Anzeige

Rauchwarnmelder im Test

Damit können Sie Ihr Leben retten

Von Peter Thomas
 - 16:04
Viel Zeit bleibt nach dem Ausbruch des Feuers nicht mehr. Bild: Picture-Alliance, F.A.Z.

Das Pfeifkonzert auf Knopfdruck ist gewaltig: Vom Heizungskeller über die Küche bis zum Schlafzimmer ertönen schrille Warntöne. Die Botschaft freut uns: In Sachen häuslichem Brandschutz ist alles in Ordnung – das hat der Testlauf der frisch installierten, funkvernetzten Rauch-, Kohlenmonoxid- und Hitzewarnmelder ergeben.

Anzeige

Doch der Reihe nach. Alles hat jüngst mit einer Frage zur Geisterstunde begonnen: Wo bitte piept es denn bloß? Wieder einmal hatte einer der Rauchwarnmelder bei nächtlich-kühlen Temperaturen irgendwo im Haus das Wehklagen über die in seinem 9-Volt-Block sinkende Spannung begonnen. Also angespannt auf den nächsten Warnton lauschen, das Geräusch lokalisieren und den schwächelnden Melder identifizieren. Dann den Melder abschrauben und die Batterie erneuern. Der Zehnerpack 9-Volt-Batterien liegt griffbereit im Flurschränkchen.

Ähnliche Szenarien kennen viele Menschen. Denn in den vergangenen 14 Jahren haben Rauchwarnmelder in ganz Deutschland immer stärker Einzug in Wohnungen und Häuser gehalten. Vorgeschrieben ist ihre Installation in den verschiedenen Landesbauordnungen. Rheinland-Pfalz ging mit der Verordnung von Rauchwarnmeldern in Neubauten ab dem Jahr 2003 voraus. Gleich drei Bundesländer folgten 2005 (Hamburg, Hessen, Schleswig-Holstein). Seitdem haben alle anderen Länder nachgezogen. Schlusslicht war die Bundeshauptstadt Berlin mit Stichtag zum 1. Januar 2017.

Ähnlich unkoordiniert geht es bei der Nachrüstung in Bestandsbauten zu: Während Baden-Württemberg hier nur ein Jahr von der Anordnung für Neubauten verstreichen ließ, gaben vielen andere Länder den Haushalten bis zu zehn Jahre Zeit. Die immer noch ausstehenden Stichtage gelten (jeweils zum Dezember) für Bayern (2017), Thüringen (2018), Berlin sowie Brandenburg (beide 2020). Und in Sachsen ist sogar bis heute noch keine Vorschrift für die Nachrüstung in Sicht.

Anzeige

Bewohner einer Immobilie sollten sowieso nicht auf die gesetzliche Vorschrift warten, sondern schon aus Gründen des Selbstschutzes aktiv werden und Rauchwarnmelder installieren. Denn diese sind vor allem im Schlaf echte Lebensretter. Denn dann reagiert der menschliche Geruchssinn nicht und kann somit auch die typischen Brandgerüche nicht wahrnehmen. Der schrille Warnton weckt dagegen und bewahrt vor dem lebensgefährlichen Einfluss der Rauchgase (insbesondere Kohlenmonoxid, aber auch Kohlendioxid, Blausäure, Chlorwasserstoff und Schwefeloxide).

Wie gut das Prinzip funktioniert, macht der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) deutlich: Nach seinen Angaben hat sich seit Anfang dieses Jahrhunderts die Zahl der Menschen, die in Deutschland durch Brände sterben, halbiert. Das ist exakt der Zeitraum, in dem die Pflicht zur Installation von Rauchwarnmeldern sukzessive eingeführt worden ist.

Zurück zu unserem nächtlich nervenden Warnmelder: Wir haben das zum Anlass genommen, die Technik komplett zu erneuern und sie dabei in dreierlei Hinsicht zu ertüchtigen: Statt der 9-Volt-Blöcke haben die neuen Geräte fest eingebaute Lithium-Langzeitbatterien mit zehn Jahren Lebensdauer (üblich sind hier Spannungen um 3 Volt). Zudem werden nun nicht mehr nur die für Schwelbrände typischen Rauchpartikel photoelektrisch erkannt (so funktionieren in Deutschland alle handelsüblichen Rauchwarnmelder), sondern wir haben auch Warngeräte für Kohlenmonoxid (im Heizungskeller und am Kaminofen) sowie Hitze (in der Küche) ins Haus geholt. Schließlich fiel die Entscheidung auf eine Funkvernetzung der Warnmelder.

Entsprechende Lösungen, die alle drei Voraussetzungen erfüllen, bieten verschiedene Hersteller. Wir haben uns die Produkte des irischen Unternehmens Ei Electronics näher angeschaut. Nach Großbritannien ist Deutschland der zweitwichtigste Markt für das Unternehmen. Der Rauchwarnmelder Ei 650 W mit passendem Funkmodul Ei 600 MRF kostet im Internet einzeln ab 85 Euro. Wir brauchen sechs Stück für Schlaf- und Wohnräume sowie den Flur als Fluchtweg. Dazu kommen zwei CO-Warnmelder Ei 208i DW mit Funkmodul Ei 200 MRF und ein Hitzewarnmelder Ei 603 TYC mit Auslösebereich bei 58 Grad Celsius plus Funkmodul für die Küche. Auch diese drei Warnmelder kosten jeweils ab 85 Euro. Schließlich ergänzt ein Alarmcontroller Ei 450 (rund 80 Euro) das Set.

