Henkel als Tragehilfe

Nicht nur für Bierkästen

Von Lukas Weber
 - 09:22

Es gibt Krankheiten, die anscheinend in direktem Zusammenhang mit dem Beruf stehen. So bleibt wohl kaum ein Büromensch im Verlauf seines Arbeitslebens von Rückenschmerzen verschont, er bekämpft sie mit Massagen, Sport und allerlei Wundermitteln. Der Autor dieser Zeilen hat vor Jahren in der Rückenschule erst einmal gelernt, Lasten richtig anzuheben. Denn den Oberkörper vornüber zu beugen und dann den Kasten Bier vor dem Bauch zu wuchten geht mit der Zeit auf die Bandscheiben, stattdessen sollen der Rücken gerade und die Beine gebeugt sein. Gegen die Schmerzen, wenn sie sich trotzdem einstellen, gibt es einige gute Ideen, die beste davon ist, andere die Getränke tragen zu lassen.

Die zweitbeste haben wir jetzt eine Weile ausprobiert. Es ist eine Art Henkel namens Trag-Leicht, der den Transport von allerlei Sachen erleichtern soll, die eingehakt werden können. Der Helfer besteht aus einem Stück Rohr, das als Handgriff dient, an seinen Enden sind schwenkbare Bügel aus Stahldraht mit zwei parallel laufenden Schenkeln angebracht, deren Material einen halben Zentimeter dick ist. Sie finden sich zu einer Schlaufe zusammen, die einen Haken bildet.

Das gerade mal ein halbes Pfund schwere Gerät lässt sich zusammenklappen und mit einem kräftigen Gummi fixieren, der einfach über Griff und Bügel geschoben wird und sonst an einem der Schenkel ruht, ohne zu stören, es ist dann 34 Zentimeter breit. Auseinandergeklappt umfasst der Trag-Leicht 56 Zentimeter – das ist genug für Getränkekästen aller Art, Bierfässer und Bananenkisten oder auch für den großen Suppentopf der Pfadfindergruppe. Statt vor der Brust wird all dieses nun am Griff gepackt und wie eine Handtasche seitlich am Körper transportiert; durch das Gewicht krallen sich die Haken fest, die zuvor lockere Konstruktion wird stabil.

Das funktioniert erstaunlich gut, nach kurzer Zeit gewöhnt man sich an, den Griff mittig einzuhaken, damit das Transportgut am Schwerpunkt gepackt wird. Erfreulich ist, dass nichts mehr vor Bauch oder Brust die Sicht behindert, so dass man im Blindflug die Treppe hinunterstolpert, und eine Hand für das Geländer frei ist – es sei denn, rechts und links wird je ein Kasten gehoben, was für den Rücken ohnehin besser ist und mit einem anständigen Griff auch zart gebauten Personen gelingt.

Wer nicht immer heben will, kann den Klammeraffen auch zum Hinterherziehen des Kastens über glatten Boden benutzen, etwa vor der Ladenkasse, und erspart sich so das Bücken.

Ganz neu ist die Idee nicht, der Darmstädter Erfinder Claus E. Fischer hatte vor Jahrzehnten schon mal einen Trag-Leicht aus Edelstahl mit etwas mehr Materialstärke im Programm, wobei er meint, dass alle damals verkauften wohl noch in Benutzung und vererbbar seien, denn das Gerät hält nach Angaben des Herstellers locker das Gewicht eines schweren Mannes aus.

Fischer fand aber lange Zeit keinen, der die an sich simple Konstruktion zu einem anständigen Preis anfertigen konnte. Jetzt ist er gefunden, und es gibt den Trag-Leicht wieder in einer schwarz gepulverten Variante und im Direktverkauf frei Haus zum Preis von knapp 30 Euro, zwei Stück, die wir wegen der Symmetrie empfehlen möchten, kosten 50 Euro.

Quelle: F.A.Z.
Lukas Weber
Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.
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