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Porsche 911 GT3 von Lego

Teilchenbeschleuniger

Von Peter Thomas
 - 15:08
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Lego lässt es mit Sportlichkeit ohne Kompromisse krachen: 325 km/h schnell donnert der Porsche 911 GT3 RS aus dem Technic-Programm durch die Vitrine. Zumindest behauptet das die Anzeige im Cockpit des mehr als einen halben Meter langen, dafür aber nur 17 Zentimeter flachen Plastik-Boliden (entspricht dem Maßstab 1:10) in knalligem „Lavaorange“. Doch der Uhrenladen (in der Mitte weist der Drehzahlmesser 8500 Touren auf) ist auch nur auf die entsprechenden Klötzchen aufgeklebt. Auf der Spielwarenmesse in Nürnberg hatte der aus mehr als 2700 Einzelteilen montierte Rennsportler Premiere - humorvoll inszeniert als Erlkönig im schwarz-weißen Tarnkleid. Die Serienversion (Artikelnummer 42056) kostet 299 Euro und kommt im knalligen orangeroten Lack daher.

Wir haben den Sportwagen über mehrere Abende hinweg zusammengebaut. Dabei zeigte sich schnell, dass die Dänen diesmal ein etwas anderes Großmodell vorgelegt haben als die so erfolgreichen Kräne, Bagger und Lastwagen der Technic-Familie. Dieser Unterschied beginnt beim Porsche schon mit dem Auspacken: Üblich sind bei Lego die etwas nüchtern in ein großes Paket aus dünner Pappe gestopften Kunststoffbeutel: praktisch, aber nicht ästhetisch. Bei diesem Set hingegen erhält der Kunde eine aufwendig und edel gestaltete schwarze Box. Darin sind die Teile der vier Bauabschnitte nochmals in eigenen, ebenfalls wertig anmutenden Pappschachteln zusammengefasst. Die Ästhetik erinnert an die Verpackung von Sets der „Lego Architecture“-Serie - oder an Produkte von Marken wie Apple und Leica.

Ein Herzstück der Lieferung ist die sehr umfangreiche Bauanleitung. Das mehr als daumendicke Buch bringt unter anderem Exkurse zur Markengeschichte der Zuffenhausener Sportwagenbauer, zum Entstehen des Modells und zur Montage des realen 911 GT3 RS mit. Aufgelockert werden die vielen Seiten mit ihren zum Teil arg kleinteiligen Bauschritten durch stimmungsvolle Fotos aus der Produktion des Originals. Die Inszenierung ist große Oper: viele dramatische Höhepunkte, aber durchaus auch die eine oder andere Länge.

Die hohe Authentizität des Modells erfahren wir schon bei der Konstruktion des Antriebsstrangs. Rad um Rad, Welle um Welle stecken wir nach Plan zusammen, bauen ein buntes und seidenweich laufendes Uhrwerk vom Motormodell bis zur Hinterachse zusammen. Der realen Krafterzeugung und -übertragung dient diese Maschinerie aber später nicht. Denn einen echten Motor weist die Miniatur nicht auf. Lego hat hier statt batterieelektrischem Fahrspaß auf dem Teppich wohl eher die ästhetische Präsentation des Großmodells auf dem Schreibtisch oder in der Vitrine zum Ziel. Den Spaß am Bauen schmälert das nicht.

Offenheit mechanischer Systeme

Aber warum nur müssen wir ein paar Bauschritte weiter dieses hochkomplexe Maschinentheater des Doppelkupplungsgetriebes unter einer schnöden Abdeckplatte verstecken, die sich nicht hochklappen lässt? Ansonsten zelebriert doch Lego geradezu die Offenheit mechanischer Systeme bei seinen Technic-Baukästen. Das beste Beispiel dafür sind die Motormodelle, die ohne Zylinderköpfe das flirrende Spiel der Kolben zeigen. Auch unser Modell hat einen halbwegs vorbildgerechten Sechszylinder-Boxermotor im Heck - sieht man eben später nur nicht mehr.

Die Zielgruppe der erwachsenen Modellbauer wird diese Verschlossenheit weniger stören. Denn wer den Boliden einmal montiert hat, dem ist diese manchmal an Sisyphus gemahnende Erfahrung (tütchenweise identische Steckverbinder, die wir zum besseren Überblick in von der Gattin geliehene Auflaufformen entleeren) nicht mehr zu nehmen. Aber was ist mit der jüngeren Generation, die zu Kraftfahrzeugen und Lego ja durchaus eine ausgeprägte Affinität zeigt?

