Fahrradrucksäcke von Ortlieb

Je gewickelter, desto dichter

Von Hans-Heinrich Pardey
 - 10:05

Was dem einen sein Airflex, ist dem anderen sein Commuter Daypack. Wie man in Diskussionen erleben kann, darf sich kein Fahrradhersteller etwa noch trauen, einem seiner Produkte als verkaufsförderndes Attribut das Wort „urban“ mitzugeben und dann auf den Gepäckträger zu verzichten. Sofort sind Aufpasser zur Stelle, die das monieren. Die werden dann aber ebenso postwendend von Rechthabern dahin gehend belehrt, dass der Rucksack längst erfunden sei. Man könnte hinzufügen, dass es tatsächlich so aussieht, als gehöre die Mehrzahl der urbanen Radler zu den Beuteltieren, wohingegen unter den Pendlern offenbar diejenigen überwiegen, die den Rücken frei haben wollen und alles, was sie transportieren müssen, lieber ans Rad hängen.

Ortlieb lässt sich auf die Frage „Gepäckträger oder kein Gepäckträger“, die letztlich ja auch eine bloße Geschmacksfrage ist, natürlich nicht ein. Der Hersteller, dessen Name weit über Deutschland hinaus zum Synonym für „wasserdicht“ geworden ist, bedient die eine wie die andere Fraktion, ganz egal, ob es nur quer durch die Stadt oder weiter über Land gehen soll.

Der Vielfalt der Radgepäcktaschen hinsichtlich Größe und Verschluss, Aufhängung und Innenleben entspricht, dass im Ortlieb-Programm Rucksack nicht Rucksack ist. Auch wenn der eine wie der andere für Radler beiderlei Geschlechts gedacht ist, unterscheiden sich der Airflex 11 und der Commuter Daypack City gründlich, und das nicht allein in Preis (rund 100 und 130 Euro) und Größe.

Klar, beide Rucksäcke sind wasserdicht, wobei die praktische Erfahrung lehrt: Es gibt wasserdicht und wasserdichter. Der 11 Liter fassende Airflex mit seinen zwei nach unten festgeclipsten Enden des Rollverschlusses kann heftiger bewegtes Spritzwasser ab als der Daypack mit seiner einen in der Mitte sitzenden Schließe. Wenn der 21 Liter fassende Stadtrucksack mit dem verstärkten Boden und dem auf technische Büroutensilien wie etwa ein Notebook vorbereiteten Innenleben etwas mehr als nur gut gefüllt ist, kann es schwierig werden, die Öffnung so eng zu wickeln, dass wirklich kein Schmutz und kein feuchter Dunst eindringen können. Aber das ist ein Bedienungsproblem, nicht eine Frage des Materials.

Dass die kleine und ziemlich flache Reißverschlusstasche nicht wasserdicht ist, wird vom Hersteller ausdrücklich betont. Das Gleiche gilt für die winzigen Außentaschen des Airflex aus Netzmaterial. Weil der eher als Begleiter im Gelände konzipiert wurde, ist er für die Benutzung einer Trinkblase vorbereitet. Ihm kann man zwar einen Helm oder eine Jacke aufschnallen, dem Daypack lässt sich aber sogar ein kräftiges Bügelschloss unter die Befestigungsriegel schieben. Dass für beide Rucksäcke damit geworben wird, dass man ihnen ein Rücklicht anclipsen kann, wird hier nur mit hochgezogener Braue referiert.

Da gibt es weiß Gott bessere Lösungen. Die unterschiedliche Gestaltung der Rückenpolsterung hat bemerkenswert verschiedene Auswirkungen: Mehr Luft an den Rücken lassen die kleineren und festeren Polster des Daypack, während die weichen Kissen des Airflex zu richtigen Saugpolstern werden können, wenn es heiß wird und man ins Schwitzen kommt.

Quelle: F.A.Z.
Hans-Heinrich Pardey
Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.
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