Für alle Geräte gilt, dass die Funktechnik mehr als die Hälfte des Preises ausmacht. Wer die Warnmelder mit Zehn-Jahres-Batterie als Einzelgeräte installieren will, bezahlt etwa 50 Prozent mehr als für eine vergleichbare Qualität mit 9-Volt-Block. Die Mehrkosten amortisieren sich durch den Wegfall des Batteriewechsels über die Lebenszeit – und umweltfreundlicher ist die Lösung auch.

Die gesamte Installation hat uns gut drei Stunden gekostet. Am schnellsten ging es, das neue System in Betrieb zu nehmen: alle Geräte auspacken, die Funkmodule mit den manchmal etwas hakeligen 8-Pol-Steckern in die Warnmelder einsetzen, dann mit einem simplen Knopfdruck die Hauscodierung in Gang setzen. Bei diesem Pairing-Vorgang verbinden sich alle aktivierten Geräte automatisch.

Ein klein wenig mühseliger war es dann, die alten Melder von den Decken zu pfriemeln (wer hatte denn bloß vor Jahren diese bescheidenen Löcher gebohrt, aus denen uns jetzt Dübel und Putz von selbst entgegenkommen?) und die Basisplatten der neuen anzubringen. Schon der erste Testlauf (einfach den zentralen Bedienknopf auf dem Alarmcontroller drücken, bis die blaue LED leuchtet) funktionierte: Alle Geräte im Netzwerk stimmten beim Probelauf ins große Fiepen, Schrillen und Piepen ein.

Deutlich schnellere Reaktionsgeschwindigkeit der Bewohner

Die Vernetzung ist keine elektronische Spielerei, sondern ein relevanter Zugewinn an Sicherheit. So lässt sich nämlich das Risiko des räumlichen Abstands zwischen Brand und Aufenthaltsort der Bewohner in den Griff bekommen. Denn die miteinander vernetzten Melder warnen im ganzen Haus, wenn auch nur ein einziger von ihnen auslöst. Das führt gerade bei Objekten mit mehreren Stockwerken zu einer deutlich schnelleren Reaktionsgeschwindigkeit der Bewohner.

Als Beispiel mag das gefährliche, kleine Schwelfeuer im Kinderzimmer des ausgebauten Dachgeschosses dienen, das entsteht, während die Eltern im Erdgeschoss vor dem etwas lauter laufenden Fernsehgerät sitzen: Wie gut lässt sich dann durch zwei geschlossene Türen hindurch und über zwei Geschosse hinweg das Warnsignal wahrnehmen? Das Risiko ist besonders groß, weil der Alarm bei vielen Kindern keinen Fluchtreflex, sondern Panik auslöst.

Ebenso wichtig wie die Vernetzung sind uns die CO-Warnmelder gewesen. Sie erkennen gefährliche Konzentrationen dieses Gases, das insbesondere durch unvollständige Verbrennungsprozesse entstehen kann. Immer wieder kommt es hier zu schweren Vergiftungen bis hin zum Todesfall. Die Gründe reichen von Defekten an Gastherme oder Ofen bis zum Grillfeuer im Wohnzimmer oder dem Betrieb von Wasserpfeifen in schlecht ventilierten Räumen. Wir folgen dem Rat, einen Kohlenmonoxidwarnmelder in allen Räumen mit Feuerstätte zu installieren: also im Heizungskeller und in der Küche, wo der Kaminofen befeuert wird.

Hitzemelder reagiert auf einen Temperaturanstieg

Kohlenmonoxid ist besonders tückisch, weil es wie das ungiftige Kohlendioxid unsichtbar und geruchlos ist. Aus diesem Grund führen viele Rettungsdienste in Großstädten mittlerweile grundsätzlichen einen CO-Sensor mit sich. Wenn zu Hause der CO-Warnmelder anschlägt, sollte man sofort alle Menschen im Haus in Sicherheit bringen und die Feuerwehr rufen, rät der Deutsche Feuerwehrverband.

Das dritte Gerät im Netz, der Hitzemelder, erschließt den letzten blinden Fleck der Warntechnik im Haus – die Küche. Hier lassen sich klassische Rauchwarnmelder nicht einsetzen, weil sie auf die Trübung der Raumluft durch Partikel reagieren. Das kann aber auch durch die Dämpfe und den Rauch des Kochens geschehen. Der Hitzemelder hingegen reagiert auf einen Temperaturanstieg, der deutlich über dem Niveau liegt, das beim Kochen erreicht wird.

Eine genuine Smart-Home-Lösung ist unser Netzwerk nicht. Und das soll es – wenn es um den Zugriff auf die Funktion der Warnmelder geht – auch gar nicht sein. Die Übermittlung von Meldungen hingegen wäre über eine Schnittstelle zur Hausautomation möglich. Wir lassen es vorerst beim Datenaustausch zwischen Warnmeldern und Smartphone mittels akustischer Signale: Wer das Protokoll der einzelnen Geräte auslesen will, kann das über die App Audio Link von Ei Electronics. Dazu wird das Smartphone mit dem Mikrofon direkt an den Melder gehalten. Bei der nächsten Generation der Technik würden wir uns dann doch eine etwas weniger laute Lösung wünschen als diesen Sound, der an das Pfeifen und Trillern längst vergangener Zeiten erinnert – als wir uns mit dem Modem an die Datenübermittlung über das Telefon wagten.

Quelle: F.A.Z.
  Zur Startseite
Ähnliche ThemenBerlinDeutschlandGDV

Anzeige