„Hat der ’ne Fernsteuerung?“, fragt der Elfjährige, nach eventuellen elektromotorischen Spielereien schielend. Mit unserem „Nein“ entspannt sich ein für den Bausatz wenig ersprießlicher Dialog: „Wenigstens Power Functions?“ „Nein, auch keine Motoren.“ „Und Licht?“ „Fehlanzeige.“ „Hmmmm.“ (Wendet sich wieder dem gerade aus dem Lego-Robotikkasten Mindstorms gebauten Modell zu, das sich mit Stimme und Smartphone steuern lässt).

Der Zehnjährige, eingefleischter Connaisseur schneller Autos, gibt dem Standmodell immerhin bessere Noten. Auf dem Weihnachtswunschzettel steht trotzdem der Lego-Schaufelradbagger mit, ganz genau, reichlich Motorfunktionen.

Hoher Spielwert mit der Nachbildung eines realen Vorbilds

Unter dem Strich ist die Ausdifferenzierung der Produktpalette zwischen Spiel und Staunen aber sicherlich sinnvoll. Denn komplexe, von den Herstellern der jeweiligen Originale lizenzierte Großmodelle sprechen ja Modellbauer und Sammler gleichermaßen an. Das hat Lego in den vergangenen Jahren auch mit Bausätzen von Klassikern wie VW Käfer (Artikelnummer 10252, 90 Euro), VW T1 Campingbus (Artikelnummer 10220, 100 Euro), Mini Cooper (Artikelnummer 10242, 90 Euro) und Caterham Seven 620R (Artikelnummer 21307, 80 Euro) gezeigt. Diese sind vor allem in der Creator-Reihe erschienen.

Etwas günstiger fallen die „Speed Champions“ von Lego aus. Sie verbinden hohen Spielwert mit der Nachbildung eines realen Vorbilds. Von Porsche gibt es in dieser Serie den 918 Spyder (Artikelnummer 75910, 15 Euro), zwei 911 GT mit Zieldurchfahrt (Artikelnummer 75912, 50 Euro) sowie ein Duo aus 919 Hybrid und 917 K mit Pit-Lane (Artikelnummer 75876, 80 Euro). Die Rennwagen sind im Maßstab der Lego-Minifiguren gehalten. Für diese Kunststoff-Däumlinge mit den gelben Köpfen ist unser 911 GT3 RS natürlich viel zu groß. Dafür erlaubt sein Maßstab die feinere Nachzeichnung der fließenden Silhouette, was mit dem Arsenal klassischer Bauklötze trotz der heutigen Formenvielfalt nie ganz einfach ist. Und tatsächlich bekommt Lego bei Vorbau und dem Rahmen der Windschutzscheibe erst mit flexiblen Stäben so richtig die Kurve: Die biegsamen Bauteile schmiegen sich der Form des Vorbilds entsprechend an die Karosserie an.

Kanadier holten dann richtig Schwung

Wir sind jedenfalls schon gespannt, welchen Sportwagen sich Lego als nächstes Modell vornimmt. Faszinierende Vorbilder gibt es ja genug. Das zeigt unter anderem auch Meccano. Dieses vor mehr als 100 Jahren in England erfundene Metallbaukastensystem ist quasi die Urzelle des modernen Konstruktionsspielzeugs und gehört mittlerweile zum kanadischen Spinmaster-Konzern. Auf der Spielwarenmesse 2015 stellte Meccano das Modell eines Formel-1-Rennwagens vor. In diesem Jahr holten die Kanadier dann richtig Schwung: Im Sortiment finden sich derzeit die Ferrari-Typen La Ferrari (Artikelnummer 6032900, 70 Euro) und GTB 488 Roadster (Artikelnummer 6028974, 40 Euro) sowie die Lamborghini-Modelle Huracán (Artikelnummer 6028405, 100 Euro) und Aventador (Artikelnummer 6032898, 75 Euro). Abgerundet wird das Programm der lizenzierten Modelle mit dem Motorrad Ducati Monster 1200 (Artikelnummer 6027038, 35 Euro).

Die Meccano-Bausätze kommen noch viel stärker skelettiert daher als das Lego-Großmodell aus Technic-Elementen. Dafür sind die Modelle ziemlich robust. Das ist den Schraubverbindungen zu verdanken, die in Sachen Fügetechnik noch immer den Löwenanteil bei Meccano ausmachen, trotz zunehmender Plastikteile.

Quelle: F.A.S.
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