Evnroll Golfschläger

Wenn Putten wie von selbst klappt

Von Wolfgang Scheffler
 - 16:53
zur Bildergalerie

Guerin Rife blickt auf eine lange, erfolgreiche Karriere als Hersteller von Puttern zurück. Der Amerikaner war Mitte der neunziger Jahre der erste Hersteller, der Rillen in diesen Golfschläger fräsen ließ, eine Technik, die er an andere Firmen lizenzierte. Heute haben fast alle Firmen Putter mit Rillen im Angebot. Noch immer sind Putter, die den Namen Rife tragen, auf dem Markt. Allerdings haben diese Flatsticks, wie sie im amerikanischen Jargon der Branche auch genannt werden, außer dem Namen nichts mit dem heute 65 Jahre alten Unternehmer aus Carlsbad in Kalifornien gemein.

Die Rife-Putter hatten sich 2006 auf dem Markt als größter unabhängiger Putter-Hersteller etabliert. „Wir hatten im Jahr für zehn Millionen Dollar Putter in 17 Ländern in mehr als 3000 Geschäften verkauft. Etliche Tourspieler, vor allem auf der Senior Tour, gewannen mit unseren Puttern Turniere. Trotzdem machten wir keinen Gewinn, weil wir zu viel Geld ausgeben mussten, um unseren Namen bekanntzumachen.“ Weil der eigentliche Plan scheiterte, Rife-Putter in das Unternehmen Puma Cobra einzugliedern und Rife als Chefdesigner weiter zu beschäftigen, verkaufte Rife 2008 alles samt seinem Namen an eine Investorengruppe.

Doch nach kurzer Pause gründete Rife zusammen mit seinem Kompagnon Steve Riley abermals. Ursprünglich vertrieb das neue Unternehmen Putter unter seinem Vornamen Guerin. Später wurde daraus Evnroll, ein Name, der schon darauf hindeutet, was man mit diesen Puttern erreichen soll: ein gerades (even) Rollen, möglichst immer in Richtung Loch. Rife schafft das durch ein neues mittlerweile patentiertes Rillendesign. Die Rillen, im Englischen Grooves genannt, liegen in der Mitte, dem Sweetspot, also dem Punkt maximaler Kraftübertragung weiter auseinander und verjüngen sich zur Spitze (Toe) und zur Hacke (Heel) der Schlagfläche.

Die Theorie dahinter klingt einleuchtend: Durch die weiter auseinander liegenden Rillen trifft weniger Masse auf den Ball. Dagegen hat der Ball bei nicht mittig getroffenen Bällen mehr Kontakt mit dem Stahl. Dadurch legt der Golfball, egal wo man ihn trifft, fast exakt die gleiche Distanz zurück. Bei seinen Tests entdeckte Rife ein weiteres Phänomen: Die abseits des Sweetspots getroffenen Bälle finden in sanften Kurven auf die geplante Linie zurück. Rife nennt es den Gear Effect – eine Entdeckung, die ihn selbst überraschte. Erst nach langem Tüfteln fand er heraus, wie stark sich die Rillen von der Mitte nach außen auf der Schlagfläche verjüngen müssen, um die gewünschten Effekte zu erreichen.

Das klingt, als hätte Rife mit dieser neuen, patentierten Technik den Stein des Weisen gefunden. Viele Testberichte im Internet und schwärmerische Videos von sogenannten Influencern wie dem englischen Golflehrer Rick Shields lassen dies vermuten. „Evnroll ist eine Revolution. Jeder Golfer, der keinen Evnroll-Putter in der Tasche hat, spielt mit unterlegener Technik. Evnroll macht alle anderen Designs obsolet.“ Worte, die wie aus einem Werbetext klingen, aber sie sind das Fazit der Tests des Internet-Portals „www.mygolfspy.com“. In allen Kategorien, egal ob sogenannte klassische „Blade Putter“, bei denen sich nur wenig Masse hinter der Schlagfläche befindet, oder „Mallet Putter“, die, wie das englische Wort Mallet (Hammer) schon vermuten lässt, ein gegenteiliges Design aufweisen, gingen die Evnroll-Modelle als Sieger hervor.

