Fahrradschloss

Piep, Piep, hier wache ich

Von Hans-Heinrich Pardey
 - 21:00

Die alte Faustregel, zehn Prozent vom Anschaffungswert des Fahrrads für sein Schloss aufzuwenden, stößt nicht erst beim Elektrorad an Grenzen. Und selbst wenn man versucht, 300 oder 350 Euro für die Sicherung des neuen Pedelecs aufzuwenden, absolute Sicherheit gibt es nicht. Von einer finanziell wesentlich günstigeren Fahrzeugversicherung abgesehen, eröffnet aber ein solcher Etat doch ein relativ hohes Maß an Abschreckung.

Im Laden stellt sich heraus: Einen Betrag wie angepeilt in einem Fahrradschloss anzulegen, ist nicht so einfach. Sogar dann nicht, wenn man – das Gewicht spielt dank E-Motor nur noch eine untergeordnete Rolle – sich bei den dicken Dingern umsieht, die eigentlich zum Absperren von Motorrollern gedacht sind. Man sollte auch gar nicht nach einer Ein-Schloss-Lösung suchen. Das Mittel der Wahl ist hingegen, das Budget auf mehrere Schlösser von möglichst verschiedener Bauart aufzuteilen. In diesem Sinne ist das Bordo Alarm 6000A von Abus (rund 140 Euro im Fachhandel) nicht das eine wahre Fahrradschloss, sondern eine pfiffige Komponente im Gesamtkonzept der Sicherung eines teureren Elektrorads.

Ob man sich den aufklappbaren Halter mit einer Schelle oder zwei Flaschenhalter-Schrauben an den Karbonrenner schrauben wird, ist zu bezweifeln. Das mit sechs Scharnieren wie ein Zollstock zusammenlegbare Faltschloss allein wiegt 1,4 Kilogramm. Dabei ist es zwar deutlich größer und schwerer als manche andere Bordo-Variante des Herstellers, die nutzbare Länge aber bleibt dieselbe.

Das ist der Punkt, an dem sich die Geister scheiden. Egal, wie gut die Drehpunkte eines Faltschlosses gehärtet sind oder nicht, ein Bügelschloss ist widerstandsfähiger, vor allem aber ist eine armierte Kette flexibler. Mit dem Faltschloss der nominellen Länge 90 Zentimeter lässt sich ein gerades Rechteck der Innenmaße 25,5×11 Zentimeter umschließen – nicht gerade die Welt. Versucht man eine schmale Raute zu formen, kann die innen etwa 32 Zentimeter Länge haben. Allerdings ist das nur ein theoretischer Wert: Kein Laternenpfahl und kein Rahmenrohr passt in die spitzwinklige Ecken. Zudem muss das letzte Segment stets in genau dem richtigen Winkel in den Schließmechanismus eingeführt werden, nicht selten eine Fummelei.

Nun aber zur Besonderheit des Bordo Alarm 6000A: Es piept kurz, wenn scharfgestellt, und wenn das geparkte Rad auch nur angerempelt wird, tut es das warnend noch einmal. Lässt man es dann nicht gleich in Ruhe, fängt Bordo greulich und geradezu peinlich laut (100 Dezibel) an zu heulen. Auslöser dafür sind batteriegespeiste Bewegungssensoren, die auffallend gut zwischen dem letzten Handgriff am Rad, etwa dem Abnehmen der Gepäcktasche und einem später unbefugten Herumfummeln, zu unterscheiden wissen. Abschreckung, mehr nicht. Aber auch erheiternd: Wenn es am Zaun des Biergartens losheult, weil wieder mal jemand den schönen Ledersattel tätscheln musste.

Quelle: F.A.Z.
Hans-Heinrich Pardey
Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.
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