektrische Pastamaschine, in die Mehl und Wasser sowie bei Bedarf auch Eier hineingegeben werden und frische Spaghetti, Penne, Fettuccine oder Maccheroni herauskommen. Solche Maschinen kosten meist mehrere tausend Euro und lohnen sich somit nur für Restaurants oder Großfamilien.

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Philips bietet eine Pastamaschine für den Hausgebrauch an. Der Pastamaker kostet offiziell 260 Euro, ist aber online manchmal für weniger als 200 Euro zu bekommen. Das Konzept ist dem einer Profimaschine sehr ähnlich, das Material weniger. Es findet sich an dem Produkt viel Kunststoff. Das Material könnte dann eine Rolle spielen, wenn die Maschine über viele Jahre täglich im Einsatz ist. Metallteile sind in der Regel robuster. Das besondere an diesem Pastamaker ist die eingebaute Waage. Ein Messbecher für die Flüssigkeit liegt ebenfalls bei. Beides ist sehr praktisch. Was der Hobbykoch in der Küche haben muss, ist einzig und allein Mehl.

Die Herstellung von Nudeln ist sehr einfach. Man gibt Mehl in die Kammer, die Maschine wiegt es, auf der Anzeige erscheint die Menge an Wasser, die dazugegeben werden muss, wenn der Knethaken sich zu drehen beginnt. Die Teigherstellung dauert drei Minuten. Wer unerfahren ist im Umgang mit Pastateig, wird sich beim Zuschauen wundern, dass aus dieser Masse überhaupt Nudeln entstehen können. Denn die Konsistenz wirkt eigentlich zu trocken und brüchig.

Während der drei Minuten sollte alles vorbereitet sein für die Arbeit, die auf den Hobbykoch zukommt. Die Länge der Nudeln bestimmt er selbst. Wenn sich der Teig aus dem Aufsatz drückt, gilt es in gleichmäßigen Intervallen die Teigteile abzuschneiden und auf einem Teller oder Brett zu lagern. Philips liefert für diesen Vorgang einen Plastikschaber mit. Dessen Kante ist nicht allzu scharf, ein Messer eignet sich besser. Sieben verschiedene Aufsätze sind im Paket enthalten und entsprechend viele Pastaformen möglich: Capellini, Tagliatelle, Penne, Spaghetti und andere. Selbst kleine Lasagneblättchen bekommt die Maschine hin.

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Die nächste Gourmetstufe erreichen ambitionierte Köche, indem sie dem Wasser andere Flüssigkeiten und bei Bedarf Eier beimischen. Der Pastamaker berechnet den Flüssigkeitsbedarf etwas anders, sobald die Taste „Eiernudeln / Gewürzte Nudeln“ auf der Anzeige gedrückt wurde. Genügend Anregungen, welche Flüssigkeiten für welche Mehlsorte das sein könnten, erhalten Käufer in einem Rezeptheft. Wie so oft scheitert die Zubereitung an der Verfügbarkeit der Zutaten. So ist Spinatsaft eher schwierig zu beschaffen oder herzustellen. Wir haben alternativ einen Smoothie beigemengt.

Es kam zum Desaster

Nach einigen glücklichen Nudeltagen kam es irgendwann zum Desaster. Die Gäste waren schon da und warteten auf grüne Pasta mit Gorgonzola-Sauce. Nur die Spaghetti kamen nicht. Der Teig hielt sich wie ein schreckhaftes Wesen am Teighaken fest, um dem Gang durch die Schablone zu entgehen. Auch nach einigen Unterbrechungen, in denen manuell die Masse vom Haken gelöst wurde, wollte sich dieser nicht durch die Öffnung Richtung Schablone transportieren lassen. Der Teig kam einfach nicht zum Ziel. Die Gäste tranken fröhlich vor sich hin und der Koch verzweifelte an der Maschine.

Wenigstens führte die Fehlersuche zum Erfolg. Der Grund für die Misere war die zu feuchte Konsistenz des Teigs. Wer häufiger Pizzateig mit der Hand macht, kann es nachvollziehen. Wenn die Masse noch an den Händen oder der Schlüssel klebt, muss mehr Mehl hinzugegeben werden, damit er sich ordentlich ausrollen lässt. Beim Pastamaker reichen schon ein paar Milliliter zu viel Flüssigkeit, dass der Teil zu klebrig wird. Das lässt sich durch exaktes Abmessen häufig verhindern, jedoch bleiben die unterschiedlichen Mehlarten und die Größe der Eier die nicht zu berechnenden Unbekannten.

In den meisten Fällen gelingt jedoch die Pasta. Mindestens 250 und höchstens 500 Gramm Mehl lassen sich auf einmal verarbeiten. Die frischen Nudeln sollten schnellstmöglich ins heiße Wasser, damit sie nicht zusammenkleben. Nach wenigen Minuten kann serviert werden. Die größte Arbeit wartet nach dem Essen. Um den Pastamaker reinigen zu können, muss er in sechs Teile zerlegt werden. Je länger man damit wartet, desto aufwendiger die Reinigung. Trockener Pastateig klebt furchtbar an Kunststoff, ein bisschen Wasser darüberlaufen lassen, wie in der Bedienungsanleitung beschrieben, bringt nicht viel. Am besten weicht man die Teile direkt nach der Nudelproduktion in heißem Spülwasser ein. Die Schablonenaufsätze sind besonders widerspenstig, weil sich der Teig in die dünnen Löcher setzt.

Nach mehreren Wochen mit dem Pastamaker in der Küche bleiben zwiespältige Erkenntnisse. Um frische Nudeln, die sehr lecker schmecken, mal schnell aus Mehl und Wasser zuzubereiten, lohnt sich einerseits so eine Maschine. Auf der Internationalen Funkausstellung in Berlin hat Philips übrigens den Pastamaker VivaPlus vorgestellt, der demnächst in den Handel kommt. Er ist kleiner und mit weniger Fassungsvermögen etwas langsamer beim Kneten, wiegt nicht selbst, formt „nur“ vier verschiedene Nudelarten und kostet mit 180 Euro dafür weniger als das Flaggschiff.

Andererseits hielt uns das Risiko des Scheiterns und die Reinigung im Nachgang häufiger davon ab, den Pastamaker einzuschalten. Stattdessen kam die klassische 500-Gramm-Verpackung aus dem Supermarkt zum Einsatz. Wie bei den meisten Studenten und Kinderköchen.

Quelle: F.A.Z.
Marco Dettweiler
Redakteur in der Wirtschaft.
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