Mähbericht Roboter Indego

Auf Kante gemäht

Von Holger Appel
 - 08:00
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Einen Garten haben viele gern, sich um ihn kümmern ist nicht jedermanns Sache. Für die von Frühjahr bis Herbst allwöchentlich anfallende Aufgabe des Mähens lassen sich zwei Lösungen finden. Ein Familienmitglied muss ran, samt Überredungskünsten und immer ausgeklügelteren Anreizsystemen. Oder Mähi, ohne Diskussion. Mähi ist eigentlich ein Indego 400 von Bosch, genießt aber gleiche Koseformen der nun von der Arbeit befreiten Nachwuchskräfte wie Moby, der unersetzlich gewordene Schwimmbadroboter. Dies gleich vorweg: Mit Mähi ziehen in den Garten einige Erleichterungen ein, aber auch ein paar Probleme. Die Katze etwa erkennt in ihm einen Feind, den es auf der ersten Fahrt zu stellen gilt. Weil das grüne Monster aber von Fauchen und Krallen unbeirrt seine Bahnen zieht, muss Katze fortan die Sache tatenlos von der Terrasse aus erdulden. Was sie unter sichtlichem Missfallen tut.

Indegos Freund ist auch ein Schwimmbad nicht. Zu jenem oder einem Teich ist ein Sicherheitsabstand von 75 Zentimeter einzuhalten, weshalb dort ein ungemähter Streifen von mahnender Ungepflegtheit entsteht, dem mit einem Kantenschneider zu Halme gerückt werden muss. Dabei wiederum fliegt das Schnittgut ins Wasser, was dem Skimmer zusetzt. Oder Moby, sie wissen schon.

Sei’s drum, die Vorteile wirken zu verlockend, und endlich wird auch an den Kleingrundstücke sein Eigen nennenden Hausherrn gedacht. Bosch liefert in der Klasse unter 1000 Euro das Modell Indego, das wir in der Version 400 Connect mit App-Anbindung auf das heimische Grün losließen. Es ist für Rasenflächen von 20 bis 400 Quadratmeter gedacht.

Rasenmähen 2.0
Der Mähroboter Indego 400 von Bosch
© F.A.Z., F.A.Z.

Die angeblich flugs von der Hand gehende Installation dauert drei Stunden. Das liegt einerseits an dem Begrenzungskabel, das der Mäher zur Orientierung braucht. Es wird rund um den Rasen mit Gummihammer und Plastikheringen auf der Oberfläche fixiert und ist nach einiger Zeit bis zur Unkenntlichkeit vom Gras überwachsen. 30 Zentimeter Abstand zu Wänden oder Zäunen sind gefordert, 5 Zentimeter zur Rasenkante und 75 Zentimeter Abstand zwischen jedem Hering. Ein Lineal liegt der Packung bei, trotzdem muss der Anfänger immer mal wieder nachjustieren. Feste Hindernisse wie Sträucher oder Hundehütten müssen ausgespart werden.

Das geht noch, nicht aber die vermeintlich simple Aufgabe, die Basisstation zu installieren. Sie muss abseits der Sonne ebenerdig mit Kunststoffschrauben fixiert werden, was ohne Vorbohren mit der Bohrmaschine nicht gelingt. 30 Zentimeter Abstand zu Wand oder Rand sind einzuhalten, und vor der Station müssen 1,5 Meter Freiraum herrschen, sonst kann sich Mähi nicht korrekt ausparkend entfalten. Der Anfang des Kabels muss gerade heraus-, das Ende rechtwinklig an die Station zurückgeführt werden. Aber wo genau? Die Anschlüsse liegen hinten, der einzige Ausgang des Kabelschachts vorn. Abgehendes und ankommendes Kabelende dürfen aber nicht durch denselben Schacht geführt werden, sonst überlagern sich die Frequenzen.

Leider versagt hier die Verlegeanleitung, ausdrücklich nicht der Verleger, das versteht sich von selbst. Im Ernst, der freundliche Mann von der Hotline kennt das Problem, die Kunden scheitern häufiger an der Frage, wie der Draht von und zur Ladestation kommen soll. Er kann es genau beschreiben. Frei nach dem Motto „dreimal abgeschnitten und immer noch zu kurz“ empfiehlt es sich, das Kabel von der 125-Meter-Trommel erst dann final zu kupieren, wenn der Mäher auf seiner ersten Kontrollfahrt alle Stellen richtig erkennt. In unserem Fall ist er unerwartet an eine kleine Erhöhung des Randsteins gestoßen und dort verendet. Schließlich muss der Trafo vom kühlen und feuchten Boden entfernt angebracht werden, etwa an einem Brettchen. Er ist zwar verschweißt, aber sicher ist sicher. Wer sich den Stress ersparen will, bittet den Fachhändler um die Installation.