Da diese amerikanische Website wegen ihrer objektiven, meist mit modernster Technik ausgeführten Tests von Hobbygolfern im englischen Sprachraum geschätzt wird, entstand ein richtiger Hype um die Evnroll-Putter. „Seit ich die Putter 2016 bei der PGA Mechandising Show vorgestellt habe und mygolfspy.com die Putter testete, kann ich nicht so schnell produzieren, wie ich verkaufen könnte“, sagte Rife. Mittlerweile wartet auch der deutsche Importeur Oliver Schröder sehnsüchtig jede Woche auf neue Lieferungen aus Amerika. „Sobald neue Putter ankommen, sind sie schon alle mit Vorbestellungen reserviert“, berichtet Schröder, der Generalimporteur für Deutschland und Österreich. Schröder arbeitet dank des Erfolgs dieser Putter nur noch halbtags in seinem ursprünglichen Beruf.

Denn durch die Tests, die „mygolfspy.com“ mit der Analyse-System Quintec Roll, das mit Hochgeschwindigkeitskameras alle Parameter eines Putts erfasst, von einem Roboter ausführen ließ, wurden auch deutsche Websites auf die neuen Putter aufmerksam. Die Website „www.golfpost.de“ ließ den vielfachen deutschen Amateurmeister Ulrich Schulte testen. Schulte war so angetan, dass er seitdem wie auch Rick Shields jetzt mit einem Evnroll-Putter auf die Runde geht. Im Sommer gewann die Schwedin Anna Nordqvist mit einem Putter dieser Firma ein Turnier auf der LPGA Tour, der lukrativsten Veranstaltungsreihe im professionellen Damengolf.

Ob das Rillendesign wirklich alle Bälle gleich weit und immer in Richtung Ziel laufen lässt, können selbst sehr gute Spieler und Profis nicht ermitteln. Denn auch die besten Golfspieler der Welt sind nicht in der Lage, beim Putten mit gleichviel Schwung exakt verschiedene Punkte auf der Schlagfläche zu treffen. Das können wohl nur Roboter. Was wir aber schon nach wenigen Runden mit dem Evnroll ER 2, einem Blade-Putter, feststellten: Man bringt wirklich mehr Bälle ins Loch, ein Phänomen, das auch etliche Hobbygolfer und Profis bestätigten. Allerdings ist dazu ein exaktes Fitting nötig. Denn die Evnroll-Putter sollten auf jeden Spieler abgestimmt werden, zumal die derzeit acht Modelle von Evnroll (Preise ab 350 Euro) in verschiedenen Längen sowie mit verschiedener Gewichtung und Griffen angeboten werden. Der deutsche Importeur Schröder strebt deshalb an, die Putter in etwa 25, über ganz Deutschland und Österreich verteilte Stützpunkthändler anzubieten.

Eine Garantie, dass man mit Evnroll-Puttern jeden Ball auf dem Grün ins Loch versenkt, gibt es natürlich nicht. Wie auch bei anderen Golfschlägern kann die Technik nur unterstützen. Um sicher einzulochen, gehört mehr dazu, als den Ball sauber zu treffen. Man muss die Grüns lesen können, also erkennen, auf welcher Linie der Ball laufen soll. Man benötigt ein gutes Distanz-Gefühl, also die Fähigkeit, den Ball mit der richtigen Geschwindigkeit auf die Reise zu schicken. All das sollte und kann man trainieren. Wie das amerikanische Magazin „Golf Digest“ durch die Daten von Hunderttausenden Amateurgolfern ermittelte, werden 41,1 Prozent aller Golfschläge mit dem Putter ausgeführt. Was einmal mehr eine alte Golfweisheit bestätigt: „Driving for show, putting for dough“. Die freie deutsche Übersetzung lautet: Mit langen Abschlägen schindet man Eindruck, mit dem Putter verdient man Geld.

Quelle: F.A.Z.
  Zur Startseite