Lichttherapiegeräte im Test

Lösung für Lichtgestalten

Von Elena Witzeck
 - 15:36
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Wenn sich im November in Tromø nördlich des Polarkreises für zwei Monate das Licht verabschiedet, nennen die Norweger das „koselig“: gemütlich. Diejenigen, die nicht an die Polarnacht gewöhnt sind, quälen sich eher durch die dunklen Wintermonate. Auch weiter südlich ist während dieser Zeit nichts Rechtes mit den paar hellen Stunden anzufangen, die der Tag anzubieten hat, fallen sie doch mitten in die Arbeitszeit.

Der monatelange Sonnenentzug führt bei manchen Menschen zu Verstimmungen, Antriebslosigkeit und Heißhunger, bei anderen zu Winterdepressionen, die zu Beginn der Frühlings meist nachlassen. Weil sich am Verlauf der Jahreszeiten nichts ändern lässt, werden Tageslichtlampen zur sogenannten Lichttherapie eingesetzt und sollen bei der Produktion von Serotonin und Vitamin D helfen, kurz: mehr Energie verschaffen. Sie erzeugen Kunstlicht, das dem hellen Tag ähnelt, also bis zu hundertfach stärker leuchtet als eine Wohnzimmerlampe.

Beim Kauf einer solchen Lampe kommt es auf die Zertifizierung und die angegebene Beleuchtungsstärke an. Lichttherapiegeräte produzieren in der Regel um die 10 000 Lux, während andere Lampen nicht ausreichend stark leuchten, um wirklich zu helfen. Wer mit der düsteren Stimmung kämpft und viel am Schreibtisch sitzt, kann unter einem der praktischen Tischgeräte auswählen, wie sie die beiden Hersteller von Tageslichtlampen, Philips und Beurer, verkaufen. Deckenleuchten und andere klassische Zimmerleuchten befinden sich meist zu weit entfernt, um wirksam zu sein.

Beurer bietet seit März für 140 Euro den TL 55 an, ein rechteckiges, medizinisch zertifiziertes Gerät, das sich sowohl horizontal als auch vertikal verwenden lässt und entfernt an ein iPad erinnert. Wegen seiner Größe lässt es sich gut auf dem Schreibtisch plazieren, ohne dass der Benutzer beim Arbeiten eingeschränkt wird – wobei ein Abstand von 15 Zentimeter zum Gesicht empfohlen wird, was nicht besonders praktikabel ist. Für eine optimale Wirkung rät Beurer, ab und zu kurz in das weiße Licht (6000 bis 6500 Kelvin) zu schauen, ohne die Netzhaut dabei zu überreizen. Beim Aufstellen irritiert nur der im Vergleich zum hochwertigen Gerät ziemlich simple Standfuß.

Die Beleuchtungsstärke geben die Hersteller in Lux an, dem gemessenen Lichtstrom auf eine Fläche von einem Quadratmeter. Das Gerät von Beurer leistet bis zu 10 000 Lux, was für solche Lampen Standard ist, und unterscheidet zwischen Tageslicht und zum Einschlafen geeignetem roten Licht. Während die roten Strahlen der Entspannung dienen – es wird neben dem Bett aufgestellt und in drei Stufen automatisch schwächer, bis es schließlich ausgeht –, soll sich bei weißem Licht nach etwa sieben Tagen kontinuierlicher Nutzung eine Veränderung „im Energielevel“ bemerkbar machen. Das Problem ist, dass die empfohlenen zwei Stunden pro Vormittag schwer einzuhalten sind. An das angenehm helle Licht gewöhnt man sich zwar schnell, aber nicht jeder sitzt vormittags zwei Stunden lang am selben Ort. Die Leistungsaufnahme des TL 55 liegt bei 15 Watt. Vollständig aufgeladen lässt sich das Gerät eine Stunde lang verwenden, was eine nahe Steckdose nötig macht.

Philips verkauft ein noch handlicheres, als Medizinprodukt zertifiziertes Gerät, das blau leuchtet. Wellenlänge, Intensität und Farbe der LED-Lampe Energy Up ähneln dem blauen Himmel an einem Sommertag, die Farbtemperatur ist mit 4000 bis 5000 Kelvin jedoch kälter als eine normale Zimmerbeleuchtung. Ein Rezeptor im Auge soll auf das Licht reagieren und für die Produktion von Serotonin sorgen. Im Vergleich zur Beurer-Lampe, deren Oberfläche fast komplett der Beleuchtung dient, wirkt die kleine Leuchtfläche des Energy-Up-Lights fast etwas zu sehr auf gutes Aussehen und zu wenig auf medizinischen Nutzen hin entworfen. Das hübsche Design soll wohl auch den Preis von 200 Euro rechtfertigen.

Weil sich der menschliche Biorhythmus am Licht orientiert, empfiehlt Philips, die Lampe nur zu bestimmten Tageszeiten zu benutzen. Frühaufsteher, die abends schnell müde werden, sollten sich dem Licht eher nachmittags aussetzen, während für Nachtmenschen das Morgenlicht in den ersten zwei Stunden nach dem Aufstehen wichtig ist. Die Lampe könne so dazu beitragen, den natürlichen Schlafrhythmus wiederherzustellen – das Pendant zum roten Einschlaflicht von Beurer also. 20 bis 30 Minuten pro Tag in der Nähe des Lichts reichen laut Hersteller aus. Um die Augen nicht zu sehr anzustrengen, sollten zusätzlich andere Lichtquellen im Raum sein. Voll geladen hält der Akku bei höchster Lichtintensität etwa eine Stunde, die Leistungsaufnahme liegt bei 10 Watt. Wie bei anderen Tageslichtlampen verursacht die hohe Leistung verbunden mit den neuen Reizen bei lichtempfindlichen Nutzern leichte Augen- und Kopfschmerzen, die aber recht schnell wieder nach lassen. Bei beiden Lampen lässt sich nach einigen Tagen ein Gefühl feststellen, das entfernt an den Tatendrang an einem Frühlingstag erinnert.

Quelle: F.A.Z.
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