LED-Handlampe im Test

Mit Luzifer in der Nacht

Von Lukas Weber
 - 09:44

Es gibt Leute, denen es nie hell genug sein kann. Der Autor dieser Zeilen sah es genauso, bis er eine jener modernen Taschenlampen in der Hand hielt, die nicht mehr in die Hosentasche passen, sondern höchstens in Hermines Handtasche. Das Modell MT 18 des innovationsfreudigen deutschen Herstellers Ledlenser hat gleich drei Hochleistungs-LED im dicken Kopf, alles zusammen ist 17 Zentimeter kurz und liegt satt in der Hand, normal gebaute Menschen werden die 637 Gramm auf Nachtwanderungen wohl nicht halten wollen. Dafür ist sie nicht gemacht, aber vielleicht zur Nachsuche für Jäger, zum Abschrecken von Einbrechern und überall dort, wo Flutlicht gebraucht wird.

Ein Lichtstrom von 3000 Lumen nach Norm (ANSI) wird erreicht, das ist grell und entspricht etwa dem, was beide H7-Scheinwerfer im Auto zusammen abgeben. Im Handel sind nominell noch stärkere Handlampen erhältlich, von denen die meisten einen festen Reflektor haben. Das Besondere an der Ledlenser ist freilich eine patentierte Optik aus Reflektor und Linse: Mit einer Hand lässt sich der Kopf vor und zurück schieben, mit beiden geht es leichter. Dabei verwandelt sich der Strahl stufenlos vom raumfüllenden Format zum runden Spot, der 540 Meter (ANSI) weit reicht. Die Ränder der beleuchteten Fläche sind scharf umrissen, und die Ausleuchtung ist gleichmäßig, das empfinden wir im Vergleich mit den Lichtfetzen und Ringen anderer Leuchten als eine Wohltat fürs Auge.

Das Licht ist hellweiß, uns war es in den meisten Anwendungen zu heftig. Deshalb ist es gut, dass die Lampe gedimmt werden kann. Die Elektronik gestattet das in drei Stufen, in der zweiten stehen 600 Lumen (das schafft kaum eine Stirnlampe) und in der dritten noch 30 zu Verfügung, ausreichend zum Lesen oder um den Schraubendreher an der richtigen Stelle anzusetzen. Breitstrahl und erste Stufe ist auch die richtige Wahl, wenn man die Lampe zur Zimmerbeleuchtung senkrecht aufstellt (Tailstand). Die Reihenfolge von oben nach unten oder umgekehrt kann der Besitzer selbst programmieren, außerdem gibt es einen Stroboskop-Modus zur Selbstverteidigung und einen, der unbeabsichtigtes Anschalten während des Transports verhindert.

Wie die meisten hochwertigen Handlampen hat die MT 18 einen austauschbaren Lithium-Akku, der dem Benutzer beständigen Batteriewechsel und der Umwelt eine Menge Müll erspart. Er fasst knapp 38 Wattstunden und kann über Netz, Autosteckdose oder USB geladen werden und hält je nach Stufe bis zu 96 Stunden. Um den Akku vor Tiefentladung zu schonen, schaltet die MT 18 einige Stunden zuvor ab und gibt den Rest erst auf Anforderung frei. In der hellsten Stufe leuchtet die Lampe fünf Stunden. Wobei das nur ein Teil der Wahrheit ist, denn wenn die volle Leistung abverlangt wird, dimmt die Elektronik das Licht nach wenigen Minuten, damit das Gehäuse nicht zu heiß wird und die LED keinen Schaden nehmen. Nach einer kurzen Pause leuchtet sie wieder so hell wie am Anfang. Der Ladezustand wird auf leichten Druck auf den Schalter grob angezeigt, grünes Licht zeigt voll, gelb wird es im halbleeren Zustand und bei Ladebedarf rot. Dann muss die MT 18 einen Bürotag lang ans Netz, bis sie wieder voll ist.

Die Leuchte ist spritzwassergeschützt (IPX4). Ganz wasserdicht werden fokussierbare nie, kurzzeitiges Eintauchen hat unsere aber ohne Probleme überstanden. Die Verarbeitung ist, wie vom Hersteller gewohnt, ohne Tadel, Ledlenser gewährt sieben Jahre Garantie, wenn die Lampe registriert wurde. Dass die MT 18 nicht billig ist, sieht man ihr auf den ersten Blick an. Knapp 230 Euro lohnen für den, der häufig eine beeindruckende Erleuchtung brauchen kann, als Immerdabeilicht für die Hosentasche oder Gelegenheitsarbeiter gibt es geeignetere und auch billigere Exemplare.

Quelle: F.A.Z.
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Lukas Weber
Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.
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