Hernach macht sich der Mähroboter wie von Geisterhand gesteuert ans Werk. Er fährt hinterradgetrieben zunächst die Kanten entlang und macht sich dann über die Fläche her. Hier wählt Bosch einen anderen Weg als alle anderen Hersteller. Der Indego fährt das Grün nicht nach Zufallsprinzip ab, sondern Bahn für Bahn. Immer wieder hält er kalibrierend inne und speichert die Rasenkarte. Nach zwei bis drei Mähvorgängen soll die Karte vollständig sein, unser Testexemplar blieb denkend auch noch nach Wochen immer mal wieder stehen. Die Fahrt Bahn für Bahn schadet dem Rasen, sagt die Konkurrenz, sie ist effizienter, sagt Bosch. Die Streifen sind nach dem Mähen erkennbar, verschwinden aber am zweiten Tag und hinterlassen keine braune Spuren, sagen wir. Zumal der Roboter beim nächsten Mähvorgang die Richtung der Bahn ändert und so nur alle zwei Wochen über dieselbe Stelle fährt. Warum er meist nur halbe Bahnen abfährt und dann wendet, anstatt die gesamte Länge auf einmal zu mähen, hat sich uns nicht erschlossen.

Für das Ergebnis ist es gleich, irgendwann kommt er überall hin. Der acht Kilogramm leichte Roboter ist 45 mal 35 Zentimeter groß, die Schnittbreite der drei an einer Scheibe kreiselnden und in der Höhe verstellbaren Messerchen beträgt aber nur 19 Zentimeter. Er fährt also oft hin und her. Steigungen meistert er bis 27 Prozent. Achtlos herumstehende Tischtennisplatten bringen ihn nur kurzfristig aus der Fassung. Kleinkram wird überrollt. Grundsätzlich ist natürlich angeraten, die Rasenfläche frei zu halten. Der Mähvorgang dauert Stunden, etwa alle 30 Minuten fährt der Roboter zum Laden an die Station. Zeit ist freilich kein Faktor mehr. Der Indego geht so leise zu Werk, dass er auch sonntags losgelassen werden kann. Und Zuschauen macht echt Spaß.

Mit der Zuverlässigkeit ist es allerdings nicht so weit her. Mehrere Male überfuhr der Mäher seine Basisstation und blieb quer auf ihr liegen. „Mäher benötigt Hilfe“ meldet dann die App, doch wen eine solche Nachricht im Urlaub ereilt, der hört nur noch machtlos aus der Ferne das Gras wachsen. Auch sonst war viel geboten, mal legte ihn ein „interner Fehler“ lahm, mal wurde er angeblich angehoben und der Diebstahlschutz ausgelöst, obwohl weder Dieb noch eine sich diebisch freuende Katze gesichtet werden konnten. Nach derartigen Meldungen muss immer wieder die vierstellige Pin am Mäher eingegeben werden, wir taten dies mit abnehmendem Vergnügen bestimmt zwei Dutzend Mal. Auch die Kommunikation über die App erwies sich als fehleranfällig, diverse Falschmeldungen oder Verbindungsschwierigkeiten trübten das Bild.

Das ist ärgerlich, denn der Mäher an sich macht seine Arbeit gut. Der Zustand des Rasens verbessert sich nach einiger Zeit sichtbar. Dass er zweimal je Woche gemäht wird und das Schnittgut als Dung auf ihm liegen bleibt, bekommt ihm. Dem sich die Tour zur Deponie sparenden Hausherrn auch. Der Roboter ist uns trotz seiner Kommunikationsdefizite ans Herz gewachsen. Er braucht kaum Pflege, will nur regelmäßig gereinigt werden, weil er mangels Regensensor bei jedem Wetter ausfährt und unten reichlich verdreckt. Wäre jetzt noch eine saubere Lösung für den leidigen Randstreifen parat, hätte Mähi beste Chancen, neues Familienmitglied zu werden. Sonst müsste zumindest ein Akkumäher her. Denn nach der Erfahrung mit dem Roboter ist eines klar: Auf einen Mäher mit Stromkabel hat keiner mehr Lust.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Appel, Frank-Holger (hap.)
Holger Appel
Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.
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